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Eure EP beginnt mit einem Sample, kannst du inhaltlich dazu sagen?

Max: Das Hank Williams Intro ist mit seiner Hauptline "I saw the light" ein bisschen das Leitthema unseres Banddaseins und hat sich mit seiner verspielt und doch ernsthaft passionierten Art perfekt für unsere CD und uns als Band gemacht. Suchen wir nicht alle nach "dem" Licht?

Euer Stil wurde schon als "Screamotronic" tituliert, woher die Idee drum & bass bzw. house beats in euren Stil zu integrieren?

Manuel: Max kam aus Amerika, wo er für ein Auslandsjahr war, und brachte viele neue bei uns noch unbekannte Bands und Einflüsse mit. Er hat zu der Zeit Keyboard und Backup Screams bei uns gemacht und war auch sonst an elektronischer Musik interessiert. Dann haben wir das einfach mal ausprobiert und tja. So kam das eine zum anderen.

Hört ihr alle auch gerne mal Elektronische Musik, oder gibt es da wenig Anschlusspunkte an die Hardcore-Bewegung?

Manuel: Das ist recht unterschiedlich. Irgendwie hat sich elektronische Musik ja in fast alle Genres eingeschlichen. Ich persönlich höre nicht so viel bis gar keine rein elektronische Musik. Allerdings find ich, dass es zu uns sehr gut passt, weil wirs eher ergänzend benutzen und nicht künstlich übertreiben. Max: Ich hör schon recht oft Elektro, allerdings nicht unbedingt den Mainstream.

Maximilian spielt Keyboards und singt, eine ungewöhnliche Kombination, wie verständigt ihr euch über Timing bzw Rhythmen und wird man bei zwei Gitarristen nicht ständig überstimmt?

Manuel: Das coole ist, dass Can mit Metronom spielt und die Songs Live über einen Sequenzer startet, sodass alles immer abgepasst und tight ist. Die Synths geben dem ganzen Sound meiner Ansicht nach einfach die richtig Fülle und die nötigen Ambienteelemente. Max: Ja, das seh ich auch so. Ich pack die Synthies und Elektros meist erst am Ende eines Songprozesses drauf, so dass es nochmal einen ganz anderen Drive bekommt.

Ihr seid eine extrem kopflastige Band, mit vielen verschiedenen Komponenten, die ihr fusioniert, wie klappt das live, haben die Mischer manchmal Probleme mit all dem Input, da muss man doch Meister seines Faches sein, oder?

Manuel: Ja der Livesound ist ja eh immer sone Sache für sich. Da aber Max seinen Output der Synths und Elektrosachen schon vormixt, gibt es in dem Bereich nicht so viel Arbeit für den Mischer. Der muss dann einfach nur laut genug drehen, was leider viele oft nicht machen. Der typische Satz bei Soundcheck ist immer:"Die Elektros lauter! Noch lauter!!!" Max: Noooooooch lauter!!!!!!!!

Euer Bassist ist nicht mehr an Bord, wie kommt's? Was müsste der Neue für eine Persönlichkeit sein?

Manuel: Eigentlich ist ja unser Basser noch drinnen. Basti, unser Ex-Gitarrist, ist nämlich ausgestiegen und Recep, unser Bassist, ist von Bass auf Gitarre gewechselt. Basti hat einfach musikalisch andere Prioritäten rein elektronischer Art und musste sich gesundheitlich ein wenig einschränken. Mhja und der neue muss einfach sowohl von Persönlichkeit als auch von allem anderen passen. Wir hatten bis jetzt schon zwei Bassistenintermezzi, die nicht lange weilten. Daher wollen wir diesmal nichts überstürzen und einfach den richtigen nehmen. Max: Es muss einfach alles passen, sonst gibts irgendwann Reibungspunkte und dann stimmt wieder was nicht.

Gibt es bei euch eigentlich einen Bandleader, der sich all das Chaos ausdenkt, oder pirscht ihr euch über's Jammen an die Songs ran?

Manuel: Wir steuern alle bei und jammen wirklich sehr viel. Es ist immer ein Mix aus Gedanken, die man sich allein gemacht hat und intuitivem Zusammenspiel.

Laut Infoschreiben ist die Band mehr als ein Hobby für euch geworden, aber ein Quintett mit der Musik satt zu machen ist wohl ein schwieriges Unterfangen, oder? Dabei hört plötzlich jeder ständig Musik und viele nehmen auch, teilweise recht mittelmäßige Sachen auf, was vor 10 Jahren undenkbar gewesen wäre. Muss ein staatlicher 5-Jahres-Plan her, damit Berufsmusiker wieder von ihrer Kunst leben können?

Manuel: Bis wir davon leben könnten, wird es wohl noch ein wenig dauern. Nebenbei arbeiten und studieren wir halt bis es soweit ist. Das mit dem Hobby geht auch mehr in die Richtung, dass es für uns nicht sowas wie "Nur mit Freunden Fussball spielen" ist, sondern schon mehr unser Herz dran hängt und einen unglaublich großen Teil unseres Lebens einnimmt.


Die Texte sind echt gut gelungen, aber wenn sie nicht abgedruckt gewesen wären, hätte ich wohl nichts davon gemerkt. Kämpft ihr manchmal selbst mit der Masse an Material, das ihr unterbringen wollt?

Max: Textlich auf jeden Fall. Ich schreib die Texte in der Regel kurz vorm Aufnehmen, weil ich das Feeling, des fertigen Songs brauche, um mich komplett drauf einlassen zu können. Dann will einfach immer alles einbauen, was einem Cooles einfällt. Manuel: Musikalisch ist es sehr ähnlich. Deswegen wird unsere Musik oft als so vertrackt empfunden.

Es gibt ja ein Vorgängeralbum zu "Lethargic Way Too Late" wo kann man dies gute Stück denn beziehen?

Manuel: Die Demo kann man sich umsonst bei Megaupload runterladen. Ist allerdings noch musikalisch was anderes. Hier ist die Adresse: http://www.megaupload.com/?d=70cc61oo

Die Berliner Szene ist ja recht gross, gibt es Verbündete mit denen ihr kooperiert und kommt man ganz ohne Konkurrenzdenken hin?

Manuel: Klar gibt es immer wieder Bands mit denen man gerne spielt, allerdings scheint die Szene rückläufig zu sein; soll heißen, dass das Interesse an Live-Musik bei vielen Leute abgenommen hat. Dafür sind Elektroparties angesagt.

Textlich greift ihr auch mal Generationskonflikte auf, gibt es wegen der Band auch mal Ärger mit den Eltern, oder seid ihr alle längst ausgezogen?

Manuel: Also ich hatte noch nie Konflikte mit meinen Eltern wegen der Band, ganz im Gegenteil. Mein Vater hat uns schon sehr oft ausgeholfen, wenn wir mal wieder keinen Fahrer oder kein Auto hatten. Der einzige Konflikt mit Eltern, an den ich mich erinnern kann, war mit Cans Eltern, die meinten, dass wir wegen zuviel Proben Cans Noten gefährden. Aber das war auch nicht wirklich nachhaltig. Max: Ich denke nur, dass es ohne Konflikte keinen Fortschritt gibt. Ist nicht so vieles im Generationenkonflikt entstanden?

Seid ihr schon an neuem Material dran? Stehen schon Titel oder Songs bzw. ein Releasedate für die nächste Full Length?

Manuel: Wir sind in der Tat grad dabei neben der Suche nach einem Bassisten (MELDET EUCH!!!!) am Songwriting. Ein Releasedate ist allerdings noch nicht geplant. Ich denk aber, dass das dieses Jahr auf jeden Fall noch was wird! Max: Definitiv!

Danke für das Interview- Thomas Eberhardt