PATH OF SAMSARA


Wie seht ihr die Entwicklung, die von "Black Lotos" zu "The Fiery Hand" stattgefunden hat? Wo liegen aktuell eure Haupteinflüsse?

The Fiery Hand ist wesentlich fokussierter. Wir haben gelernt, noch viel mehr auf die Musik und vor allem ihren Sinn einzugehen und dies umzusetzen. Insofern ist The Fiery Hand die direkte Konsequenz aus all unserer vorhergehenden Arbeit. Unsere Einflüsse sind extrem umfassend. Aber generell liegt der Fokus darauf, der Musik das zu geben, was sie verlangt. Das kann so gut wie alles sein und ist nicht an Genres gebunden.

Das dramatische Element, im Sinne von Aufführung, ist ja Bestandteil vieler Okkultrock-Combos und auch im Black Metal Standard … die Grenzen zwischen Inszenierung und Authentizität verschwimmen da manchmal. Wie ist eure Herangehensweise … hatte leider noch nicht das Live-Vergnügen.

Path of Samsara ist Ausdruck von Dingen, die für uns persönlich eine große Rolle spielen. Was wir tun, ist für uns etwas sehr natürliches, weshalb es sinnlos wäre, es zu überzeichnen oder auf unnötige Theatralik zu setzen. Die Ästhetik unserer Musik spiegelt sich in unseren Konzerten dennoch wieder.

In "Supernova" heißt es "freedom is the climax of loss" und gerade im Okkultrock bzw. Black Metal spielt Freiheit eine extrem wichtige Rolle. Ihr seht Freiheit dialektisch, als Bindungslosigkeit und extreme Chance zugleich, oder wie ist das Textfragment zu verstehen?

In erster Linie ist es so zu verstehen, wie der Hörer es verstehen will und kann. Wir sehen es allerdings in einem universellen Kontext, in dem Chancen schon längst keine Rolle mehr spielen. Freiheit ist in einer materialisierten Welt niemals vollends möglich. Um wirkliche Freiheit zu erhalten, muss man letztendlich absolut alles loslassen. Auch sich selbst.


Inwieweit seid ihr spirituell unterwegs … Okkultismus, Buddhismus (Samsara) … was findet Eingang in euer tägliches Leben? Wo weicht es vom Durchschnittsbürger eklatant ab?

Es ist schwer, dem einen genauen Namen zu geben, welcher der Sache gerecht wird. Spiritualität ist sehr individuell und von unzähligen Wechselwirkungen verschiedener Strömungen beherrscht. Das ist auch der Grund, warum man Path of Samsara nicht als buddhistisch ausgerichtete Band sehen sollte, da Samsara ein Konzept ist, welches man in verschiedensten Richtungen unter verschiedensten Namen findet. Unsere Ausrichtung kann man am vollständigsten in unserer Musik finden. Im Alltag ist diese Spiritualität immer präsent. Vom Durchschnittsbürger weicht dies natürlich stark ab, allein durch ein grundlegend anderes Weltbild. Wir gehen den Weg, den wir gehen müssen und es ist unnötig sich in dieser Hinsicht mit anderen zu vergleichen oder einen Durchschnitt zu definieren.

Ich hab' den Raum München als recht konservativ in Erinnerung, in letzter Zeit kamen mit ORCUS CHYLDE und euch aber recht coole Bands aus der Ecke. Wie seht ihr selbst die Region und welche Combos sollte man dringlichst antesten?

Das ist etwas, an das wir wenige Gedanken verschwenden und somit auch nicht wirklich kommentieren können. Wir wohnen alle im ländlichen Raum und bewegen uns relativ isoliert vom gesellschaftlichen und musikalischen Geschehen.

Verwendet ihr Stimulanzien, um in Songwritingstimmung zu kommen, oder ist es mit einer gewissen Atmosphäre auch schon getan? Was ist unverzichtbar, um den Occultrock Vibe zu bekommen?

Songwriting ist nichts, das sich gezielt kontrollieren oder beeinflussen lässt. Die Energie kommt also vielmehr zu uns. Diese lässt sich durch keinerlei äußere Stimulanzien erzeugen.


Wir denken übrigens nicht, dass wir das haben, was allgemein als "Occultrock Vibe" verstanden wird. Occult Rock ist ein Ausdruck, der mittlerweile zu inflationär und zu sinnentfremdet verwendet wurde. Und Rezepte, wie man unser Feeling erzeugt, gibt es ohnehin nicht. Letzten Endes ist Path of Samsara ein Ausdruck unserer persönlichen spirituellen Entwicklung und somit ist das einzig unverzichtbare der Fokus auf die Dinge, die bereits tief in uns liegen und verlangen herauszutreten.

Kürzlich habt ihr auf dem Summer Solstice gespielt, könnt ihr das Festival kurz beschreiben und eure Eindrücke festhalten?

Das einzigartige am Funkenflug Festival ist, dass es einfach viel mehr als ein reines Festival ist. Dies ist auch der Grund, weshalb wir auch privat schon seit mehreren Jahren teilnehmen. Der rituelle und spirituelle Teil der Veranstaltung nimmt einen sehr großen und wichtigen Platz ein. Man könnte sagen, dass der Sinn der Musik eher ist, diesen zu unterstreichen. Der ursprüngliche Sinn musste niemals einem Besucherwachstum oder Gewinnstreben weichen. Das alles und der grenzenlose Idealismus der Veranstalter, macht die Sommer Sonnwende zu einer absolut einzigartigen Veranstaltung, weshalb es eine große Ehre für uns war, Teil davon zu sein.

Welche Ambitionen habt ihr, was die Band betrifft, und inwieweit beeinflusst die Ambitioniertheit einer Band ihren Erfolg?

Wir machen diese Musik für uns selbst, wehalb unser größtes Ziel ist, diesen Weg weiterzugehen. Path of Samsara ist ein Teil unserer persönlichen Suche und dient in erster Linie diesem Zweck. Wir haben uns entschieden, unsere Arbeit mit denjenigen zu teilen, die sich darauf einlassen und an unserem Weg teilhaben wollen. Und das wollen wir natürlich auf adäquate Art und Weise tun. Wenn man mit Dingen arbeitet, die einem selbst so enorm wichtig sind, muss man zwangsläufig ehrlich zu sich selbst sein, um deren Sinn zufriedenstellend zu erfüllen. Das erfordert viel Hingabe und Arbeit. Was auf derlei persönlichen und spirituellen Ebene relevant ist, fällt einem niemals in den Schoß. Es mag einfachere Wege geben, aber dies ist unserer.

Thomas Eberhardt