WITH LOVE, May 09-Reviews

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3x0
Silver CD
Daybox Records


Schon die Tatsache, dass 3x0 "Silver" in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen haben, passt hervorragend zum Stil der Band, denn 3x0 spielen Progressive und Gabriels Ansatz ist ja auch eher experimentell. Damit aber nicht genug, denn das italienische Trio mit britischem Sänger hat neben diesem unkonventionellen Zugang zur Musik eine ganze Menge mehr zu bieten, so spielt Bassist Mauro Aimetti oft fretless Viersaiter, also Bässe ohne Bundstege, was den zehn Songs eine sehr unverfälschte Aura verleiht. "Radar" und "Blessed" sind Songs, die ganz in der Tradition von PINK FLOYD stehen, aber "Silver" bietet zugleich genügend Abwechslung um nicht zur Zitatensammlung zu verkommen. "Su" überrascht nämlich mit einer Gesangspartnerin, die dem Lied die eine oder andere ungeahnte Facette gibt. 3x0 spielen ein gemäßigtes Tempo und die Texte über Selbstreflexion, Entschleunigung und das Finden der inneren Mitte, wie in "Sirens", unterstreichen diese Herangehensweise nochmal. Das 24-seitige Booklet ist ebenfalls recht umfangreich und ergänzt das Musikalische hervoragend. Ganz dicke Empfehlung. (37:13) (8) Thomas Eberhardt

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BLACK FRIDAY `29
Black Friday 2009 CD
Let It Burn Records/Radar


Nach dem Aus von Blacktop Records haben sich Let It Burn die Mülheimer BLACK FRIDAY `29 für ihren ohnehin schon beachtlichen Roster gesichert und am 29. Mai gibt es neun neue Tracks des Fünfers, die sich zwar etwas vom bisherigen Output absetzen, aber trotz eines recht schwachen Openers wieder einmal Mäßstäbe setzen. In "Tell Tale Stories" macht die Band klar, dass sie weiterhin für eine "positive mental attitude", kurz pma, einsteht. Man bezieht Stellung gegen Trends, Oberflächlichkeit und die sozialkritischen Texte setzen sich auch in der Bookletgestaltung fort, die brandgerodete Regenwälder und kriegerische Soldaten zeigt, zwei Hauptursachen für die Zerstörung unseres Planeten. Bei dem eher atmosphärischen "No Farewell" hatte man ZERO MENTALITY-Sänger Marcel als Unterstützung zu Gast und an anderen Songs beteiligten sich Mitglieder von NOTHING TO HIDE und CITY TO CITY, also gibt es allerhand Überraschungen. Was mir an den neun Songs nicht gefällt ist die Produktion, die ist mir nicht klar genug, irgendwie etwas übersteuert und daher breiig. "Totalausfall" ist ein Song auf Deutsch, der sich an die Leute richtet, die sich immer nur als Opfer der anderen sehen und selbst nichts ändern wollen. Ob das aktuelle Album an den Vorgänger rankommt, wird der Dauertest zeigen. (26:20) (7)

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BLEIBENDE SCHAEDEN
Vintage Karma CD
Comet Records/Radar


Die Biografie der BLEIBENDEN SCHAEDEN beginnt bereits 1981 mit der Gründung der Agitpunkband GESOCKS und einen Hit hatten sie auch, denn der Alexandra Covertrack "Zigeunerjunge" brachte GESOCKS ins Vorprogramm der LENINGRAD COWBOYS. Aus GESOCKS wurden die BLEIBENDEN SCHAEDEN, die mit "Vintage Karma" nun ihr zweites Album veröffentlichen. Sänger und Gitarrist Dietmar Schmeil ist ein TON STEINE SCHERBEN-Fan der ersten Stunde und diese Vorliebe hat natürlich so ihre Spuren hinterlassen. Auch die FEHLFARBEN hört man da als Düsseldorfer raus, wobei die BLEIBENDEN SCHAEDEN oftmals poetischer und esotherischer sind. "Haifischzahn" ist dann sozusagen der Hit des Albums und zeigt auch die humorvolle Seite der Band. Die Surfanleihen und die 60ies-Reverbpassagen sind ein weiteres Schmankerl, welches "Vintage Karma" seinen Namen zurecht gab. "Weihnachten in Berlin" spielt dann mit der Sehnsucht und obwohl das Keyboard eher nach Hamburger-Hafenkneipe klingt, kommt die Botschaft doch an und der Song ebenfalls. Neben diesen Einflüssen hört man in "Riverman" auch jazzige Momente, die oft an die euphorischen Songs des VINCE GUARALDI TRIO erinnern, sich aber wieder makellos ins Gesamtbild einfügen. Ein schönes Album für den intellektuellen und in Würde alternden NDW-, Rock-, Beat- und Surffan. (53:49) (7) Thomas Eberhardt

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EVERWAITING SERENADE
Lungwork CD
Granny Records/Radar


Eine bei uns relativ unbekannte Band, die aber trotz ihres Underground-Status schon auf auf dem Wacken Open Air auftreten durfte mit "Lungwork" jetzt den Nachfolger ihres Debüts "The Caress", erschienen 2006, vorlegt. Das Wacken Engagement verdankt die Band aber nicht dem Pay To Play Prinzip, sondern dem Metal Battle Contest, den die Luxemburger für sich entschieden. Der Stil des Fünfers zeigt die Vereinbarkeit von BETWEEN THE BURIED AND ME und atmosphärischem Rock, während er dem Ganzen mit Leads à la POISON THE WELL eine eingängige Note verleiht. Die elf Lieder sind extrem kopflastig, enorm brachial und dürfen vor allem Fans von EMMURE, PARKWAY DRIVE, BURY YOUR DEAD und HOPESFALL ansprechen, da man eben toughes Riffing mit flächigen und atmosphärischen Melodien verbindet. Für einen Zweitling ein Berg von einem Album und der Song "Shiver" hätte ohne weiteres auch auf "Satellite Years" gepasst. Der Monotonie beugt man vor, indem man auch mal eine Piano-Passage integriert, die zum Träumen einlädt. Auch das Layout des Albums ist eher abstrakt und die Lieder finden eine gute Balance zwischen Bolldozerriffs und euphorischen Ausflügen. Gesungen wird auf "Lungwork" nicht, das Shouting ist aber so kraftvoll und tieftönend, dass es einen einfach packt und durch einzelne Spoken Word Passagen gelingt es der Band trotzdem etwas zu variieren. Ist wirklich ein derber Spass. (8) (42:13)

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GIROLAMOS WALK
S/t 7"
Kids In Misery


Eine schön gestaltete Seveninch markiert das Vinyldebüt von GIROLAMOS WALK aus Hamburg und schon der erste Track "Zertreten" lässt an YAGE denken, denn kehliges, gequältes Geschrei trifft auf schwungvolle aber schräge Sechssaiter. Die femininen Parts der Vocals ergänzen dieses nervenaufreibende Grundkonzept um harmonische Nuancen und gesprochene Zeilen. Leider nur zwei Songs, da "Zertreten" sich über sechs Minuten hinzieht. "Potbou" auf der Flipside ist dann prägnanter und zeigt nochmal die Stärken der Band auf, indem man eher krachig agiert und sich nicht allzu episch zeigt. Die Drums halten den Song in den ruhigen Momenten gut zusammen und wenn das Emo-Geklimper dann in Screamo-Passagen mit dissonantem Riffing abdriftet, lernt man GIROLAMOS WALK zu schätzen. Ein solider Einstand. (10:10) (6,5) Thomas Eberhardt

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GRACE WILL FALL
Second Album CD
Midsummer Records


Anfangs war ich etwas skeptisch, da GWF in Schweden schonmal auf einem christlichen Festival aufgetreten sind, aber darüber hinaus scheinen die fünf Nordlichter nichts mit organisierter Religion zu tun zu haben. Musikalisch bewegt man sich im Dunstkreis typisch skandinavischer Bands wie REFUSED, AMULET den frühen JR EWING und kombiniert Stakkato bisweilen mit wirren Gitarrenleads à la BOTCH und PSYOPUS, aber auch mal mit elektronischen Versatzstücken. Im Mittelpunkt steht stets der größe Knall, in "Celebration" tendiert Sänger Ulf Blomberg sogar in Richtung Phil Anselmo und man versuchte doch ein vielseitiges Album auf die Beinen zustellen, denn ob es jetzt das Stakkato doomige Abschnitte oder atmophärische Versatzstücke sind, GRACE WILL FALL scheuen sich nicht vor neuen Ufern. Das Album hat die Band selbst in den HoboRec Studios produziert und gemischt, darüber hinaus ist aber auch das Artwork des schicken Digipacks ein DIY-Produkt. Die Texte behandeln das unglaubliche Tempo unserer Lebenswelt, beschäftigen sich mit Familienzusammenhalt und Abnabelungsprozessen und stellen oft die Frage nach dem Verbleiben von Werten in unserer Gesellschaft. (45:08)(8) Thomas Eberhardt

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MATINÈE
The Modern Epness MCD
Elevator Records/Radar


Begonnen haben MATINÈE als reine FRANZ FERDINAND Coverband und diese Wurzeln hört man den eigenen Stücken der vier Italiener auch noch an, aber auch THE LIBERTINES haben deutliche Spuren hinterlassen. "Little Black Kitten" spielt dann recht charmant mit dem italienischen Akzent des Sängers und "If You're Gone" gibt sich nostalgisch, indem man straighte Passagen mit melancholischen Momenten kreuzt. Der Song geht etwas in Richtung EDITORS und weiß durchaus zu gefallen. Mit dem versteckten Bonustrack "… Il Tempo Che" sind es dann fünf Lieder, wobei der Rausschmeisser auf Italienisch präsentiert wird. Freunde der genannten Combos werden hier garantiert auf ihre Kosten kommen und das Digipack dürfte ein zusätzlicher Anreiz sein, sich die Songs von MATINÈE ins Regal zu stellen. (22:35) (6) Thomas Eberhardt

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OLEHOLE
Holemole CD
Go-Kart Records/Rough Trade


Hinter OLEHOLE (O-Lay-Ho-Lay gesprochen) verbergen sich alte Bekannte nämlich Brian Moss on THE GHOST und HANALEI sowie zwei Mitglieder von BURIAL YEAR sowie der Drummer von DEAD TO ME. Mancher mag sich fragen welchen gemeinsamen Nenner diese vier Veteranen nun gefunden haben und man kann schon sagen, dass Elemente der Vorgängerbands hörbar sind, denn die brachialen Groove-orientierten Riffs lassen an BURIAL YEAR denken, die Refrains und die Texte an DEAD TO ME, die Folgeband von ONE MAN ARMY. THE GHOST sind textlich präsent. OLEHOLE verbinden so hymnischen Emocore wie man ihn von HOT WATER MUSIC kennt mit einer beachtlichen Rythmik und bisweilen dreckigen Rock n' Roll Riffs. Hin und wieder klingt THE CLASH durch, was "Holemole" zu einer zeitlosen Rockscheibe macht. "Treble Hook" wartet mit einer melodisch-schrägen Leadgitarre auf und lässt Moss seine intelligenten Texte mit seiner Reibeisenstimme darüberbrüllen. "40437400" ist dann eine nicht ganz so liebliche Ode an New York und mit den Spoken Word-Elementen kommt man der ROLLINS BAND zu "Weight"-Zeiten auch inhaltlich recht nahe. Eine gute Fusion von Emocore und Rock n' Roll, die in dem mächtigen "Union Plague" einen Stonermäßigen Überraschungsieger zu bieten hat und insgesamt sehr abwechslungsreich und fesselnd ist. (36:16) (8) Thomas Eberhardt

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RESEDA
When Life And Art Collide CD
Comet Records/Radar


Die "Piano Sessions" EP der Schweden RESEDA war ein Debüt der leisen Töne, aber mit diesen zehn aktuellen Tracks entdeckt man den Reiz einer Kombination von Ruhe und Lärm. "Meanstreets", der dritte Song auf dem Album, überzeugt nach einer etwas lahmen zweiten Nummer dann in grossem Maße und durch die verträumten Vocals von Alexandra Lindquist nimmt auch der vierte Track "Moment Meant To Last" schnell Form an und weiß sehr zu gefallen. "Sole Of Your Shoe" ist dann eine Hommage an die EDITORS, zumindest klingt das Lied stark nach den Briten, wobei RESEDA noch eine Trompete integrieren und so dem Ganzen doch ihren eigenen Stempel aufdrücken. Das Quintett hat in Schweden schon zu einigen Filmen Musik geliefert und wenn die Radiosender mal "When Life And Art Collide" zu hören bekommen, dann könnte da durchaus Airplay drin sein, denn RESEDA machen wunderschöne, ehrliche Lieder, die wirklich unter die Haut gehen. (8) Thomas Eberhardt

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ROCKWELL
Hope And Anchor CD
Fear The Crowd Records


Bereits die ersten Takte zeigen, dass ROCKWELL positiv aus dem Raster fallen, denn ihr Stil in nicht alltäglich. Erstmal klingt das Trio unheimlich voll, wenn man bedenkt, dass hier gerademal drei Menschlein mit von der Partie sind, zweitens ist Sänger André jemand, der seiner Profession alle Ehre macht, denn er lotet wirklich aus, welche Passagen Gesang verlangen und welche man besser mit Gebrüll unterlegt. Das Singen beherrscht er auch wirklich gut und darüber hinaus hat die Band ein Gespür dafür, wann ruhigere Momente angebracht sind. Insgesamt ist dieses Album etwas für Leute, die was mit THURSDAY und AT THE DRIVE-IN anfangen können und gut ohne Metalelemente auskommen, denn ROCKWELL sind eine Indieband, die aufgrund der charismatischen hohen Stimme einen grossen Wiedererkennungswert haben und definitiv zu den besseren Gruppen der letzten zwei, drei Jahre gehören. Nach CABIN FEVER also eine weitere Band auf Fear The Crowd Records, der Beachtung zuteil werden sollte, weil sie einfach grandios ist. Die Mischung aus zerbrechlichen Parts und unglaulich bombatischen Passagen unterhält verdammt gut und daher sollte man sich dieses Album als limitiertes Digipack oder als LP zulegen. Zwölf Tracks, die neue Maßstäbe in Punkto Emocore setzen! Einfach fantastisch! (53:01) (8,5) Thomas Eberhardt

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SCHNAAK
Women On Ships Are Bad Luck MCD
Discorporate Records/Soulfood


Der Drummer von TARANTEC und OSIS KRULL liefert sich ein instrumentales Duell mit dem Gitarristen von THE SEASON STANDARD, wobei hier schon die Normalität aufhört, denn Mathias von THE SEASON STANDARD spielt eine Gitarre, der er auch noch eine Basssaite aufgezogen hat und Johannes ist einfach ein unheimlich begnadeter Schlagzeuger, der auch mal afrikanische Rhythmen einbaut wenn er nicht wie ein Besessener auf seinen Fellen rumkloppt, als ob ein Dämon von ihm Besitz ergriffen hätte. Ein virtuoses Duo also, welches sich mit diesen Songs, fünf sind es an der Zahl, irgendwo zwischen einer instrumentalen PRIMUS- und NORTH OF AMERICA-Version sowie HELLA und CAPTAIN BEEFHEART platziert. Noise für technisch anspruchsvolle Ohren, die mal eine kleine Fortbildung in den eigenen vier Wänden abhalten wollen. Macht aber trotz des sehr kautzigen Ansatzes viel Freude und überzeugt voll und ganz. (22:51) (7) Thomas Eberhardt

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SKINNERBOX
Show Your Teeth CD
Tocado Records


Dieses Trio aus Rotterdam hinterlässt definitiv einen bleibenden Eindruck, denn die neun Tracks des aktuellen Albums sind ein aufregendes Sammelsurium an Zitaten von BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB, THE PIXIES, THE WHITE STRIPES, MUSE, NIRVANA und vielen anderen. Ein dominater Bass thront über schräg harmonischen Gitarren und der Gesang tut sein Möglichstes ein Gros zur Kauzigkeit von SKINNERBOX beizutragen. "Mr Skinnerbox" beginnt mit einem nervenaufreibenden Gesangsduett zwischen Sänger und Bassistin, unterbrochen von Stakkato-Attacken und mündet in ein schöngeistiges Geklimper. "When You Drive" ist dann eher eine Fusion aus GOLDFRAPP und MUSE, die zu den ruhigeren Momenten auf "Show Your Teeth" gehört, aber auch die Wandelbarkeit des Trios hinweist. "Work Out" zeigt SKINNERBOX dann nochmal von ihrer spinnerten Seite und dürfte mit seinen Balkanrhythmen auch was für GOGOL BORDELLO-Fans sein. Ein solches, konsequent eigenartiges Album, hat wirklich Seltenheitswert und gefällt, selbst wenn sich die Zielgruppe für derart eigenwilliges Liedgut sehr in Grenzen halten wird. Mir sagen die drei Niederländer jedenfalls zu. (30:24) (7) Thomas Eberhardt

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SMALL JACKETS
Cheap Tequilla CD
Go Down Records/New Music Distribution


Der Zweitling "Walking The Boogie" wartete mit zwei HELLACOPTERS Mitgliedern, nämlich Nick Royale und Strings, als Gästen auf und für "Cheap Tequila" konnte man einen weiteren bekannten Förderer als Produzent gewinnen, denn Chips K von WHITE FLAG fand ebenfalls Gefallen an den SMALL JACKETS. Ihren eingeschlagenen Weg setzt die Band auch auf ihrem dritten Album fort, selbst wenn man etwas massentauglicher geworden ist, bleiben die Schweden ihren Vorbildern wie ZZ-TOP, GRAND FUNK RAILROAD und den HELLACOPTERS treu. Southern Rock mit einem mächtigen Motor City-Einschlag, der einfach unheimlich Spass macht und von GRAND FUNK RAILROAD bekommt man sogar einen Covertrack geboten. Mir machen die dreckigen Songs wie "Dancing With The Monster" oder "We Got A Problem", das Mr Brown der SMALL JACKETS, am meisten Spass, aber auch die sehr tradionellen Songs "Sweet Lady" und "Lonely Man" sind klasse. (45:15) (8) Thomas Eberhardt

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TACKLEBERRY
Reinventing Appetite For Destruction CD
Zeitstrafe


Bereits ein Jahr nach "Call Me Green" schicken die Kieler trotz des intensiven Tourens acht neue Tracks ins Rennen und zeigen, dass ihr Spektrum breiter geworden ist, denn "Let's See What Happens" tritt ganz deutlich in die Fußstapfen von LIFETIME, während ansonsten das Feedback und Trashcore die knapp fünfzehn Minuten deutlich dominiert. Wie der Titel schon andeutet, hört man aber auch mal ein Glam Solo mit Augenzwinkern und eine Menge mehr Rock n' Roll Attitüde als auf dem letzten Album. Fortschritte haben auch bei den Vocals stattgefunden, wer sich selbst davon überzeugen will, kann TACKLEBERRY gerade zusammen mit SMOKE BLOW auf der Bühne bewundern. Da die Spielzeit nicht gerade üppig ist, was sich aber mit dem Repeat Knopf an der Anlage hervorragend lösen lässt, kostet die CD auf der Zeitstrafe Homepage übrigens auch nur 9 Euro zuzüglich Porto. Seb Winter hat zudem ein wunderbares Artwork kreiert, welches diesen außergewöhnlichen Release zum Pflichtprogramm für waschechte HC-Fans macht, aber auch Anklang bei Freunden der etwas melodischeren Gangart finden wird. Treffer, versenkt! (13:57) (8) Thomas Eberhardt

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ZOSCH
S/t LP
Kids In Misery Records


RiotGrrrl-Dance-Punk-Band aus Köln, der zwischen englischen und deutschen Vocals pendelt und eigentlich recht amüsant, durch die sehr kantigen Synthies aber auch sehr bedrohlich ist. LOST SOUNDS, GRAVY TRAIN und LE TIGRE könnte man ohne Probleme als Vergleiche anbringen und selbst wenn ZOSCH noch sehr steril klingen, machen die 12 Songs gute Laune. Besonders die deutschen Texte sind ungekünstelt und wirken sehr spontan, auf Englisch könnte man von einer Art Nerdy-Hippness sprechen, denn Songs über's Stretchen, oder die Sexyness von Lesen sind schon recht seltsam. Die Synthies geben den recht simplen Strukturen aber immer mächtig Drive und ein Song wie "Zombies", eine Art Hommage an George A. Romero, stellt nochmal klar, dass ZOSCH wirklich eher des Spaßes halber Musik machen, aber wer möchte sie dafür tadeln? Das Artwork der Platte besticht und Slogans wie "Deutschland, meine Freundschaft kriegste nich" in "Kriegste nich" sind dann fast schon wieder politsch, selbst wenn es sehr abstrakt bleibt. Was mir an dieser ziemlich guten LP noch fehlt ist die Abkehr vom flachen Witz, hin zum Tiefgang. Was wären ZOSCH, wenn sie etwas ernster, komplexer und intellektueller wären? Eine bedrohlich gute Combo! (26:41) (6,5) Thomas Eberhardt