WITH LOVE, März 2015-Reviews

MARCH 2015

Text?

THE BIRDWATCHERS
Pretentia CD
Flowerstreet Records/Rough Trade


Zwei Iren aus Limerick ziehen nach Deutschland und gründen mit zwei Einheimischen eine neue Combo und man spezialisiert sich auf Reggae, Soul, Rock und Pop. Eine aparte Fusion? Nun, beim ersten Hören eventuell, später schätzt der Hörer den Stil von THE BIRDWATCHERS und ihren eigenwilligen Sound. Aufgrund der hohen Vocals muss man sich aber wirklich erst reinhören. Mit der Zeit entwickelt der Release aber wirklich reichlich Charme. Erinnert mich etwas an MONEYBROTHER, ZOX und THE TIPS. "Won't let you go" geht in die Soul-Richtung und ist ein Song, der problemlos auf dem Jackie Brown Soundtrack hätte sein können. Fünf Songs im formschönen Digipak. Ein gelungener Einstieg. ThEb (7)

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BURY MY REGRETS
Embrace/Overcome CD
Hell Awaits/Radar


2011 gegründet, orientiert sich dieses Hardcore-Outfit eher an Gruppen wie MODERN LIFE IS WAR und A DAY TO REMEMBER als britischen Bands neueren Datums, was ich persönlich recht angenehm finde. "To separate what's right from wrong" überzeugt mit einem brachialen Gitarrensound, wie man ihn eigentlich nur von EMMURE oder BLACK LABEL SOCIETY kennt, pinch harmonics und reichlich sustain eingeschlossen. Hin und wieder wird ganz mit Bedacht cleaner Gesang integriert, aber die Jungs aus Mannheim übertreiben es auf keinen Fall, so dass die elf Songs auf "Embrace/Overcome auch Fans der härteren Gangart " ohne Einschränkung zu empfehlen sind. "The end in mind" ist ein atmosphärisches Interlude, danach brettert man aber unerbittlich weiter. Ehrlich gesagt können mich nur selten aktuelle HC-Releases überzeugen, aber BURY MY REGRETS haben Ähnlichkeit mit SHAI HULUD, diese melodischen Leads, das aggressive Shouting, die pointierten Gitarren, da stimmt einfach alles. Die Produktion aus den Kohlekeller-Studios ist ebenfalls hörenswert, die Gitarren regieren. Saucooles Album, müsste jedem HC-Fan gefallen! ThEb (7,5)

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David Cebulla
Für diesen einen Moment CD
Eigenproduktion


Der Gesang von David erinnert mich etwas an Peter von SPORTFREUNDE STILLER. Der Haken an der Sache ist, dass ich der Meinung bin, dass Peter nicht singen kann. Do the math. Aber von vorne, David Cebulla ist kein schlechter Texter, aber Akustiksongs entblößen natürlich jede Schwäche und die elf Songs haben derer reichlich zu bieten. Drei Punkte für's Engagement, vom handwerklichen Standpunkt ist "Für diesen Moment" aber indiskutabel. Eventuell ein Schnellschuss, ein Sturm und Drang Werk, aber nichtsdestotrotz indiskutabel. Eventuell das schlechteste Album, das ich je gehört habe. ThEb (3)

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CODE
Mut CD
Agonia Records


Die Briten legen mit ihrem vierten Album ein äußerst eigenständiges Werk vor und wer die Band kennt, weiß, dass Kategorisierungen hier echt Unsinn sind. Beklemmende athmosphärische Parts werden nämlich langsam aufgebaut und Sänger Wacian pendelt zwischen Sivert Höyem (MADRUGADA) und Gavin Hayes (DREDG), während John Maynard Keynes (TOOL) hörbar Spuren in "Undertone" hinterlassen hat, ohne dass hier plagiiert würde. Was den Gesang betrifft, verfällt Wacian nur noch äußerst selten in panische Raserei, wie in dem anfangs jazzigen "Affliction", einem der Highlights des Albums. Nach dem Weggang von Kvorst (aka Mat McNerney: BEATMILK, HEXVESSEL) füllt der ehemalige Neuzugang spätestens aber jetzt die Fußstapfen seines Vorgängers, den er auf "Augur Nox" einst beeerbte, vollstens aus. Fest steht jedoch auch, dass CODE ihre Sturm und Drang-Phase hinter sich gelassen haben und sich eher dem Wave und den großen musikalischen Gesten widmen. Muss man gehört haben, ehrlich. Schwer zu beschreiben. Ich gebe mich verbal geschlagen. Mit Black Metal hat das aber rein garnichts mehr zu tun. Einfach ein großartiges, beklemmend-schönes Album, aber mit vergleichsweise wenig Wumms. Sei's drum, so ein stimmiges Album hört man selten und die neun Songs sind tatsächlich mutig, weil man sich eben aus der Komfortzone herausbegeben hat und völlig neue Ufer ansteuert. Wer GHOST BRIGADE, TOOL, ALCEST, RADIOHEAD und BEASTMILK schätzt, sollte mal reinhören. ThEb (8)

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DARK ZODIAK
See you in hell CD
STF Records/CMS


Trash/Death-Metal mit Vocals, die stilistisch an Jeff Walker/CARCASS angelehnt sind und instrumental gesehen SADUS, SLAYER, DEATH (Black soul) und andere gute, traditionelle Bands zitieren. Hauptsächlich konzentiert man sich auf die Rhythmusgitarren, Leads werden sehr bedächtig gestreut, was dem Gesamtsound sehr zu Gute kommt. Gefällt mir jedenfalls besser, als viele neue Releases, die oftmals durch überladene Arrangements negativ auffallen. Der Form halber sei erwähnt, dass die diabolischen Vocals von Simone Schwarz stammen, man hat also eine Frontfrau. Diese muss sich mit Sicherheit nicht hinter Angela Gossow (ex ARCH ENEMY) verstecken, sondern komt sogar noch cooler rüber. "Blowout" ist auch textlich interessant, weil man die Explosion der Bohrplattform Deep Water Horizon thematisiert. Da sage nochmal jemand Metal sei stumpf. Die Aufnahmen und das Layout hat die Band in do-it-yourself-Manier erstellt und obwohl man da ein gewisses Risiko eingegangen ist, überzeugen Produktion und Artwork. Acht Songs, auf den Punkt, keine Ballade, kein Filler, einfach nur cooler old school Trash/Death. Nice. ThEb (7,5)

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DIRECTORS CUT
S/t CD
directorscutband.bandcamp.com/


Dieses Punkrock-Quartett aus Lyon bedient sich verschiedenster Einflüsse, aber generell kann man sagen, dass es immer nach vorne geht. Der dritte Song "Childhood" erinnert mich etwas an BODYJARN und "Brainfuck" oder "Megalowmaniac" zeigen, dass die Band ALL ebenso verehrt wie BODYJAR oder BAD RELIGION. Es ist echt erfrischend mal wieder solche leicht disharmonische und doch hochmelodische Mucke zu hören. In "Garbage symphony" setzt man zudem dezente Akzent, so dass mal Flascholett-Töne aufhorchen lassen, dann darf der Bass etwas in den Vordergrund und letztenendes stehen die beiden Sänger wieder im Zentrum. Das ganze Album bietet zudem einen dicken Drumsound, den man auch nicht alle Tage findet. "White whales" ist dann eher bedächtig, aber die Stimmen der beiden Sänger Henri und Joris kommen echt rau und whiskylastig rüber, so dass der Song trotz minimaler Verzerrung eine echte Hymne ist. Insgesamt sind die dreizehn Songs unkonventionell und eigenwillig, überzeugen aber durch den Druck, den die Band aufbaut. Mal reinhören! ThEb (7)

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DEFLECTED
S/t EP
facebook.com/deflectedmusic


Traditioneller Trash aus Düsseldorf mit komplexen Songs und dementsprechend langen Tracks, die gerne mal die Sechs-Minuten-Grenze sprengen, was ich persönlich aber genau richtig finde. Schließlich will man die Lieder nicht nach dem ersten Hören auswendig kennen. Gesanglich orientiert sich Julian Wackermann eher an den Shoutern des Genres und nicht an den Sängern, also sind stilistisch EXHORDER bzw. späte EXODUS angesagt. Instrumental gesehen ist "Armstrong" ein höllischer Opener, weil die Breaks und Gitarrenriffs echt stramm getaktet sind und das Wechselspiel im Intro dem Ganzen reichlich Zunder gibt. Man schafft auch immer den Spagat zwischen Abwechslungsreichtum und Eingängigkeit, denn der Refrain ist auf jeden Fall einprägsam. Die Riffs haben oft wie in "Screen dreams" eine dezente melodische Ausprägung, was dann manchmal an frühe MEGADETH oder CARCASS zur "Hearwork"-Ära erinnert. Der dritte Song im Bunde "Your own enemy" kredenzt ordentlich Twin-Gitarren und selbst wenn die Drums gegen Ende ziemlich undechiffierbar scheppern, was natürlich eine Studio/Budgetfrage darstellt, überzeugt diese Ep ohne Einschränkung; mehr noch, man sollte sich unbedingt mit der Combo vertraut machen und ich hoffe auf eine baldige Full Length. ThEb (8)

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DRY CAN
Meanwhile CD
drycanmusic.com


Jeder mit einem Faible für die Neunziger sollte unbedingt DRY CAN aus Frankreich antesten, denn diese Band spielt eine brillante Fusion aus PEARL JAM und MEAT PUPPETS, bereichert dieses Credo aber im Laufe des Albums mit allerhand großartigen genrefremden Ideen, so hört man auch mal Blues-Licks oder den chansonartigen Gesang von Anne Lupieri, der bisweilen an Fiona Apple erinnert. Ihr Tandempartner bei den Vocals ist Antoine Abinun und die beiden geben ein hervorragendes Team ab, wobei Abinun auf das Eddie Vedder Timbre abonniert ist, aber wer würde daran etwas kritisieren wollen. "Meanwhile" ist nämlich ein facettenreiches Album geworden, welches den Charme der (pre-) Grunge-Ära perfekt einfängt und mit "Sort of" und "Wasted" liefert man sogar Songs ab, die ohne Weiteres auch auf "Vitology" von PEARL JAM hätten sein können. "Something beautiful" hat einen deutlichen PIXIES-Vibe und ich glaube es spricht Bände, dass dieses Album hier rund zehn Mal rotierte und ich hab es seit 14 Tagen. "Tease" ist ein Noisetrack, wie man ihn so nicht erwartet hätte, aber er sorgt definitiv für Abwechslung. Exzellentes zweites Album. ThEb (9)

DRY CAN - Path (YOU TUBE)

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ELTHARIA
Innocent CD
eltharia.bandcamp.com


Power-Metal aus Grenoble mit ausgeprägten Prog-Einflüssen, dem man Versiertheit und Komplexität nicht absprechen kann. Auch das Songwriting und die Vocals von Pierre Carabalona überzeugen ohne Einschränkung. Wer auf Powermetal steht und es opulent mit Keyboards, der wird das zweite Album von ELTHARIA mit Sicherheit abfeiern. Drei Jahre hat das Quintett an diesem Album getüftelt und es grenze an ein Wunder, dass alles so frisch und motiviert klingt. Da kann man sicherlich von Perfektionismus sprechen. Mit "The dark passenger" und "Faster than the reaper" sind auch zwei waschechte Smasher auf dem Album, so dass man eigentlich eine Empfehlung aussprechen muss, allerdings mit der Einschränkung, dass Theatralik im Powermetal schon eine tragende Rolle spielt. Die elf Songs auf "Innocent" können aber sicherlich in ihrer Wertigkeit mit den Album größerer Labels konkurrieren, eventuell sind ELTHARIA bekannteren Bands sogar überlegen, das müssen die Genreexperten selbst entscheiden. ThEb (7,5)

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FAREWELL
Living Ends CD
Hesat Records


Im direkten Vergleich zu David Lund bleibt JB Calluaud, was das Songwriting angeht, etwas auf der Strecke, aber dafür hat er ein Arsenal an Gastmusikern auf seinem Album versammelt, nämlich acht an der Zahl. Manchmal klingen die Songs allerdings etwas zerfahren, denn nur weil ein Piano und ein Cello gemeinsam musizieren, muss das noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Eine Opernsängerin drübersingen zu lassen, wirkt obendrein eher bemüht, als dass es jetzt ein Anzeichen von Genialität wäre. Das minimalistische "Thirteen" zeugt dann schon eher von einem Händchen für's Songwriting. Die Breaks, die JB im Gesang setzt und das Sample, welches in den Song integriert wurde, schaffen einen Spannungsbogen, sorgen zugleich aber für eine gewisse Eingängigkeit. Schade nur, dass anschließend in "Sicarious" wieder die DIY-Klassik-Nummer gefahren wird. Tut mir leid, aber das klingt einfach nur gewollt und komponieren ist halt doch nochmal ein wenig komplexer, als JB das in seinen Songs umsetzt. In "Soleil Rouge" eskaliert die Lage dann völlig, denn Opernsängerin Yuliya Brown steht nun völlig im Vordergrund. Nach und nach stellt sich dann auch die Erkenntnis ein, dass das Piano leider aus dem Rechner ist und JB gesanglich auch nicht gerade brilliert, sondern eher Stroytelling betreibt. Insgesamt sehr bemüht, auf hip und intellektuell getrimmt, toll inszeniert, aber von den Arrangements her eher Durchschnitt. Der Fairness halber muss man das Artwork und das Engagement loben gegen Ende läuft JB mit "Lover's End" und dem abschließenden "Living End" nochmal zur Höchstform auf. Diese Tracks können den Hörer wahrlich fesseln. Fazit? Durchschnittliche Songs sehr selbstbewusst inszeniert und präsentiert. Weniger Bombast wäre besser gewesen. ThEb (6)

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GANEF
Strassenköter CD
Strum und Klang/Alive


Apart ist das Wort, welches Sergej "Ganef" Masters Musik am besten beschreibt. Der betagte Lausbub aus Odessa, mit dem unüberhörbaren aber charmanten Akzent, ist zwar Singer/Songwriter, stellt sich teilweise aber auch in den Dienst des Chansons/Vaudeville. Thematisch dreht sich in den deutschen Texten vieles um Berlin. Gut, wenn man Lokalkolorit mag, schlecht, wenn man selbiges eher skeptisch betrachtet. "An der Spree" ist dann ein Song, der eine gewisse Ruhelosigkeit oder Wanderlust transportiert somit ist er symptomatisch für das Sturm und Klang-Debüt. Generell überzeugen die dreizehn Songs ohne Einschränkung, man braucht aber eine Eingewöhnungsphase. Interessant ist vor allem der aparte Stil des mondänen "Strassenköters", wie Ganef sich selbst bezeichnet. Zur Unterstützung zieht er oft ein Akkordeon hinzu, was dem Ganzen immer einen kuriosen Noir-Faktor und eine teils französische, teils jiddische Note gibt. Konstantin Weckers Label besticht weiterhin durch kuriose sowie substanzielle Bands. Am publikumswirksamsten ist sicherlich das klavierbetonte "Der Drache", wobei ich "Stolzer Jude" noch plakativer und wichtiger finde. Wer wissen möchte, worum es in den Songs geht, muss das Album halt mal probehören, polarisiert auf alle Fälle. ThEb (6,5)

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HYDRA
Malachite Skies CD
STF Records


HYDRA wurden 2013 von Lisa Rieger (TERRATEYA) und Chris Diefenbach (u.a.Tour- Gitarrist der Doomster BURDEN) gegründet und machen, wenn man es mal ganz stereotyp ausdürcken möchte, melodischen Metal mit symphonic Metal-Anklängen. LACUNA COIL meets NIGHTWISH so als genereller Versuch der Stilbeschreibung? Das Genre an sich polarisiert natürlich extrem, aber HYDRA können sich spielend von anderen Bands des Genres absetzten, weil man einen gewissen Minimalismus hat und Bombast nur vereinzelt zum Einsatz kommt. Der besonders klare und äußerst variable Gesang in "ICO" beispielsweise ist großartig und wenn dann Black Metal-Posaunen und die bedrohlichen Kirchenorgeltöne von Sarah Hafeneder hinzukommen, dann merkt man, dass die Band schon auslotet, was möglich ist. Für "Lone Wolf" konnte man Gastsängerin Maria Raum gewinnen und in "CCC" hört man dann Liv Kristine von LEAVES EYES. Ihr opernhafter Gesang fällt etwas aus dem bisherigen Rahmen, aber ihre Teilnahme bereichert den Release und ist natürlich ein Glücksfall für eine erst kürzlich gegründete Band. Bei Genrefans düfte HYDRA sehr gut ankommenen und wenn man das Album unvoreingenommen hört, wird man auf alle Fälle aufgrund der vielen Ideen, der musikalischen Fähigkeiten und der aparten Texte staunen. ThEb (7)

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THE LAST THINGS
Shake 'em blues CD
In Bloom Records/Rough Trade


60s Beatmucke mit THE STAGGERS-Vibe und reichlich Orgel, zugleich einem Schuss Punkrock und MC5. Geht generell in Richtung des aktuellen PRIMA DONNA Albums. "Fake alibies" bereichert das Ouevre um einen britischen Touch und der zusätzliche Bläsersatz verleiht dem Song eine echt coole MADNESS-Note. In "Calculators" leiht man sich das Riffs von "Tainted love" und baut dieses zu einem Elektropunk-Song um. Das mit der geliehenen Tonfolge mag zwar eine Marginalität sein, aber sowas merkt man doch, oder? Das Album hält trotzdem, was es äußerlich verspricht, schmissiger Rock n' Roll wird hier mit Beatmusik gepaart und insgesamt geht es immer ordentlich nach vorne, bestimmt eine äußerst unterhaltsame Liveband. Bei sechs Leuten sollte die Bühne allerdings was breiter sein. Elf Songs, gute Produktion eigenständiger Stil, was will man mehr? Manchmal macht sich zwar eine gewisse Imperfektion breit, die verhindert, dass THE LAST THINGS ihr volles Potential entfalten können, aber diese Momente sind zum Glück selten, meist hört man stimmige Tracks wie "Runaways" bei denen einfach alles stimmt. ThEb (7,5)

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LEONS MASSACRE
Dark Matter CD
Noizgate Records/Rough Trade


Für die dritte Full Length haben sich die Österreicher neben eigenwilligen Songs auch einiges einfallen lassen, was das Artwork angeht und selbst, wenn der Titel "Dark matter" jetzt nicht unbedingt musikalisch aufgegriffen wird, neugierig macht das Packaging allemal. Den Fuß hat man also definitiv in der Tür. Die Songs sind dann facettenreich, so verbindet "Our darkest days" beispielsweise drei unterschiedliche Lager, nämlich Hip-Hop, Metalcore und Elektronik. Falls jetzt jemand skeptisch sein sollte, kann ich das nachvollziehen, aber stilistisch funktioniert dieses Wagnis einwandfrei. Man nehme Vocals, wie man sie von RAGE AGAINST THE MACHINE oder LIMP BIZKIT kennt und ergänze herkömmliche Elektrocore-Elemente und fertig ist "Dark matter". Ob der Stil der Österreicher jetzt den persönlichen Vorlieben entspricht, entscheidet am besten jeder selbst. Gut gemacht und tight ist das Album allemal. "Pestilence" geht sogar in Richtung FILTER, hält aber auch streckenweise am Hip-Hop-Vibe fest. Geschmack hin, Vorlieben her, auch "Sleepers" funktioniert bombig und wer Lust auf eine "Nookie" meets "The electric chair"-Session hat, ist bei LEONS MASSACRE bestens aufgehoben. Insgesamt kann man von einer Intensivierung der Hip-Hop-Affinität sprechen, während der Deathcore-Faktor deutlich zurückgeschraubt wurde. ThEb (6,5)

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David Lund
Ever CD
Depot 214 Records


Eigenwillig und zugleich einlullend-hypnotisch sind sie, die Songs des David Lund. Stilistisch eine aparte Kombination aus Indie, Singer-Songwriter, Jazz und Klangkollagen. MADRUGADA, DEFTONES, RADIOHEAD und die psychotischen Momente von THE PAPER CHASE werden zu einem melancholischen aber doch hochexplosiven Gemisch vereint und obwohl Lund eher den leisen Tönen frönt, wirkt ein Song wie "Embrace" doch bedrohlich lässt einen verstört zurück. Zehn wunderbar eingängige Tracks, die via Depot 214 aus Brüssel ihren Weg in die Öffentlichkeit einfordern, denn "Compassion" hat die Reverb-Gitarren von BUILT TO SPILL und das Sax in "Staring at windows" stellt New Orleans Jazz in den Vordergrund und ist beinahe schon opulent für "Ever"-Verhältnisse. Der Titelsong setzt diese Tendenz dann fort und widmet sich konsequent atmosphärischen Synthies und wird durch die Jazz-Trompete veredelt. Kurzum, ein tolles Album. Erhältlich als three-panel-Digi und aufgrund seiner Eigenwilligkeit und düsteren Note mehr als hörenswert. ThEb (8)

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MADRE DE DIOS
S/t CD
Red Cat Records


Die vier Italiener aus Bari haben sich einer Fusion aus Hardrock und Stoner verschrieben und generell kann man der Band einen fetten Sound attestieren und Sänger Frank Bizarre ist ein exzellenter Vocalist, der aber auch seine raue Seite hat, die er ab und zu von der Kette lässt. "High living in the sunshine" offenbart dann aber auch recht früh einen kleinen Schwachpunkt des Releases, denn obwohl die Hooks bestens ankommen dürften, sind die Texte leider etwas unbeholfen. "Big head" lenkt die Aufmerksamkeit dann aber mit seinen derben Twin Leads recht zügig in andere Bahnen und man beginnt sich zu fragen, wie das live alles klingen wird, denn hier wurde offenbar fließig gedoppelt, schließlich hat die Band nur einen Gitarristen. Dafür hat "Shake it baby" dann einen angenehmen HELLACOPTERS-Vibe, so dass man dieses Album ohne Einschränkung weitermepfehlen kann. Gelungen sind neben den elf Tracks nämlich auch die Produktion und das wertige Digipak. ThEb (7,5)

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NERV
Vergentis In Senium CD
nervhxc.bandcamp.com/album/vergentis-in-senium


NERV, die kurioserweise Mitglieder aus dem Pariser und Genfer Raum haben, sind releasetechnisch bereits seit 2004 aktiv und so verwundert die Genre-Bezeichnung Mathcore auch nicht weiter, denn alte Hasen werden wissen, dass BOTCH neben DILLINGER und Labels wie Hydrahead etwa zu dieser Zeit ein relativ neues Genre ins Rollen brachten, welches auf selbigen Namen hörte. Trotz der Tatsache, dass seit damals über zehn Jahre ins Land gezogen sind, frönen NERV weiterhin dem Stil und konnten diesen Laufe der Zeit nahezu perfektionieren. Die sieben Songs auf dem Drittwerk klingen teils auch nach CONVERGE, allerdings spielt man gerne im Midtempo-Bereich, was ich mittlerweile zu schätzen gelernt habe. Bestes Beispiel ist der Siebenminüter "Captive", dessen Noiseattacken auch ein wenig an GODFLESH, NOSTROMO oder TODAY IS THE DAY denken lassen. Absolute Nischenmusik, für "normale" Menschen unhörbar, wer aber wirklich facettenreich konzipiert und wer genannte Bands mag, wird "Vergentis In Senium" zu schätzen lernen, besonders, wenn französische Lyric-Bruchstücke ins Spiel kommen. Es geht doch nichts über einen eigenen Ansatz in der Musik. Das Artwork von Dehn Sora ist ein echter Hingucker, also einfach mal reinhören. ThEb (7)

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PARADOX NOW
This Is Neon CD
paradoxnow.com


In guten Momenten wie "Don't back down" erinnert das Quartett kurz an PINK FLOYD, aber diese billigen Elektrosounds aus den Achtzigern, die hier ständig zum Einsatz kommen, verleiden mir den Spaß gehörig. Was ist daran interessant billig zu klingen? Das verstehe ich nun echt nicht. Lässt man diesen Kritikpunkt mal außenvor, dann kann man mit einem smarten Song wie "You want some more" sicherlich eine gute Zeit haben. Ist aber natürlich eine Dosisfrage. Sorry, aber der Gesamtsound ist mir zu sehr Flash Gordon-/Studio 54-mäßig. Handwerklich stimmig, die Produktion ist auch gut, da gibt es nichts dran zu mäkeln, aber bei der Stilfrage ziehe ich nicht mit, sorry. "So I fought the sea" lässt das bisherige Wirken der Züricher Band durchschimmern, man war nämlich vor der Aufnahme des Debüts als Grungeband unterwegs. Plötzlich setzen dann aber diese TOK TOK-Synties ein, die schlichtweg nicht mein Metier sind. Ich bin für PARADOX NOW echt zu spät dran. Antesten, vielleicht seht ihr die Sache anders. Anspielstipps: "Be a good soldier" und "You want more". ThEb (5,5)

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PERFECT BLUE SKY
Emerald CD
Scarecrow Recordings


Eine Fusion aus BLIND MELON, FLEETWOOD MAC, MEAT PUPPETS und BLACK MOUNTAINS gefällig? Ja, sowas geniales gibt's tatsächlich und erstaunlicherweise hat ein schwedisches Duo dieses Album beinahe im Alleingang aufgenommen. Allerdings konnte man Peter Albin und Dave Getz von BIG BROTHER AND THE HOLDING COMPANY als Gastmusiker für die erste Tour gewinnen. Eine kleine Sensation, bedenkt man, das BBATHC maßgeblich durch ihre Bandleaderin Janis Joplin bekannt wurden und weltweit enormes Ansehen genießen. Aber zurück zum Album, generell gelingt es der Combo stets optimistische Klänge zu produzieren und auch gehörig Nostalgie zu versprühen. Für Abwechslung ist ebenfalls gesorgt, denn "Kingdom" beginnt Southern-lastig, hat aber auch eine Orgel, die an "Highway Star" erinnert und psychedelisch wirkt. So verbindet man zwei benachbarte, aber nicht unbedingt zwingend zusammengehörende Genres, was natürlich von Flexibilität und Kreativität zeugt. Teddy Andreadis ( G N' R-Live-Harmonist bei der Use Your Illusion-Tour) steuerte tolle Keys bei und die Vocals von Jane Kitto und Pna Andersson schlichtweg phänomenal. Eine mögliche Single wäre "Science man", die ich auch als ersten Song hörte, aber eigentlich ist der Song beinahe schon zu seicht, als dass er großartig Eindruck schinden könnte, da ist der Rest des Albums um Längen besser. Klar, "Science man" ist ein toller Song, manche Band würde für diese BIG STAR-lastige Nummer sicherlich sogar einen Deal mit dem Teufel eingehen, aber PERFECT BLUE SKY gefallen mir in ihren obskuren, nicht so radiotauglichen Momenten noch besser. Zehn Songs, die Pflichtprogramm für Fans genannter Combos sind. "Gospel of the waves" hat beispielsweise einen deutlichen ROLLING STONES-Touch, erinnert mit seinen opulenten Gospelchor-Backups aber auch etwas an THE BLACK CROWES. Ein exzellentes Album. ThEb (9)

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Cris Pinzauti
Black CD
Red Cat Records


Nicht vom unscheinbaren Artwork täuschen lassen, Cris fusioniert Blues, Country, Alternative und die typisch-italienische Affinität für Melodik. "My black is back" verbindet nämlich Jacksons "Dirty Diana" mit "Animal" von MAROON 5, während "Down" sowas wie eine Powerballade ist, die eher in die EXTREME-Ecke geht. Ist wieder mal gar nicht so einfach zu verbalisieren, was hier abgeht, Outlawgitarre mit Profi-Licks trifft auf dezenten BON JOVI-Vibe zur "Dead or alive"-Ära. Etliche Riffs lassen aber auch die Akustikparts von PANTERA denken, allerdings immer subtil, so hört man in "Vampire's Lullaby" Dimebag-Akkordfolgen, bereichert diese aber mit spanischer Gitarre und setzt dem Ganzen dann Whisky-Vocals auf. Für "Zombie Attack" könnte Cris den aktuellen Sänger von TYGERS OF PAN TANG Iacopo Meille gewinnen und das ist natürlich eine Besonderheit, die das Album aus der Masse heraushebt. "Forever Yin Forever Yang" beginnt dann mit einem Stevie Ray Vaughn-Tributeriff und glänzt des Weiteren durch hervorragenden Gesang und das Sechssaiter Gastspiel von Marco Di Maggio. Gefällt mir ausgesprochen gut und dürfte alle Rockfans ansprechen, die Southern, Americana und den Powerballaden der Glamrock-Ära etwas abgewinnen können. Schonmal die Feuerzeuge bereitlegen... ThEb (7)

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Sarah Sophie
Different CD
Flowerstreet Records/Rough Trade


Erste Assoziation? Fiona Apple. Sicherlich nicht die schlechtesten Vorschusslorbeeren, die man als junge Musikerin bekommen kann. Allerdings hat Sarah Sophie Jakubsche eine etwas höhere Stimme und wird eher von der Gitarre, als vom Piano begleitet, aber sei's drum, ein paar Parallelen sehe ich auf alle Fälle. Unterstützt wird die Musikern von Gregor Böhm und Fans der leisen Töne kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Leider schleichen sich nach und nach auch einige Mankos ein, das "Beatboxing" in "Face the truth" ruiniert meiner bescheidenen Meinung nach einen grandiosen Song mit herrlichem Blues-Solo aber wie zur Versöhnung wird "For my lover", ein Hass-Song für den baldigen Ex-Partner, von einem Piano begleitet. Der britische Akzent von Sarah Sophie wirkt nie gestelzt und selbst wenn dreizehn Songs ein ziemlich üppiges Pensum sind, bleibt das Album immer spannend. Ein Digipak und ein 20seitiges Booklet inklusive aller Texte runden den Release ab und wer so richtig Herzschmerz hat, kann sich hier auf akustische Unterstützung/Eskalation einstellen. Sehr schönes Album, selbst wenn es mit Drummer noch cooler gewesen wäre. ThEb (7)

Text?

THE SATELLITE YEAR
Brooklyn, I Am CD
Midsummer Records/Engineer Records


Emocore ist ein Genre welches etliche obskure und faszinierende Combos hervorbrachte, sich aktuell aber künstlerisch wenig traut, meist hört man Herzschmerz-Texte und nicht gerade viruose Powerchordkombinationen. THE SATELLITE YEAR klingen in ihren guten Momenten etwas nach JUNO, lassen sich jedoch hin und wieder wie in "In vitro" zu Beats aus der Konserve hinreißen, die ein Bekannter mal recht treffend als "Casiobumsbeat" bezeichnete. Der Titletrack "Brooklyn, I Am" ist dann wieder recht funktional, denn man fusioniert die Tugenden von JIMMY EAT WORLD mit den Trademarks von BLINK 182. Zugleich ist das Lied eines der schmissigeren Lieder auf dem Album, die aber leider in der Minderheit bleiben. Wie kreativ das jetzt ist, muss jeder für sich entscheiden. Insgesamt ist "Brooklyn, I Am" sicherlich zugänglicher als die Alben von SUNNY DAY REAL ESTATE aber auch wesentlich berechenbarer. In "A satire of what went wrong with American life" setzt man sich etwas vom bis dato praktizierten Schema ab und der Song ist auch ein Highlight des Album, da man das Tempo anzieht und THE GET UP KIDS gekonnt mit britischem Flair verbindet. Auch sein Nachfolger "This call" setzt diesen Kurs fort und die so entstandene Energie tut dem Album sicherlich gut. Gegen Ende darf aber wieder mit künstlichen Beats und ähnlichem Firlefanz experimentiert werden und so bleibt letztlich ein zwiespältiger Eindruck zurück, denn die Spanne erstreckt sich von "unspektakulär" über "tanzbar" (geht gar nicht) bishin zu "schmissig". Also, die Heydays dieses Genres sind sowas von vorüber und THE SATELLITE YEAR gelingt es keinesfalls das Blatt zu wenden. (6)

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SERAFYN
Quantum Leap CD
Czar Of Revelations


Der Czar of Crickets Offspin Czar of Revelations hat sich auf die ruhigen Töne spezialisiert und SERAFYN aus Basel setzen sich recht schnell von anderen akustischen Combos ab, da mit Anja Waldkircher und Alexandra Werner zwei Cellistinnen für reichlich Melancholie sorgen, welche sie und Gitarristin Anna Erhard dank ihrer feenhaften Stimmen aber um etliche Silberstreife am Horinzont bereichern. Trotz all dieses tragischen Wohlklangs gelingt es der Band aber den Schwung beizubehalten, weil man die Drums oft lebhaft wirbeln lässt und eben auch opulente, mehrstimmige Vocals integriert. Was die Livesituation angeht, hat die Band einen äußerst löblichen Ansatz, denn man gibt immer wieder den Strassenmusikant und fährt auch mal nach Budapest oder Prag, um sich dort sein Publikum zu erspielen. Idealismus satt und diese positive Grundstimmung hört man auch den sieben Songs auf "Quantum Leap" an. Die Produktion ist klasse, Artwork und 3 panel digi sind zudem sehr stylish geworden, also eine absolute Empfehlung für Folk/Akustikpop-Fans. ThEb (8,5)

Text?

THE SHANES
The Girl Who Lives On Heaven Hill CD
Sumo Rex/Broken Silence


Kurz nach dem St. Patrick's Day kommt in Form der SHANES ein Reminder, wie grandios irische Musik ist. Aktiv ist die Gruppe seit Ewigkeiten aktiv (gegründet 1991) und falls euch der Albumtitel "The girl who lives on heaven hill" irgendwie bekannt vorkommt, dann deshalb, weil es sich tatsächlich um den gleichnamigen HÜSKER DÜ-Song handelt, den THE SHANES hier in ein neues Gewandt gehüllt haben. Generell werden bei der Band melancholische Folk-Passagen von einigen Rock n' Roll-Elementen ergänzt, so dass "Blood on the banjo" beispielsweise eher nach Hank Williams 3 als nach THE DUBLINERS klingt. Die vier neuen Songs triefen zudem vor Outlaw-Attitüde, während die sechs Bonustracks eher ruhige Töne anschlagen. Allem voran wäre da "Weight on my shoulders", welches durch das dominante Akkordeon von Natasja Grujovic und die gespenstischen Geigenparts von Chris Birch ein wirklich phänomenaler Track geworden ist. Aber auch textlich haben die SHANES stets Oberwasser, keine schwache Zeile, eine halbgare Idee, schlichtweg grandios. Die uptempo Coverversion von "Love will tear us apart" ist bekannt und ganz im Stile der SHANES gehalten, hat somit ihre Berechtigung und lief auch schon bei John Peel auf BBC. Der Rausschmeißer "Polka trail" ist dann nochmal ein traditioneller, reduzierter Folksong, der reichlich Wortwitz in Form von "running down the trail with the speed of snails" an den Tag legt. Tolle Band, muss ich unbedingt mal live sehen. ThEb (8)

Text?

STILLBIRTH
Global Error CD
Deafground Records


Endlich mal wieder ein astreines Grindalbum. Exzellent. Von Growls bis Fry-Screams ist gesanglich alles dabei und wer BRUTAL TRUTH mag, wird hiermit einen Heidenspaß haben. Die Läufe der Gitarren sind echt sick und extrem versiert, da haben die Hagener wirklich einen Sprung nach vorne gemacht. Die Gefahr die Dinge etwas zu monoton zu gestalten, ist meiner Meinung nach in allen extremen Genres recht ausgeprägt, aber STILLBIRTH umschiffen diese Klippen gekonnt, weil man eben auch mal wie in "I don't give a fuck" groovt und nur kurz das Tempo anzieht. Textlich verbindet man Sozialkritik mit einem gewissen Sprachwitz, was Songs wie "Media Zombie" eine echt interessante Note verleiht, da man so die Plattitüden und Floskeln gekonnt umgeht. "Mothertrucker" mit seinem Blues-Intro ist dann nochmal so ein Kunstgriff durch welchen STILLBIRTH die Aufmerksamkeit des Hörers fesseln und Abwechslung in die Sache bringen. Das Ed Repka-Rip Off Artwork ist ebenfalls gelungen. Insgesamt sind die zwölf Songs exzellent, was mit Sicherheit daran liegt, dass man seit 1999 aktiv ist. Respekt. ThEb (8)

Text?

STÖMB
The Grey CD
Code 7


Der Djent-Hype hat sich hier bisher nicht groß bemerkbar gemacht, um ehrlich zu sein, ist dies der erste Djent-Release, den ich seit mehreren Monaten zu hören bekomme. Klar, Fans der Genres wissen, dass sie fette Gitarren, piepsige Computereffekte und disharmonische Läufe, bzw. Skalen erwarten, aber STÖMB aus Paris erweitern dieses, bereits vermessene Universum, um die Düsterkeit von CULT OF LUNA und klaustrophobische Elemente, wie man sich eventuell von MESHUGGAH kennt. Gesang hört man keinen, braucht es aber auch garnicht, denn die Combo kreiert Klangbilder, die facettenreicher als Vocals sind. Der Drumssound ist dann aber wieder so ein Detail an dem sich die Geister scheiden werden, mir ist er etwas zu technisch, da sind beinahe die Gitarren perkussiver. Nicht falsch verstehen, das hier ist eine subjektive Kritik an einer sehr amtlichen Produktion und STÖMB werden schon wissen, warum sie es so wollten. Die Fragestellung, die sich genrebedingt bereits beim zweiten Song stellt, ist ob man sich wirklich zehn Tracks dieses extrem sprunghaften Gattung geben will. Klar, einige Riffs in "Rise from nothing" sind zum niederknien, aber zugleich nütz sich vieles eben schnell ab. Generell aber wieder eine Genrediskussion. Wer Djent mag, wird hiermit sicherlich seine Freude haben. Das Album kommt zudem als ansehnliches Digipak und ist anderen Djent-Combos insofern überlegen, als dass hier eben keine Zuckerbrot und Peitsche-Vocals implementiert werden. ThEb (7)

Text?

VLASTA POPIC
Kvadrat CD
Moonlee Records


Supergenialer Noiserock in der Tradition von FUGAZI oder SHELLAC aus Kroatien. Drummerin Tena Rak verleiht dem sperrigen und schrägen Instrumentalsound durch ihre Vocals, ja das läuft so nebenher, eine Eingängigkeit, die trotzdem nie aufdringlich wirkt, sondern stets beiläufig daherkommt. "Slijepa nasa (Mrznja)" hat eine herrliche BLACK FLAG-Brachialität und selbst wenn ich kein Wort kroatisch verstehe, kommt die ein oder andere SONIC YOUTH-Referenz an und ich bin baff ob der Unbekümmertheit und Lockerheit mit der das Trio diese psychotischen Riffs raushaut, die auch aus der "Dirty"-Ära stammen könnten. Wow. Neun Songs, kommt als Digi oder als LP. Unbedingt antesten! ThEb (8)

Text?

V.A. The Reverb Conspiracy CD
Fuzz Club/
The Reverberation Appreciation Society


Fünfzehn Bands huldigen Psychelia, Noise und sind generell recht trippy wie THE OSCILLATION oder HOLY SCIENCE. Bisweilen hörzt man aber auch hypnotisches, wie SINGAPORE SLING, die etwas an THE SEEDS denken lassen. Kontrastiert wird die pschedelische Note von einigen noiselastigen Combos wie beispielsweise DEATHCRUSH und so kommt die Abwechslung unter Garantie nicht zu kurz. THE NEW CANDYS gehen dann in Richtung THE BLACK ANGELS/TEMPLE, was ebenfalls sehr gut rüberkommt. SOUND SWEET SOUND haben einen ähnlichen Stil, wobei es hier vermehrt zu Rhodes-Einsätzen kommt. Die Songs sind relativ zugänglich und man hat die ausufernden Tracks scheinbar etwas beisiete gelassen. Der Fokus liegt rein auf europäischen Gruppen, also nichts Transatlantisches erwarten. CAMERA und "Ausland" ist dann neben Francois Sky feat. Jeff Levitz "As We've Been As One" eines der wenigen Instrumentals, meist kann man mit Gesang rechnen, selbst wenn er eben genretypisch mal vier Minutebn auf sich warten lässt. Gegen Ende stigert man sich zu einem fuliminaten Abschluss indem man GOAT mit "Hide from the sun" relativ weit hinten in der Tracklist platziert hat. Anton Newcombe (THE BRIAN JONESTOWN MASSACRE) spendierte dem Song einen Remix und der Track stellt eines der Highlights dar und generell kann man rundum mit diesem Sampler zufrieden sein. Beinahe so wertig, wie die Lenny Kaye Compilation "Nuggets" Original Artyfacts from the First Psychedelic Era, 1965-1968. Zumindest eine würdige Fortsetzung. Tune in, drop out. ThEb (8)

Text?

V.A. Brutal Vision Vol.2 2CD
Deafground Records


Die Tatsache, dass Deafground ein Doppelalbum mit 30 Songs veröffentlichen, um den Status Quo des Labels zu dokumentieren, zeigt wie umtriebig die Bielefelder und ihre Bands geworden sind. Ich finde den Ansatz, Bands des eigenen Labels mit Gruppen, die noch nicht unter Vertrag sind zu kombinieren echt interessant. Zudem gab es ein Voting in das auch die Fans einbezogen wurden. Dies alles hat sich auf die Qualität des Samplers positiv ausgewirkt. Die Überraschungen der Doppel-CD sind THE SIXPOUNDES (feat. Peter von VADER und Vogg von DECAPITATED), KEEP IT FOR TOMORROW (Hardcore), BREAKDOWNS AT TIFFANYS (atmosphärischer Hardcore mit gigantischem Gesang) und SEPTEMBER MURDER sowie I AM KING. Besonders freut es mich auch mal wieder was von MORTAL AGONY zu hören. Die Zugpferde des Labels selbst, nämlich PLACENTA, STILLBIRTH, KORODED, GRAI und WATCH OUT STAMPEDE kommen aber keinesfalls zu kurz, sie sind sicherlich die Highlights, aber es ist auf alle Fälle interessanter in Kombination mit den neuen Hopefuls. ThEb (7,5)