STATIC VOID

Der Zeitraum zwischen der Auflösung von SIRENS und den Beginn von STATIC VOID war soweit ich weiß, nicht wirklich groß. Und STATIC VOID besteht ja größtenteils (bzw. nur?) aus SIRENS Mitgliedern. Wie kam es dazu? War das Feuer für SIRENS erloschen und Zeit für etwas Neues? Das Ganze geht ja doch in eine etwas andere Richtung.

Daniel: Schön, dass du das als andere Richtung ansiehst. Oft kam schon dieses "joa, klingt wie Sirens" und das seh ich auch nicht so. Torsten, der alte Sirens-Gitarrist und maßgeblicher Songwriter hatte sich damals für den Ausstieg aus der Band entschieden und der Rest von uns hat direkt beschlossen ohne ihn weiterzumachen. Bis wir wieder Songs beisammen hatten und bereit waren live zu spielen, sind dann aber schon gut 1 1/2 Jahre vergangen. Denk aber, dass diese Pause uns auch gut getan hat. Michael: Für uns war irgendwie klar, dass wir weiter machen wollen. Nicht als Sirens und auch nicht mit Songs die nach Sirens klingen. Es hat dann alles bisssel gedauert aber irgendwann kam halt Static Void dabei raus. Die Songs sind ein wenig langsamer als bei Sirens, aber im Prinzip sind die Zutaten ähnlich: Pfälzer Gemütlichkeit, Nordische Introverteiertheit und Ruhrpott Asozialität.

Vor der Veröffentlichung von „Monosyllabic“ erschien ja als kostenloser Download „The Monosyllabic Madness Mixtape“, auf dem einige Songs in originalfassung und einige als Mix vertreten waren. Besonders gelungen finde ich hierbei eueren Mix von „None“ mit neuen Lyrics. Wie seid ihr auf die Idee dieser doch besonderen, ich nenne es mal „Zusammenarbeit“, gekommen? Ein Bekannter von mir meinte so könne er sich sogar das Hören dieses „NICHT“- Gangsterrappers gefallen lassen.

Michael: Die, wie du es nennst, "Zusammenarbeit" war ein reines Zufallsprodukt. Ich hatte in meiner Faulenzer-Welt eines Nachts Langeweile und hatte einen Roh-Mix des Songs noch ohne Vocals. Anfangs war noch Puff Daddy am Start aber nach dem Rumprobieren mit verschiedenen Acapellas ists dann Sido geworden. Den kann man sich übrigens uneingeschränkt und immer anhören und muss es sich nicht "gefallen lassen ;-) Irgendwie also ein wenig ein "Witz" aber irgendwie auch nicht. Die anderen Remixe auf dem Mixtape sind von Freunden, die in ihrer Freizeit Electro-Sachen produzieren. Beide hatten Bock für das Mixtape sowas zu machen und dann haben wir sie einfach machen lassen und die Sachen auf das Tape gepackt.

Neulich auf dem „Fluff“ gab es Textilien mit dem Aufdruck „Save the Mixtape!“. Stellt ihr privat noch solche zusammen (das oben genannte zählt nicht, weile digital) und verschenkt diese?

Daniel: Ich hab schon ewig kein Mixtape mehr erstellt, war auch nie so meins..wenn ich sowas mal gemacht hab, dann für mich selber. Ich erinnere mich noch, wie ich mir aus dem Lost&Found Sampler "Golden Shower of 72 Hits" die besten Lieder auf ne Kassette kopiert habe. Das war n guter Mix, hab ich sehr oft gehört...Anonsten hab ich meist nur ganze Alben kopiert oder viele 7''s auf ner Kassette zusammengefasst. Mein neues Auto hat nun auch wieder ein Tapedeck, werd mal einen der Schuhkartons rauskramen und die ollen Tapes durchhören bald.. Michael: Ich hab manchmal tatsächlich schon selbst Tapes zusammengestellt, Cover gebastelt und verschenkt. Manchmal dann aber aus Faulheit auch am PC zusammengestellt, dann aber schön auf Tape kopiert und so weiter

Ihr bezeichnet Euch selbst ja als Ü30- Straight Edge Band. Wie wichtig ist Euch die Bezeichnung „straight edge Band“?

Daniel: Sirens war im Ursprung auch ne (unausgesprochene) Edge-Band, das wurde durch unsere Söldner (zuerst Moritz an der Gitarre und dann Jörg am Schlagzeug) aber dann verwässert. Jetzt haben wir uns wieder gesundgeschrumpft und sind dank dem Ableben von Zann nun sogar die "älteste" straight-edge Band aus Deutschland, wenn mich nicht alles täuscht. Wichtig ist es mir nicht, geil find ichs trotzdem.

Wie findet ihr die, ich nenne es mal „Internetdisierung/Facebookisierung“ (ich weiß die Worte gibt es nicht), der „Hardcoreszene“, deren Höhepunkt jetzt ja erreicht ist. Bands haben größtenteils ja schon keine eigenen Homepages mehr, sondern nur noch Facebook-Seiten(bzw. Myspace). Ich persönlich finde es zum Beispiel schade dass es nahezu fast keine „richtigen“ Fanzines in Heft-/Buchform mehr gibt und manche „Kids“ das auch gar nicht mehr kennen.

Daniel: Die voranschreitende Entwicklung im Internet lässt sich natürlich weder leugnen noch stoppen. Trotzdem find ich es grad recht interessant, was die Bands nach dem Untergang der Myspace-Ära nun so machen. Zu Sirens-Zeiten brauchte man nichts ausser ner Myspace-Seite, nun gibt es etliche Plattformen neben dem Riesen Facebook. Bandcamp, Blogspot, Tumblr, Twitter um nur einige zu nennen. Ich glaub auch nicht, dass man unbedingt nen eigene Homepage braucht. Wenn man es richtig angeht, kann man mit den vorhandenen Netzwerken schon einiges machen. Wenn unser Gitarrist und Northcore-PC-Ikone Arne mal weniger studieren würde, könnt er dir vermutlich ne bessere Hassrede hier verfassen. Er ist auch der einzige in der Band ohne Facebook Account..

Michael: Das ist ja keine neue Diskussion, sondern ja mittlerweile schon fast 10 Jahre alt. Im prinzip haben sich die Leute ja schon immer über das Internet beschwert, da angeblich dort alles so "seelenlos" wird, auf der anderen Seite profitieren aber die meisten Leute auch von der schnellen und einfachen Verfügbarkeit von Infos über Musik im allgemeinen oder Bands im speziellen. Seiten wie Facebook oder früher nun mal myspace bieten einfach für Bands und Konsumenten die Möglichkeit schnell, alle nötigen Infos zusammen zu stellen und sie verfügbar zu machen. Wenn man bedenkt das ne "ordentliche" Website auch ordentlich Geld kostet und nicht jede Band nen Designer an Bord hat oder nicht die technischem Möglichkeiten eine selbst zusammen zu basteln, dann gibts halt so für sie ne gute Möglichkeit.

Klar ist natürlich auch, dass dadurch ein krassen Überangebot entsteht und vieles austauschbar wird und die Aufmerksamkeit der Masse ganz schnell von Band A zu Band B springt. Letztendlich muss mal halt als Band schauen dass man in dieser Masse nicht untergeht und idealerweise durch musikalische Qualität überzeugen. Das gleiche wie für Bands gilt auch für Fanzines. Klar ist ein gedrucktes Fanzine was schönes, aber auch nur dann wenn es nicht eine lieblos schnell zusammenkopierte Nummer ist. Wenn man aber merkt was für Herzblut in nem "echten" Zine steckt, sich Leute in Reviews mit den Platten ernsthaft auseinandersetzen und nicht nur Promos abstauben wollen und interview fragen über "Erzähl doch mal was über deine Band" rausgehen, dann finde ich das Super. Wobei das Medium hierfür m.m. nach nicht zwangsläufig Papier sein muss. Ein ernsthaft betriebenes Online Zine oder ein interessanter Blog mit coolem Stuff drauf, exlusivem Zeugs u.ä ist mir genauso recht. Das die Kids solche Dinge heute nicht mehr kennen glaube ich übrigens nicht. Klar, wenn man von der grossen Masse aussgeht die heutzutage "harte Musik" hört mag das vielleicht gelten, aber diese grosse Masse ist für mich auch nicht das, was die Szene ausmacht. Ich glaub es gibt heute noch genausoviele junge (aber auch ältere) motivierte Leute die Shows machen oder sich in Zines verwirklichen, Platten rausbringen usw. Diese andauernde Pessimismus der "alten Hasen" und diese "früher war alles besser" Mentalität ist glaub ich auch nicht so sehr hilfreich, da sie junge Kids gern mal abschreckt. Im Endeffekt sollte man sich als "alter Hase" einfach mal an die eigene erste Band, die erste Platte, das erste Fanzine oder die ersten selbstgebuchten Shows erinnern. Bei nem grossteil ging sicher auch einiges schief, klang scheisse oder schoss vor leuter Jugendlichem Übermut übers Ziel hinaus.

Wie seid ihr auf die Idee des englisch- deutschen Lyricmix gekommen? Ich finde es beeindruckend wie gut das Ganze auf „Monosyllabic“ funktioniert.

Daniel: Bitte nicht die französische Zeile unterschlagen! Auch wenn die geklaut ist.. Ich hab schon früher mit deutsche Texten herumexperimentiert, bei schnellerem Hardcore und meiner Stimme klang das aber immer mehr nach schlechtem Deutschpunk. Ich glaub bei Static Void fings mit der deutschen Textzeile in "None" an. Das gefiel mir dann sehr gut und ich habs noch ein paar mal als Stilmittel eingesetzt. Ist zwar mittlerweile nichts besonderes mehr, dass ne HC Band auch deutsche Texte hat, aber grad zu unserer Musik find ichs super.. Wir sind grad dabei, neue Songs zu schreiben, in einem der Songs werd ich auch in Latein singen.

Meine persönlichen Highlights auf euerer Scheibe sind das tiefbewegende „None“ und der erste Song „Stuck“. Habt ihr einzelne favorites oder seht ihr die Platte selbst eher als Gesamtwerk?

Daniel: Da haste dir auch direkt die beiden Songs mit dem größten "Hitpotential" ausgesucht. "Stuck" geht halt recht schnell ins Ohr und "None" ist eher n Grower (aber auch mein Favorit). Ich freu mich trotzdem immer ieder, wenn ich das Album so durchhöre und mich kein einziger Song so annervt, dass ich wegdrücke. Und so oft wie ich die Songs nun schon gehört hab, will das echt was heißen. Für viele sind die Songs stilistisch vermutlich zu weit auseinder als dass ihnen alle gefallen, für mich macht es so als Gesamtwerk durchaus Sinn. Die neuen Songs, die wir grad schreiben sind auch wieder recht vielseitig und bestimmt schrecken wir damit wieder einige Hörer ab. Da wir aber noch nie wirklich massenkompatibel waren, ist das wohl auch ziemlich egal. Michael: Ich persönlich finde auch immer noch alle Songs gut und denke es geht den anderen ähnlich. Neulich, als wir für ne Show überlegen musstenn die Setlist zu kürzen konnten wir uns auch nicht aufraffen einen Song der Platte runterfallen zu lassen und haben lieber 3 Minuten überzogen. Es gibt auf der Platte 1-2 Moment bei denen ich immer noch Gänsehaut krieg was aber teilweise auch einfach mit persönlichen Erinnerungen zu tun hat.

Erzählt mir doch etwas über euere Lyrics, was wollt ihr der Menschheit mitteilen und welche Botschaften wollt ihr verbreiten?

Daniel: Zwei der Texte hat Michael geschrieben, ich kann also nur für die anderen sprechen. Auch wenns in den Texten durchaus mal den ein oder anderen Appell gibt, gehts mir nicht so sehr darum, Botschaften zu verbreiten. Meistens nutz ich die Texte nur, um mir was von der Seele zu schreiben. Daher freut es mich auch umso mehr, wenn mal jemand auf mich zukommt und mich auf die Texte anspricht, sich irgendwo wiederfindet oder auch Fragen dazu hat. Zu jedem Text gibts nen Bezugspunkt aus meinem Leben, das kann alles mögliche sein von einschneidenden Ereignissen bis hin zu unwichtigen Gedankenfürzen, die mich auf irgendwas gebracht haben.

Wie kam es zur Zusammenarbeit von Euch und Jogges von EMPOWERMENT, welche ich übrigens sehr gelungen finde, bei dem Song „D'Or“ und wer kam auf die Idee Goethe zu zitieren?

Daniel: Ich hab den Text geschrieben für den Part und dachte schon zu Beginn, dass jemand wie Jogges ihn vermutlich besser rüberbringen könnte als ich. Hab dann im Studio ne Version mit meinem Gesang aufgenommen und Jogges geschickt mit der frage, ob er Bock drauf hätte, die 4 zeilen einzusingen. Er hats dann direkt gemacht, wir fanden es super und haben es dann so gemischt. Ich weiß ehrlichgesagt nicht mehr, wie ichauf das Goethe-Zitat kam..während ich den text zu "D'Or" schrieb, kam mir das irgendwie unter und passte perfekt. Wieso sollte ich versuchen, genau das mit meinen kümmerlichen Mitteln zu beschreiben, wenns jemand wie Goethe schon so gut gemacht hat?

Michael: Ich glaube jeder der in den letzten 15 Jahren irgerndwas mit Hardcore in Deutschland zu tun hat kennt irgendwie, zumindest über Ecken, Jogges, und wer ihn kennt weiss das er nicht nur ein extrem relaxter Dude ist, sondern auch immer was zu sagen hat, egal ob mit Empowerment oder früher mit Sidekick und mit "was zu sagen" meine jetzt nicht irgendeinen Bullshit, sondern klar einfach aber auch immer treffende Dinge zu bestimmten Situationen. und wenn man mit so jemandem Befreundent ist, und dieser jemand dann auch zufällig noch eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert hat, dann kann man schonmal drüber nachdenken ihn den ein oder anderen Satz auf ne Platte singen zu lassen.

Ich kann die derzeitige Entwicklung im Hardcore mit Bands wie Euch und EMPOWERMENT nur begrüßen und sehe die ganze Sache auf einem guten Weg. Wie seht ihr die derzeitige „Hardcore-Szene“ insofern man diese mit ihren Untergruppierungen überhaupt noch so spezifizieren kann? Und haben Bands die absolut keine Aussage oder derart abartige Verhaltensweisen, wie Homophobie, Sexismus oder sich gar als „unpolitisch“ betiteln, überhaupt die Berechtigung sich „Hardcore“ zu nennen?

Michael: Das Wort "unpolitisch" als Label für eine Hardcore oder Punkband kann mich getrost mal Arsch lecken. Ich denke, nicht jede Band muss explizit politisch sein, dass wäre für eine Szenevielfalt auch ziemlich eintönig und der Eine würde nur die Phrasen des anderen nachplappern. Allerdings denke ich, dass wenn man in einer subkulturellen Szene unterwegs ist, bestimmte Werte für eigentlich alle völlig klar sein sollten. Dass Faschos hier und sonstwo nichts zu suchen haben, das "schwul" oder "Jude" keine Schimpfwörter sind und Mädels keine "Schlampen" oder "Nutten" die man "einfach mal so ficken kann". Ich denk innerhalb dieser ziemlich einfachen allgemeinen Dinge gibts es für die meisten Meinungen irgendwo Platz in einer linken Szene die natürlich zur Diskussion stehen und bei denen es innerhalb solch einer Szene immer wieder Reibungspunkt gibt. Aber grade darum geht es ja auch, das man über die eigene Meinung, sei es jetzt global oder auch lokal-politisch, reflektiert und nicht mit Scheuklappen durch die Welt geht. Nur so entsteht im entferntesten ein progressives Denken, es kommen neue Ideen und Denkansätze und man tritt nicht auf der Stelle. Wenn selbst Mainstream Pop-Acts wie Madonna, Wir sind Helden oder was weiss ich wer es schaffen sich z.b. zu nem Thema wie Rassismus zu äussern (ganz egal wie man zu solchen Äusserungen oder den Künstlern an sich stehen mag), dann erwarte ich von einer sogenannten Punk- oder Hardcoreband einfach, dass man es wenigsten soweit schafft sich darüber Gedanken zu machen, z.b. auch wen man auf seinen Shows duldet und wen nicht.

Gibt es irgendwas was ihr als Band selbst noch erreichen wollt? Gibt es z.B. Bands mit denen ihr noch einmal gerne die Bühne teilen würdet?

Michael: Irgendwie klingt das nach Wettkampf oder einer grossen Zielrichtung auf die man hin arbeiten würde. Ich denke wir wollen einfach Shows spielen, noch die ein oder anderen guten Song schreiben und hoffen das der Sommer mal wieder richtig Sommer wird damit wir auf Sommertouren in der Sonne chillen können. Daniel: Klar freut es einen immer mal wieder wenn man mit Bands zusammenspielt, die man selber cool findet. Als Bandziel würd ich sowas aber nicht ansehen. Für mich steht aber nichtsdestotrotz der Live-Aspekt schon im Vordergrund. Ich möchte so oft es geht touren und noch ein paar Länder abklappern in denen ich noch nicht war.

Ich bedanke mich für die Zeit und die Zeilen und gebe Euch jetzt noch etwas Raum für Gedanken die ihr gerne noch loswerden wollt.

Daniel: Wir haben zu danken. Static Void hat Liebe für den Untergrund.

Karsten Ostmann