MODERN SAINTS

Wenn man den Begriff MODERN SAINTS in die Suchmaschine hämmert, dann gibt es Bilder von Mutter Teresa und ähnlichen Strebern. Wie seid ihr denn auf den Namen gekommen? Habt ihr eine kirchliche Agenda?

David: Haha unbedingt. Die Band wurde ausschließlich gegründet, damit unsere Wolke im Himmel über deiner hängt! Ich für meinen Teil bin da tolerant-atheistisch unterwegs, der Name ist aus meiner Sicht natürlich auch eher kritisch gemeint. Wir haben uns da keine gemeinsame Bedeutung zurechtgelegt, aber für mich stehen die beiden Worte so schön im Widerspruch. Der Menschheit wird anscheinend nie genügend Wissen und Aufklärung widerfahren, um Religion zu überwinden. Die Erde ist mittlerweile rund. Gewitter entstehen nicht mehr durch Zorn und Eva entstand nicht aus Adams Rippe. Trotzdem gibt es immernoch soetwas Absurdes wie einen Vertreter Gottes auf Erden. Wenn ich Gott wäre, fände ich das etwas anmaßend. Zu seinen Aufgaben zählen nachwievor so wirre Dinge, wie Tote heilig zu sprechen. Teresa ist übrigens seit 2016 im Club. Wenn Google uns mit denen auf eine Seite packt, schwimmen wir die Marketingwelle eben mit, schlau von uns.

Tobi: Der Name klingt sehr schön und man kann alles Mögliche hinein interpretieren. Von schmunzeln bis provozieren ist alles erlaubt.

Ihr habt 2015 auf dem Serengeti Festival gespielt. Wie groß ist die Veranstaltung denn eigentlich und wie war es auf der selben Bühne wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN und AGAINST ME! zu zocken? Gab' es denn überhaupt Berührungspunkte?

Tobi: War auf jeden Fall eine schöne Erfahrung. Die Bühne war schon sehr fett. Und es hat ne Menge Spaß gemacht. Allerdings waren wir schon sehr früh dran. David: Ja, man läuft sich schon über den Weg. Against Me! habe ich schon tausendmal gesehen, über die Zeit mit jeder neuen Platte auch live jedes Mal anders. Immer mega sehenswert, immer relevant, die habe ich mir dann auch gerne mal von der Bühne aus angesehen.

Sammelt jemand in der Band Vinyl, da scheint es ja schon eine starke Affinität zum Thema zu geben.

Tobi: Sammeln ist übertrieben. Aber wenn ein Album richtig gut ist wird es schon auf Platte gekauft. Der Rest ist MP3. CDs gibts bei mir nicht mehr. Ach ja, im Auto Tapes!

David: Ja schon. Vinyl ist einfach ein schönes Medium und ich höre zuhause so gut wie nur von Platte. Ich habe zwar auch meinen neuzeitlichen Spotify Account, aber Sachen, die ich gerne höre, hole ich mir dann auf jeden Fall auf Vinyl. Sammeln ohne Anspruch auf Vollständigkeit betrifft eher älteren Kram, z.B. Iggy Pop, Stevie Nicks, Tom Petty, Grateful Dead, The Damned, The Clash, Jimi Hendrix, A Tribe Called Quest.... Bob Dylan ist die Ausnahme, da nehme ich alles mit, was ich in die Finger bekomme. Und solange die Platte läuft, darf man dem Cover auch gerne ansehen, dass es 30 Jahre hinter sich hat. Der 'ich brauche das Album in allen 20 Versionen'-Sammler bin ich eher nicht.

Wo seht ihr die Vorteile der Tonmeisterei in Oldenburg, wo ihr ja schon zum zweiten Mal aufgenommen habt?

Tobi: Ich finde der Sound passt perfekt zu unserer Musik. Klingt Ehrlich! David: Nachdem wir mit Role und Falk zusammen unser erstes Album aufgnommen haben, war uns für die Aufnahmen zur EP und der Dan Webb and the Spiders Split eigentlich sofort klar, wieder in die Tonmeisterei zu gehen. Role hat ein super Verständnis dafür, in welche Richtung unser Sound gehen soll. Wir haben, bis auf einige Synthesizer, keine zusätzlichen Spuren oder zweiten Gitarren aufgenommen. Trotzdem klingen beide Aufnahmen schön voll und authentisch.

Wie muss man sich die Connection zu fairtrademerch vorstellen?

David: Tobi und ich haben fairtrademerch 2009 gegründet, nachdem wir uns in der Garage eines Freundes etwas Siebdruck für den Eigenbedarf angeeignet haben, also ursprünglich ein Hobby. Zwischenzeitlich habe ich den Laden alleine weitergeführt, seit 2012 zusammen mit meiner Frau Sabrina. Was Merch und den Firmenwagen angeht, hat die Band aus dieser glücklichen Fügung evtl. ein paar Vorteile!

Dan Allen hat euch das schicke Teufel-Design für die B-Seite gemacht und Shawn Higgins war für's Cover verantwortlich. Wie klärt ihr denn Budgetfragen, ich nehme an nicht alle in der Band rufen yippie, wenn der Vorschlag Holzplatte plus coloured Vinyl auf die Tagesordnung kommt?!

Tobi: Yippie David: Ich schätze das ist dann einer der Vorteile, wenn man selbst druckt. Siebdruck ist automatisch Teil jedes Plans. Für die Pressung hatten wir mit Fond of Life, Hectic Society und Shield Recordings drei großartige Labels zur Seite. Auch mit dem Artwork sind wir überglücklich. Dan's und Shawn's Designs passen super zusammen. Meine größte Sorge war, dass neben der aufwendigen Aufmachung vielleicht untergeht, dass auch noch Musik auf der Platte ist und wir uns bei 6 Songs ebenfalls viel Mühe gegeben haben. Letztendlich finde ich, dass Artwork und Musik sich sehr gut ergänzen und es schön ist die Möglichkeit zu haben, ein Release so rauszubringen.

Musikalisch spielt ihr einen Stil, der schon ein paar Dekaden auf dem Buckel hat und setzt euch damit von aktuellen Strömungen ab. Wie sehr seid ihr auf Szene angewiesen, damit die Band/Konzerte funktionieren?

David: Das funktioniert zum Glück sehr gut. Dadurch, dass wir alle altersmäßig mit einem Bein im Grab stehen und schon ein paar Jahre in Bands unterwegs waren, kennt man in vielen Städten Leute, die ebenfalls noch in Bands spielen und Shows machen. Egal welche Untergruppe von Punk/HC/Wasauchimmer über die Jahre vorrangig an Konzerten stattfindet, die Leute hängen eh meist zusammen. Mein Eindruck ist, dass sich in den letzten Jahren auch wieder soetwas wie eine Szene in Richtung (Pop-)Punk / Garage gebildet hat. Ich weiß gar nicht genau, in welche musikalische Randgruppenschublade ich uns stecken würde, aber wenn Szene einen Kreis von Menschen meint, der wundervoll miteinander funktioniert, dann sind wir aktuell z.B. mit Bands wie No Weather Talks, Irish Handcuffs, Underparts, All Aboard, Resolutions, Rivershores, Stumfol und einer langen Liste von weiteren Bands, Personen, Labels, Zines (Hallo Downpour!) in prächtiger und aktiver Gesellschaft.

Wie sieht die Szene aktuell in Bielefeld aus und welche Combos sollte man verstärkt im Auge behalten?

David: Ich würde gerne Fragmentist empfehlen, aber die haben sich leider schon länger aufgelöst, sehr schade. Ansonsten sollte man aus Bielefeld unbedingt eine Band namens Krawehl im Auge behalten!

Gruß und Dankesworte?

David: Danke für das schöne Interview!

De rien

ThEb