NOISY NEIGHBOURS

Fangen wir doch mal mit den Basics an: Name, Alter, Familienstand, Beruf, Wohnort.

Carsten Collenbusch, aber nur meine Mutter sagt "Carsten". Geboren am 16.09.1963. Ich bin verheiratet, Japanologe - und ich wohne in Bonn.

Wer ist außer dir noch am Noisy Neighbours beteiligt und wieso gibt es das Heft nicht im Bahnhofsbuchhandel? Welche Vertriebswege nutzt ihr stattdessen?

Das Noisy mache ich als Herausgeber, wobei ich definitiv nicht der "Chef" bin, bie uns läuft das alles sehr basisdemokratisch; das Heft ist über RADAR in Köln aus für den Bahnhofsbuchhandel bestellbar - grundsätzlich ist also ein Vertrieb vorhanden; denkbar ist jedoch, dass sich der Bahnhofsbuchhandel denkt, bei 1,50 Kundenabgabepreis sei für ihn nicht mehr viel drin - deshalb wollen wir aber nicht 5 Euro für unser Heft nehmen!

Welches ist deine Lieblingsausgabe, wenn du eine küren müsstest und welches Interviewerlebnis hat bei dir den stärksten Eindruck hinterlassen?

Lieblingsausgabe ist eigentlich immer die jeweils letzte, das ist aber wohl eher eine emotionale Sache. Interviews hinterlassen bei mir leider nur selten einen "erlebnishaften" Eindruck, was schlicht daran liegt, dass die Interviewpartner nicht viel Spannendes zu erzählen haben, oder/und so abgewichst sind, dass sie sich nur genau das aus dem Maul zerren lassen, was sie loswerden wollen. Wir resp. Ich bemühe mich, immer Alles aus so einem Gespräch rauszuholen, oft endet ein solches aber unbefriedigend. Ein schönes Interview habe ich zB mit NoMeansNo geführt, erfurchtschwanger war der Talk mit Doug von KingsX, obwohl er nicht so arg viel sagen wollte, zumindest nicht zum Thema "Homosexulalität", da ist interessanterweise das Interview mit dem Punk-Outlaw Michael Graves, welches ich gerade führe, wesentlich spannender.

Was waren denn die grössten Erfolge während der 25 Ausgaben und welche Probleme galt es zu meistern?

Der größte Erfolg ist der, dass wir 25 Hefte rausgebracht haben, denke ich; Probleme bestanden vor allem zu Beginn der ganzen Geschichte darin, die Labels, die Plattenmenschen davon zu überzeugen, dass es uns auch in ein paar Jahren noch geben wird, damit sie ein bisschen Geld in ein paar Anzeigen stecken, aber überzeuge mal Leute von etwas, von dem Du selbst zunächst nicht hunderprozentig überzeugt bist, dass wir durchhalten, nämlich.

Zeitschriften stehen und fallen mit dem Anzeigengeschäft, siehst du Alternativen?

Nein, zumindest nichts, was wirklich schnell und einfach realisierbar wäre. Ein Heft muss gedruckt werden, dafür muss Kohle ran. Mir schwebte mal so was wie eine Art "Fond" oder so vor, so wie Fortuna Köln jetzt funktioniert, jeder zahlt was in die große Kasse, ein paar wenige machen daraus ein Heft - aber das scheitert schlicht am enormen Aufwand.

Wird es zusehends schwieriger ein Magazin auf die Beine zu stellen, oder denkst du, dass die Internet-Blase bald platzt und die Musikfans wieder vermehrt Gedrucktes lesen werden wollen?

Die Online-Fanzines sind längst keine "Blase" mehr. Das merkt man schon an der hektischen Reaktion der Printmagazine, die die Onliner als echte Konkurrenz erkannt haben. Man darf ja nicht in den Kategorien "seiner Altersgenossen" denken - die Kids heute sind in der virtuellen Welt aufgewachsen, und wenn wir "alten Säcke" es für unmöglich halten, dass sich "so was wie eine virtuelle Zeitung" durchsetzen wird, dann werde wir irgendwann eines Besseren belehrt werden. An der "Handhabung" der Online-Gazetten wäre natürlich noch einiges zu verbessern - oder kannst Du Dir den Ganz zur Morgentoilette mit Labtop vorstellen??

Neben dem Noisy Neighbours betreibst du noch eine Promotionfirma und machst Mastering. Das heißt drei Jobs für eine Person. Wird es dir nicht manchmal etwas zu arbeitsintensiv? Was sagt die Partnerin dazu?

Die arbeitet, gottseidank, auch viel. Aber kurioserweise empfinde ich das gar nicht als so belastend, es bleibt genug Zeit für Privatleben und Hobby, was ich allerdings schon manchmal nervt ist diese ganze Planerei, die mitunter ein halbes Jahr und mehr komplett festzurrt und kaum noch Platz für Spontanaktionen lässt.

Womit hat dein beruflicher Werdegang eigentlich begonnen und wie kam es zur Weiterentwicklung?

Wie gesagt, ich bin eigentlich Japanologe, habe aber natürlich nebenbei immer Musik gemacht, bin dann irgendwann mit Leuten zusammengetroffen, die ein Studio hatten; hier lernt man wieder Leute kennen, die - im weitesten Sinne - "irgendwas mit dem Musikbusiness" zu tun haben; ich habe immer vorgehabt, "was mit Musik zu machen", nur die letztendliche Ausrichtung war nicht ganz klar.

Was machst du, wenn du mal von Musik die Nase gestrichen voll hast? Welche anderen Hobbys hast du und welche beruflichen Alternativen kannst du dir vorstellen?

Berufsrevolutionär: Jeder mag Dich - vorausgesetzt Du bleibst politisch korrekt - und allerhand Leute rennen mit Deinem Kopf auf ihrem T-Shirt rum - das würde mir gefallen! Aber im Ernst: mein Hobby ist das Kicken, aber da ich mir meine Fußballprofilaufbahn längst abgeschminkt habe, werde ich der Musik treu bleiben.

Was umfasst dein Job im Tonstudio so. Mastering ist ja ein recht abstrakter Begriff, unter dem sich nicht jeder etwas vorstellen kann.

Hier wird der fertigen Produktion der letzte Schliff verliehen - das klingt erstmal vielleicht nach gar nicht so viel, ist aber eine Menge, wenn Du bedenkst, dass hier sämtliche klangtechnischen Fehler, die sich im Rahmen der Aufnahme eingeschlichen haben, bereinigt werden müssen.

2016 darf man die 50. Ausgabe vom NOISY NEIGHBOURS erwarten, welche Dinge werdet ihr verstärkt in Angriff nehmen?

Ich persönlich würde gerne weniger Rezensionen und dafür mehr gute! Weil interessante! Interviews machen, wenn sich das erreichen ließe, wäre ich schon happy!

Wie kommt man zu dem Spitznamen "Keule". Hat das irgendwas mit Bud Spencer zu tun???

Ich habe nicht die geringste Ahnung, es gibt zwei Möglichkeiten: zum einen könnte es eine (sehr) grobe Vereinfachung meines Nachnamens sein, zum anderen könnte es auf meinen in der Fußballjugend auffallend strammen Schuss zurückzuführen sein - an den ich mich selbst aber nicht zu erinnern vermag.

Thomas Eberhardt