WITH LOVE, Januar/Februar-Reviews


Text?

ANYTHING BUT YOURS/I PILOT DAEMON
Split CD
Heckspoiler Music/Lacrymal Records


Man hört ANYTHING BUT YOURS wahrlich die Vorliebe für skandinaischen Noisecore an, aber wenn man bedenkt, dass die Jungs sich langsam vom brutalen Screamo/Noise-Outfit zu den Experten für Slow-Motion-Epen wandeln, dann lauscht man dieser akustischen Veränderung doch gebannt. Die Songs von ANYTHING BUT YOURS sind in den letzten vier Jahren flächiger, tiefschürfender und vertrackter geworden, ohne die nötige Harmonie vermissen zu lassen, die den Hörer fesselt. Ergänzt wird diese waghalsige Mixtur durch skandinavische Coolness, die man von JR EWING oder SOUNDS LIKE VIOLENCE kennt. Eine wirklich grandiose Eröffnung dieser Split, auch wenn Freunde des unkomplizierten Hörens nicht gerade auf ihre Kosten kommen werden, aber wer wie wir um fünf Ecken denken kann, schätzt ja gerade diese kleinen Gedankenspielchen. I PILOT DAEMON aus Toulouse vertreten La Grande Nation und zeigen, was der Fachmann schon lange weiß, in Frankreich mag man derbe Kost. Die Herren gehen wieder etwas krachiger zu Werke, lassen den Gitarren die gesunde Schräglage und erinnern mich etwas an THE GRIZZLY TWISTER, allerdings ohne Sythies, denn I PILOT DAEMON stampfen alles nieder und ihr Credo ist eben nicht Abwechslungsreichtum, sondern Wiederholung bis es schmerzt. Stakkato wird hierbei groß geschrieben und die Tieftöner stehen meist im Vordergrund. Die Veröffentlichung kommt im handnummerierten Silkscreendigipack und ist auf 300 Stück limitiert. Also schnell sein, es lohnt sich wirklich. (27:44) (7) Thomas Eberhardt

Text?

ANYTHING BUT YOURS
Welcome To Karoshistan CD
Heckspoiler Records/Daredevil Records


"Welcome To Karoshistan" kommt in einem wundervollem Digipack. Sehr schlicht gehalten, aber doch schön. Der Titel des Albums tut sein übriges. Und siehe da, ein wunderbares Screamo-Album ist entstanden. Verpackt mit der Emotionalität von JUST WENT BLACK, den Vocals von alten ESCAPADO und viel Individualität entzückt mich diese Band doch sehr. Einzig der Spannungsbogen wird ab und zu übertrieben, so dass es des Öfteren schon viel schneller auf den Punkt und zur Sache gehen könnte. Aber das ist vielleicht auch der Einfluss von derartig progressiven (ja, neben "Groove" mein neues Lieblingswort) daherkommenden Chaotischen-Post HC Bands, und so entstehen eine Vielzahl von schönen aber treibenden Bassläufen, verspielten teils verträumten Gitarrenlinien und eine experimentelle Schlagzeugarbeit. ANYTHING BUT YOURS sind sicherlich nicht jedermanns Sache, doch kann ich mir die Band super in besetzten Häusern oder auch AJZ's vorstellen. Für die großen Bühnen der Welt wird das sicherlich nicht reichen. Muss es aber auch nicht. (43:35) (8) Karsten Ostmann

Text?

BLACK FRIDAY `29
Pursuit Of Happiness CD
Blacktop Records/Dead And Gone Records


Die nach dem amerikanischen Börsenkrach von 1929 benannte Band aus dem Ruhrpott genießt im Rheinland und wohl auch in einigen anderen Gegenden Kultstatus und das nicht ganz zu unrecht, denn auch mit ihrem zweiten Album "Pursuit Of Happiness" gelingt BLACK FRIDAY `29 der Brückenschalg zwischen essentiellen Gruppen wie YOUTH OF TODAY, TEN YARD FIGHT, BANE und JUDGE. Ein Song wie "Ghosts" klingt so herrlich nostalgisch, dass man meint Ray Cappo würde im hohen Alter nochmal zur Höchstform auflaufen. BLACK FRIDAY `29 vermeiden jedoch jegliche Besserwisserei und regen den Hörer zum selbstständigen Denken an, statt ihm Dogmen vorzusetzen. Gut gelungen ist definitiv auch das Artwork, es wirkt weder aufdränglich, noch setzt es auf billige Schockeffekte. Auch auf aufgeblasene Hochglanzoptik wird verzichtet und das Booklet enthält auch alle Texte. Der Nachfolger von dem auf Gsr erschienenen "The Escape" setzt eher auf Langzeiteffekte, statt auf schnelle Resultate, aber wer will das der Band verübeln, schließlich sollte Musik kein Wegwerfartikel sein, der nach einmaligem Hören bereits veraltet ist und entsorgt werden muss. Das Album funkioniert auch auf lange Sicht und da lohnt sich die Investition doch erst, oder!? Aufgrund der Kurzlebigkeit von Bands in der Szene und der schnellen Sättigung seitens der Hörer, werden viele schon wieder mit dem Phänomen BLACK FRIDAY `29 abgeschlossen haben, aber davon kann man aber eigentlich nur abraten, denn wie sagt ein russisches Sprichwort: Ein alter Freund ist besser als drei neue. (35:32) (7,5) Thomas Eberhardt

Text?

CASHLESS
Living Between The Lines CD
My Redemption Records/Cargo


Mit dem letzten Album "Kisses And Lies" hat sich die Band aus Süddeutschland schon reichlich Lob und Anerkennung erspielt und obwohl "Living Between The Lines" drei Jahre nach dem Vorgänger erscheint, war man nicht faul, sondern hat sich stilistisch weiterentwickelt, so dass die 13 Tracks des neuen Album in der Streetpunk-/Melodic Punk-Ecke erstmal ihresgleichen finden müssen. Als Gäste hat man sich Martin von FRONTKICK und Joshi von ZSK ins Studio geholt und aufgenommen wurde alles von Philip Seidl (ex-FLYSWATTER, THE BLACKOUT ARGUMENT) in den Hertzwerk Studios in Hamburg, wo auch schon die TURBO AC`s die Saiten malträtierten. An der Klangqualität gibt es also ebenso wenig zu meckern wie am Songmaterial. Schön auch, dass mit "We Are The Youth" ein waschechter Streetpunk-Song auf dem Album ist, "Es Ist Egal" eher in die Deutschpunk-Richtung geht und "Tame" was für die Balladenfans sein könnte. Man deckt ein ziemlich breites Spektrum ab und selbst wenn die Lieder für meinen Geschmack noch eine Spur härter sein könnten, bleibt das Fazit, dass CASHLESS mit diesem Album auf ihrem eigenen Label auf jeden Fall Epitaph-Qualität erreicht haben. Muss man haben, wenn man seine Sozialisation in den Neunzigern erlebt hat und neben LAGWAGON und den BOMBSHELL ROCKS auch SOCIAL DISTORTION im Regal stehen hat. Professionell gemacht und zugleich authentisch, unabhängig und bodenständig. Was will man da noch mehr? (37:14) (8) Thomas Eberhardt

Text?

DEATHSPIRIT
S/t MCD
Let It Burn Records


Marco Walzel, Nanouk De Meijere, Christoph Zehetleitner und Sebastian Spiegel, diese Namen werden so manchen aufhorchen lassen und so vielfältige Assoziationen wie MY HERO DIED TODAY, COSTA`S CAKEHOUSE, THE BLACKOUT ARGUMENT, WITHIN WALLS, PAINT THE TOWN RED, Let It Burn Records und Avocado Booking hervorrufen. Die Münchener haben jetzt allerdings wieder ein neues Projekt ins Leben gerufen und DEATHSPIRIT ist so ziemlich das Derbste, was die Bayern bisher aufgenommen haben. Die fünf Songs sind ein Hassbrocken, der AKIMBO, FROM ASHES RISE und INTEGRITY assozieren lässt. Textlich manifestiert sich diese Wut ebenso und man könnte durchaus von einem vernichtenden Rundumschlag sprechen. Zexzlich behandelt man das menschenverachtende System, klangt den Kapitalismus an und erklärt beidem den Krieg. So viel Wut und Rotzigkeit hätte ich den Herren gar nicht mehr zugetraut. So kann man sich täuschen. Vielleicht haben wir Glück und DEATHSPIRIT nehmen auch noch ein Album auf, aber für den Anfang ist diese MCD eine mehr als dankbare Veröffentlichung, einfach auf Endlosschleife stellen und mal richtig Dampf ablassen. (9:09) (7) Thomas Eberhardt

Text?

DESPERADO/THE SOUND O.E
Pursuit Of Happiness CD
Heckspoiler Music


Fans des skandinavischen Noisecores werden die Norweger DESPERADO, die über Dead Letter Records aus Trondheim veröffentlichen und die Schweden THE SOUND O.E, die hierzulande auch schon mit TRAKTOR die Clubs und Dönerläden unsicher gemacht haben und auch so einige Einkaufswägen auf ihre Geländetauglichkeit und Personenkapazität getestet haben, sicherlich bereits kennen. Alle anderen dürfen sich gerne auf den teils chaotischen, teils recht atmosphärischen Noiserock der Nordlichter einlassen. DESPERADO haben vier Songs für diese Split beigesteuert und setzen auf krachige Passagen mit mächtig viel Gekreische, während THE SOUND O.E in ihren fünf Tracks oftmals die Synthies einsetzen und eher rhythmusorientiert vorgehen. Spätstens bei "Am I Off Or On" merkt man den Schweden an, dass sie wohl einen enormen Input an Videogames hatten, denn sonst könnte man derart schräg-trashige Melodien niemals in die Tasten hauen. Der Abwechslung halber werden diese virtuosen aber doch recht absurden Klimpereien mit Posthardcore-Versatzstücken ergänzt und durch atmosphärische Passagen bereichert. Eine schöne Split, die auf ganzer Linie überzeugt und eine wirklich lohnende Anschaffung ist. Ein schöner Quereinstieg in die skandinavische Szene, die neben DESPERADO und THE SOUND O.E auch noch grandiose Bands wie DOMINIC, THE GRIZZLY TWISTER und TRAKTOR zu bieten hat. Auch optisch überzeugt dieser Release auf ganzer Linie, denn das Layout ist schlichtweg grandios, auch wenn es natürlich schön gewesen wäre die Texte zu kennen, aber wer genau hinhört, wird doch einen ähnlich derben Humor, aber auch klare Gesellschaftskritik bei beiden Combos vorfinden, sonst gäbe es wohl weder Songs wie "We Wash Our Hands In Blood" noch "Dollar Halo, Dollar Cross". Die Split umfasst die bereits in Skandinavien veröffentlichte "Low Crust Sessions" EP von DESPERADO und die "Am I Off Or On?" EP von THE SOUND O.E., aber da sich diese Kleinformate wohl nicht in jedem Haushalt stapeln werden, findet man hier eine dankbare Kombination. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass DESPERADO sich im Januar diesen Jahres aufgelöst haben, also zugreifen solange die Veröffentlichung noch zu haben ist. (29:46) (7,5) Thomas Eberhardt

Text?

HARLOTS
Betrayer CD
Lifeforce Records


Lifeforce Records Nummer eins: HARLOTS. Diese Band ist wesentlich interessanter als das zweite Release von LIGHT PUPIL DILATE. Direkt der erste Song "The Weight Unweighable" brennt sich direkt ins Gehirn und lässt Großes erhoffen. Diese Hoffnung wird zwar im Laufe der Scheibe etwas enttäuscht, da der Band noch das gewisse Etwas fehlt, doch werten Songs wie "Dried Up Goliathan" oder auch "Suicide Medley" das Ganze durch viele Ideen wieder auf und sorgen für wundervollen Hörgenuß. Vergleiche sind bei HARLOTS eher schwer zu finden, da sie eine doch sehr eigenständige Band sind. Die 4 Jungs aus den USA (genauer Ohio) werden aber ihren Weg machen, da bin ich mir sicher. Fans des chaotischen, aber emotionalen Rocks sowie des Progressiven Metals, sollten hier ihre wahre Freude haben. Lifeforce Records haben einmal mehr die Vielschichtigkeit ihres Labels und Musikgeschmacks bewiesen und entfernen sich immer mehr vom einstigen Ruf DES deutschen Metalcore- Labels. (43:03) (7) Karsten Ostmann

Text?

LIGHT PUPIL DILATE
Snake Wine CD
Lifeforce Records


Mensch glaubt es kaum, aber Lifeforce Records hat wieder zugeschlagen. Dieses Mal wieder mit einer Band, die keiner kennt und die auch im Moment relativ unpopuläre Musik spielen dürfte. LIGHT PUPIL DILATE kommen aus Atlanta (Georgia/USA) und definieren sich selbst als "Heavy Rock". Ich sehe die Band in der Grauzone von Stoner- und Progressive Rock. Nun muss ich leider zugeben, dass mich diese Art von Musik selten mitreißt, wie auch im Falle von "Snake Wine". Dabei ist es nicht mal die Musik die mich stört (im Gegenteil - diese kann sogar ab und zu zum Kopfnicken einladen) sondern viel eher der total monoton wirkende Gesang. Ansonsten ist die Band irgendwo zwischen QUICKSAND und alten FAITH NO MORE angesiedelt, nur eben nicht so gut. (42:42) (5) Karsten Ostmann

Text?

LUNATIC AGE
August the month of misfortune CD
Spectre/Universal


Die französische Band scheint ja einen ziemlich krassen Werdegang hinter sich zu haben. Nach Drummersuche, Festivalauftritten, Radiohits und 2 Alben kommt nun direkt der Majordeal bei Universal, und in Frankreich scheinen die Jungs wohl auch eine richtig große Nummer zu sein. Zumindest wenn man dem Infosheet glaubt, hier kennt sie nämlich noch keine Sau. LUNATIC AGE spielen Indierock und zwar im Stile der hier ansässigen BLACKMAIL. Songwriterqualitäten sind der Band auf keinem Fall abzusprechen und auch die von ihnen gewählte Textsprache, ihre Muttersprache, Französisch ist auf jeden Fall eine gute Wahl gewesen. Denn besser gut französisch als schlecht englisch singen. Zugeben muss man auch dass die Scheibe gut für den Sommer ist, denn irgendwie bringt sie richtig gute Laune. Wer also mal etwas ganz anderes hören will und auf punkigen Indierock steht, der sollte dieser Band eine Chance geben. Und eins muss ich noch zugeben: auf Festivals kann ich mir die Jungs tatsächlich gut vorstellen. (52:41) (7) Karsten Ostmann

Text?

MY FIRST FAILURE
The Color CD
Sandcastle Records


Die zweite Veröffentlichung des relativ neuen Labels Sandcastle Records lässt schnell an die Niederländer ALL FOR NOTHING denken, nicht nur aus dem einfachen Grund, dass bei MY FIRST FAILURE ebenfalls eine Dame das Mikro schwingt, sondern eher aus stilistischen Gründen, denn auch auf "The Color" hört man Old-School-Hardcore mit reichlich Powerchords und melodischen Leads. In "Unsaid Words" wird sogar die Double Bass stapaziert, was aber durchaus funktioniert, da die Songs faktisch metalfrei sind und so wirkt das Drumming nicht prollig. Ist auch mal ganz angenehm eine etwas andere Tonlage beim Gesang zu hören, selbst wenn Alexa merklich am Limit schreit, aber das zeugt ja auch von Engagement. Abrupt zehn Tracks vorzulegen ist natürlich auch eine Leistung, die man respektieren muss. Mutig ist das Quintett also allemal und in "Gone For Years" darf sogar mal gut dosierter Singsang zum Einsatz kommen. Fans von SAVING THROW, SHAI HULUD and ALL FOR NOTHING kommen hier definitiv auf ihre Kosten und Sandcastle Records werden uns hoffentlich bald wieder mit neuen Releases begeistern. (7) Thomas Eberhardt

Text?

MY UNSAID EVERYTHING
All These Buildings Hiding The Rising Sun CD
Heckspoiler Music


Mancher wird sich vielleicht wundern warum hier ein Album besprochen wird, welches bereits 2004 erschien und dann noch von einer Band, die sich längst aufgelöst hat. Nun, dafür gibt es einen einfachen Grund und dieser gipfelt in meiner Angewohnheit stapelweise in die Jahre gekommende Alben aufzukaufen: Musik mit Qualität hat kein Verfallsdatum. MY UNSAID EVERYTHING beweisen dies auf ihren sechs Tracks, die noch jenseits ausgetretener Pfade stattfanden, eindrucksvoll. Sie taten das, was sich heute nur noch wenige Bands trauen, sie machten Musik aus dem Bauch heraus und nahmen sich die Freiheit auch Screamo mit Southern Rock-Elementen zu kombinieren, wie zum Beispiel in "Human", ohne zugleich atmosphärische Elemente zwanghaft außenvor zu lassen. Die schrägen Töne dominieren aber das Oevre von MY UNSAID EVERYTHING und wenn ihr unvorhersehbare Tracks im Hardcore-Kontext schätzt, die von jetzt auf gleich unheimliche Umschwünge bieten, dann solltet ihr MY UNSAID EVERYTHING mal antesten. (22:59) (7) Thomas Eberhardt

Text?

PAINT IT BLACK
New Lexicon CD
Reflections Records


Bevor die Lobeshymnen auf den ehemaligen LIFETIME/KID DYNAMITE-Mann Dan Yemin einsetzen, muss ich doch kurz anmerken, dass es mich als Gitarrist nervt, wenn Bands lediglich einen Sechssaiter haben und dann der Meinung sind man müsse einfach die Regler hochdrehen und der Sound wäre dann automatisch bombastisch. Ist er nicht, er klingt nur übersteuert und wenn jemand PAINT IT BLACK mit FROM ASHES RISE vergleicht, dann muss ich sagen, dass FROM ASHES RISE tausend Mal brachialer und realer klingen, denn nachdem "New Lexicon" bereits durch die Hände von J.Robbins, Co-Producer Oktopus von Dälek und wohl auch durch Yemins eigene gegangen war, legte Alan Doches sich auch nochmal ins Zeug. Ein Schelm, wer jetzt an zu viele Köche denkt, die irgendwelche Speisen verderben. Das Album wurde also mehr als einmal an den Reglern überarbeitet, kann aber gleichzeitig nicht mit aktuellen Produktionen mithalten, vor allem weil die Gitarren derart dominant im Zentrum platziert wurden, obwohl sie eigentlich ziemlich dünn sind. Das Songwriting überzeugt, aber Yemin wäre meiner Meinung nach lieber an der Gitarre geblieben, denn ein begnadeter Shouter/Sänger und Texter ist er für mich nicht. Es bleiben die Originale LIFETIME, BLACK FLAG und DAS OATH, die ich mir wesentlich lieber anhöre als Yemin und seine Kollegen. Sorry, ich werde mit Kopien und warmen Aufgüssen einfach nicht warm. (30:26) (6,5) Thomas Eberhardt

Text?

PEACH FTL
Addiction CD
spectre/Universal


Nach LUNATIC AGE sind PEACH FTL nun die zweite französische Band in diesem Monat auf WLTU. Und wieder scheinen die Jungs in Frankreich ganz groß angesagt zu sein, samt MTV Rotation. Ergötzen können wir uns an zum Teil an SILVERCHAIR - lastigen Alternative (zu "Neon Ballroom" - Zeiten) und mal an eher Crossover-mäßigen Passagen. Die Texte sind komplett französisch und erhalten somit selbstverständlich ihren ganz eigenen Charme. Der Sound der Band, als auch des Sängers sind an sich sehr massenkompatibel und eher etwas kommerziell. Natürlich darf auf so einer Scheibe die Ein- oder Andere Ballade nicht fehlen, und somit klingt die CD mit dem Bonus Track "Elle Attend" (Ohrwurmalarm!) samt Akustikgitarre und Streichern ruhig aus. (51:20) (7) Karsten Ostmann

Text?

PORCUPINE TREE
Nil Recurring CD
Peaceville Recs / SPV


Wer PORCUPINE TREE kennt, der weiß um die Vielschichtigkeit dieser Band. Steven Wilson, Kopf der Band startete diese Anfang der 90'er Jahre, arbeitete zwischendurch z.B. auch als Produzent von OPETH und veröffentlicht nun mit seiner Band PORCUPINE TREE ein Mini-Album, dass Tracks die während des letzten Albums mit aufgenommen wurden, beinhaltet. Entstanden ist also eine fast 29 - minütige 4 Track CD. Diese beweist einmal mehr das PORCUPINE TREE aus dem Genre des Progressivem Rocks nicht mehr wegzudenken sind, und wenn nicht sogar DIE ungekrönten Könige dieses Genres sind. Hier paaren sich wunderbare Groove-Parts mit einer gehörigen Portion Einfallsreichtum und einer mitreißenden Stimme (bis auf den ersten Track der rein instrumental ist) von oben genannten Steven Wilson. Fans der Band, sowie alle Leute die sich mit Musik ernsthafter beschäftigen, werden früher oder später den Weg mit dieser Band kreuzen, und dafür wäre "Nil Recurring" ein guter Einstieg. (28:44) (7) Karsten Ostmann

Text?

RESORT TO ESCAPE
In My Last Hours MCD
www.resorttoescape.de


Die Band aus Ravensburg, macht es einem wirklich einfach sie zu mögen, denn neben Hardcore-Elementen der New School-Bewegung integriert das Quintett auch melodische Gesangslinien, die mich in "Identify XXX" sogar etwas man BLACK TRAIN JACK erinnern, aber wie der Titel des Songs schon andeutet, haben Gruppen der New School-Bewegung ebenfalls Spuren hinterlassen. Diese tieftönenden uptempo Riffs werden ebenfalls mit melodischen Leads kontrastiert und so setzen sich RESORT TO ESCAPE bedacht zwischen sämtliche Stühle und verfolgen ihren eigenen Weg. Eines kann man mit Sicherheit sagen, die Jungs erarbeiten sich gerade ihren eigenen Stil und scheren sich keinen Deut darum, was gerade besonders angesagt ist, da sie genügend eigene Ideen haben. Hier wird gemosh, geshoutet, aber auch harmonische Melodien und theatralischer Gesang dürfen zum Einsatz kommen. Das Artwork unterstreicht den ambitionierten Gesamteindruck und nach dem zweiten Durchlauf hat man sich auch an die komplexen Gesanglinien gewöhnt und merkt, wie simpel die meisten Bands eigentlich geworden sind. Ein toller Einstand, auch wenn etwas weniger Ideen sicherlich auch noch genügend Stoff für die Songs abgeworfen hätten. Emocore mit Melodie, Tempo und Handkante, der gefällt. (16:32) (7,5) Thomas Eberhardt

Text?

SEED OF PAIN
Power, corruption & lies EP
Let It Ride Records


SEED OF PAIN sind eine schweizer Hardcore Band, und spielen "groovy, heavy and progressive music" (Infosheet). Die CD ist eigentlich gar keine, sondern eine ein-seitige 12 Inch Platte, mit 5 Songs und knappen 15 Minuten. Schön auch hier dass endlich mal jemand daran gedacht hat die Texte mit zu senden. SEED OF PAIN wären in den 90'er Jahren sicherlich gut platziert gewesen, denn Einflüsse wie 108 oder UNBROKEN sind nicht von der Hand zu weisen. Ich gebe zu die 15 Minuten können einen ganz schön flashen. Endlich mal wieder etwas das weg vom ganzen Metalcore, Mosh, Beatdown oder trendy Oldschool ist und wieder etwas zurück zu den Wurzeln geht. Ebenso positiv hervorzuheben: Das Label LET IT RIDE RECORDS, dass auf jeden Fall mit dieser Band als auch mit deren Labelmates NOTHING TO HIDE und ANCHORSxUP großartige Bands im Roster hat! (15:27) (8) Karsten Ostmann

Text?

SHAPESHIFT
Fragments CD
DIY


Selten war ich so im Zwiespalt, aber fangen wir von vorne an: SHAPESHIFT aus Erlangen legen mit "Fragments" ihren Zweitling vor, nachdem 2004 schon "Confusedated" erschienen war. Inzwischen haben sie auch den alten Drummer von NECROPHAGIST im Boot. Das Promo- Paket fällt sehr üppig aus, samt 5 Seiten Infosheet und einem toll aufgemachten CD- Artwork (inkl. Extra und vielen Ideen). Äußere Präsentation also TOP! Dafür 10/10. Nun ist es leider so, dass es in einem Review aber auch um die Musik geht, und die mag zwar ideenreich sein aber nicht unbedingt gefallen. Gerade die Schlagzeugarbeit ist zum Teil tatsächlich beeindruckend, und die Gitarrenarbeit ist für eine NewMetal- and (sie selbst nennen es "Brain Metal") auch wirklich gut, größtes Defizit auch hier für mich wieder der Gesang. Dabei ist es nicht so dass der Gesang an sich schlecht ist, nein die Stimme klingt einfach nur zu aufgesetzt. Zusammengenommen ergeben die Teile leider ein nur mittelmäßiges Ganzes. (60:23) (5) Karsten Ostmann

Text?

SIRENS
In Circles CD
Clarity Records/Cobra Records


Nachdem mich SIRENS live ziemlich beeindruckt hatten, setzte ich natürlich grosse Erwartungen in ihren ersten Longplayer und "In Circles" weiß nun auch wirklich zu gefallen. Der Opener erinnert an BETTER THAN A THOUSAND und auch die anderen Tracks haben einen deutlichen SHELTER/YOUTH OF TODAY-Einschlag, aber SIRENS verarbeiten auch andere Einflüsse, allerdings dominieren doch deutlich die Old-School-Passagen. Ich frage mich zwar, wie man mit nur einer Gitarre einen solch brachialen Sound fabrizieren kann, aber Thorsten Heils Herangehensweise an das Instrument unterscheidet sich eben etwas vom herkömmlichen Powerchords-Schema, so entstehen trotz minimaler Besetzung keine Lücken, sondern Raum für Experimente. Ein solches wäre auch "The Lost Crown", welches ein Springsteen sings Southern Rock-artiger Song ist. Anschließend gibt es wieder einen bombastischen uptempo Old-School-Kracher, der massig Gelegenheit zu Finger Pointing und Crew Shouting gibt. Äußerst gelungen ist auch das Artwork, wirklich ein wahres Sammlerstück und herrlich atypisch für die Hardcore-Bewegung. Ja, SIRENS haben sich was getraut und die positive Grundstimmung des Albums oppuniert angenehm gegen die ganze Depri-Schiene, die momentan leider so dominant ist. See you in the pit! (73:53) (8) Thomas Eberhardt

Text?

SOLID GROUND
I Can`t Stop Now CD
Let It Burn Records


Old-School-Hardcore erlebt eine Renaissance und auch der New Yorker-Variante mangelt es nicht an Vertretern. Da wären zum Beispiel SOLID GROUND, die bereits seit 2003 die Schweiz unsicher machen. War das Debüt "Get Used To It" noch bei Dead Serious erschienen, so hat man jetzt einen Vertrag mit Let It Burn und arbeitet mit Avocado Booking zusammen, um möglichst viele Konzerte zu spielen. Obwohl mir der Vierer bis zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht besonders aufgefallen ist, was auch daran liegen mag, dass ich schlichtweg noch nichts von der Band gehört habe, hat er doch deutliche Stärken und spielt mitreissenden Hardcore, der sicherlich jenen gefallen dürfte, die sich gerne CRO MAGS, AGANOSTIC FRONT, MADBALL oder JUDGE anhören; und wer tut das nicht. SOLID GROUND mischen mit diesen 15 Songs ganz weit vorne mit und ich rate wirklich jedem sich diese Combo mal anzuhören, denn die Helveten haben unheimlich viel Groove, eine Brachialität, die einfach unglaublich ist und schütteln ihre Songs mit einer beeindruckenden Leichtigkeit aus dem Hemdsärmel, dass man nur noch baff ist. Teilt mal die Spielzeit durch die Anzahl der Songs und ihr werdet wissen, was hier Sache ist. Ein essentielles Hardcore-Album. (28:50) (8) Thomas Eberhardt

Text?

STORM AND STRESS
S/t MCD
Blacktop Records


Wieso beherzigt denn niemand die goldene Regel aus "High Fidelity"? Ein Opener muss ein gigantischer Track sein und der zweite Song darf ihn gerne noch überbieten. Na ja, das Intro lässt ja gespannt aufhorchen und obwohl man danach eher Santana als Hardcore erwartet, hört man Hardcore. Allerdings hält der zweite Song "The Door" nicht ganz die hohen Erwartungen, die man an Blacktop mittlerweile stellt. Gerade gesanglich sollte man in Zukunft etwas facettenreicher sein, denn auch wenn es pures Shouting sein soll, dann doch bitte eher so wie in "Slim To None", denn Rhythmuswechsel frischen die Sache gehörig auf. Ab diesem Song zündet das Debüt der Ibbenbürener dann auch richtig, denn das Tempo wird angezogen und Vergleiche mit amerikanischen Hardcorecombos der Marke THIS IS HELL dürfen gezogen werden, auch wenn die Vocals noch unheimlich gepresst klingen. STORM AND STRESS behaupten im vierten Song zwar, dass SLAYER ihnen die Kindheit verdorben hat, aber das hält sie nicht davon ab auch mal das ein oder andere Metalriff einzustreuen. Gerade diese spontane Mixtur aus melodischem Hardcore und marginalen Metaleinflüssen überzeugt. Ein überraschend guter Einstand, der auf ein baldiges Wiederhören hoffen lässt, denn in Summe sind die sieben Songs des Fünfers absolut hörenswert. (12:18) (7) Thomas Eberhardt

Text?

TENSIDE
Mental Satisfaction CD
Unformated Records/Rough Trade


Die CD "Mental Satisfaction" erscheint Ende März 2008. TENSIDE aus Dießen enttäuschen mich etwas, da mir das Cover der CD recht gut gefallen hat. Musikalisch geht es da eher in Richtung langweiligen Groove-Metal (groovige Sachen scheinen überhaupt im Moment sehr trendy zu sein) oder auch Alternative/Nu-Metal. Gibt mir leider gar nichts und auch die im Infosheet angepriesene Freundschaft der Band zu EKTOMORF interessiert da auch nicht weiter. Rifftechnisch, aber vor allem gesanglich sind leider auch hier einige Defizite zu erkennen. Die "Szene-Hits" (Zitat aus dem Infosheet) "More" und "Only the strongest survive", zünden bei mir leider nicht. Aber gut, Geschmäcker sind verschieden. (36:52) (3) Karsten Ostmann

Text?

TO-MERA
Delusions CD
Candlelight/Plastic Hand


Am Anfang hat "Delusions" noch irgendwie Spaß gemacht, inzwischen finde ich aber das die CD von TO-MERA relativ langweilig und kraftlos daher kommt. Das mag vor allem daran liegen dass zum Einen zig Tausende Elemente, zum eigentlichen Genre der Band - ich sag mal Metal - hinzugefügt wurden. So sind neben einen Haufen Stoner- Groove- Parts, auch Jazz- Elemente sowie viele technische Spielereien beigefügt. Die Stimme der Frontfrau klingt zwar gut ist auf Dauer aber einfach nur nervig. Das Ganze dann noch auf 8 Songs, die auf insgesamt 62 Minuten kommen und "Delusions" ist am Ende nur noch eine weitere Veröffentlichung die kaum einer braucht. Vergleiche wie WITHIN TEMPTATION oder NIGHTWISH wirken zwar immer standardmäßig bei Metalbands mit weiblichen Gesang, treffen es aber auch musikalisch wohl am ehesten. Auch wenn diese zwei eben genannten noch irgendwie eingängig sind. (62:00) (3) Karsten Ostmann

Text?

TRACE
Magnolia CD
Millipede Records/Plane Records


Ungewöhnlich und ungewohnt sind die Klänge, die sich da ihren Weg aus den Boxen bahnen. Kein disharmonischer Postrock, sondern verträumter Indierock mit sonnigem Gemüt und schönen Melodien. Ein dröhnender Bass, hallbeladene Gitarren und virtuoses Geklimper bilden einen dichten Klangteppich, der Vergleiche mit ASH, CRASH TOKIO, READYMADE und stimmlich auch mit BLACKMAIL zulässt. Das Quartett beherrscht, was es da tut und wer hymnischen Rock mit einer geringen Dosis an Sperrigkeit schätzt, der wird TRACE sicherlich fantastisch finden. Der Name mag unspektakulär klingen, aber spätenstens wenn "Salians" einsetzt, hat man den erwachsenen Stil der Gruppe schätzen gelernt und möchte gar nicht mehr auf das MUSE-artige Basswummern verzichten. (59:22) (7) Thomas Eberhardt

Text?

VERSUS YOU
This Is The Sinking CD
Winged Skull


Um die Ideengeber von VERSUS YOU alle im Regal stehen zu haben, muss man wohl Mitte Dreißig sein, denn die PIXIES, JAWBOX und JAWBREAKER hatten ihren Zenit ganz zu Anfang der Neunziger und da werden viele altersbdingt ihre Zeit eher mit Hausaufgaben als mit Punkrock verbracht haben. Bands der zweiten Generation wie JETS TO BRAZIL oder NIRVANA kennen dann wohl aber doch die meisten. VERSUS YOU aus Luxemburg fangen den unbedarften Charme dieser hymnischen Kultbands vortrefflich ein. "Loyalty" hätte gut auf "Incesticide" gepasst, während "I Believe You Believe It`s True" sich vielleicht ganz gut auf "Orange Rhyming Dictionary" gemacht hätte. Aber genug des Konjunktivs, VERUS YOU bringen genügend Spielfreude, tolle Songs und Einfühlungsvermögen mit um eine klasse Emoband zu sein. Auf das Core können wir zwar völlig widerspruchslos, aber "This Is Like Sinking" ist wirklich ein Album, welches man hört haben muss und schnell lieben lernt. (7,5)

Text?

WALLACE
Sidewalks And Bicycles CD
wallace-rock.de


Das Album von WALLACE ist zwar schon seit einer Weile erhältlich, aber weshalb nicht nochmal ausdrücklich auf dieses Kleinod an Verschrobenheit und Poesie hinweisen? Die sieben Songs sind nämlich einzigartig in ihrer Kombination von Emocore, Posthardcore und disharmonischen Screamoelementen. Besonders die Arrangements lassen aufhorchen, da das Quintett überraschende Umbrüche präsentiert und gegenläufige Riffs zu einem stimmigen Ganzen formt. So haben die Lieder Melodie, aber doch einen recht störrischen und kautzigen Charakter, der sich auf Dauer in die Gehörgänge einnistet. "Northern Nurse" ist symptomatisch für die kleinen Geschichten, die hier erzählt werden und die Vocals passen sich dieser narrativen Herangehensweise an, indem oft beinahe lediglich gesprochen wird und nur in bedeutsamen Momenten von herkömmlichem Gesang die Rede sein kann. Diese Ungeschliffenheit macht "Sidewalks And Bicycles" erst richtig charmant und den Longplayer auf lange Sicht interessant. Wann gibt es Nachschub? (22:22) (7) Thomas Eberhardt