WITH LOVE, Juli 09-Reviews

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ARRIVED AT TEN
Beyond CD
Snoop Zone/New Music Distribution


Eines wird schnell klar, ARRIVED AT TEN heben sich positiv vom Emogenre ab und schaffen sich mit Songs wie "Through The Ocean" und "Wide Awake" ihre eigene Nische. Ein dominanter Bass legt das Fundament auf dem verspielt, melancholische Sechssaiter ein stringentes Rockalbum aufbauen, ohne dabei beliebig zu klingen. DREDG, ELLIOTT und SNOW PATROL standen hier ebenso Pate wie die EDITORS mit ihren hallverhangenen Songs. Entwickelt hat sich das Quartett aus Metalbands, man hat also ein Faible für ruhigere Songs entdeckt, aber die Bayern agieren trotzdem immer mitreißend. Das schöne Digipak Artwork macht das Album zu einem beachtlichen Gesamtpaket und die Amberger haben sich hier nicht lumpen lassen. Auch wenn es etwas früh ist, dieses Album wird euch garantiert den Herbst verschönern. (52:38) (7/10) Thomas Eberhardt

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ASSOPHON
Sternenstaub CD
Nebula Fünf/Sub Wix


Stellt euch mal bitte vor, DIE ÄRZTE würden ein Album mit REGGIE AND THE FULL EFFECT machen und Adam von ATOM AND HIS PACKAGE einladen. Das würde mutmaßlich dann in etwa so klingen wie "Sternenstaub" von ASSOPHON. Wie der Stuttgarter selbst sagt, ist er halb Mensch und halb Autoscooter, daher kombiniert er eben Elektronik mit durchdachten, spassigen Texten. Fun-Punk ist natürlich eine Hausnummer, wenn man hier Orientierung möchte, aber egal ob man es jetzt Nintendo-Core oder Elektropunk nennt, ich habe mich selten so gut amüsiert. Es gibt auch Covers, nämlich "Blumen der Revolution" von KNOCHENFABRIK und "Heat Of The Moment"von ASIA. Das Album hat 14 Tracks, kommt ganz ohne Strichcode aus und wem AUTOBOT gut gefällt, der muss hier zugreifen. (32:21) (7/10) Thomas Eberhardt

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BETTER BEWARE
The Fuckin Truth CD
Eigenproduktion


Endlich mal wieder ein NY-Hardcore-Album in der Tradition von SICK OF IT ALL, CRO-MAGS und AGNOSTIC FRONT, welches auch durch das charismatische Shouting Punkte sammelt. Der Track, der als Namensgeber für die Band fungierte, verbindet eine gute Rhythmik mit Stop & Go Parts, während "Everything You Hate" ein schöner Uptempo Song ist und "This Falls Apart" zeigt, dass die Herren aus Linsengericht auch genügend Variationsmöglichkeiten haben, um die Sache spannend zu machen. Mit seinen 18 Liedern ist "The Fucking Truth" ein traditionelles Harddcore-Album, wie man es heute leider viel zu selten hört. Zu mäkeln gibt es daran rein gar nichts und wer sich fragt warum die Band aus Hessen einen LA-HC Schriftzug auf dem Cover hat, dem sei gesagt, dass das Quintett aus Linsengericht Altenhaßlau kommt. Sinn für Humor muss man haben. Ein solides Album. (52:38) (7/10) Thomas Eberhardt

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BETTER BEWARE
Face To Face MCD
Eigenproduktion


Der Nachfolger zu "The Fuckin Truth" wirft natürlich die zentrale Frage auf, ob sich die Band grundliegend verändert hat und im Falle von BETTER BEWARE dürfen wir das zum Glück mal verneinen, wobei aber auch nicht von Stagnation die Rede sein kann. Es gibt fünf neue Tracks, die mit vier Liveversionen bekannter Stücke ergänzt werden. Der Sound ist noch brachialer, klingt aber auch roher und flächiger. "No Fear" und "Always One Bullet Left" sind auf den Punkt und generell sind die Songs kürzer, knackiger und weitestgehend auch mitreissender als die des Debüts. Das einzige Manko ist die Produktion, da habe ich trotz des löblichen DIY-Verfahrens schon bessere Ergebnisse gehört. Die guten Songs leiden leider etwas unter der schwachen Qualität der Aufnahme, aber vielleicht wird die zweite Full Length dann um so bombiger. (6/10) Thomas Eberhardt

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DISPOSED TO MIRTH
Menschenhai CD
Lugozzi Records


"Russian Prelude" läutet ein atypisches Metalcore-Album ein, atypisch, weil "Menschenhai" den Hörer stetig mit osteuropäischen Tonfolgen konfrontiert und sich damit angenehm vom Gros der Bands absetzt und sich einen gewissen Wiedererkennungswert erspielt. "Till Departure" fährt derart viele Riffs auf, dass ohne weiteres von Metal die Rede sein kann, wobei die Grenzen zum Grindcore bisweilen aber überschritten werden. Trotz der Masse an Versatzstücken bleiben DISPOSED TO MIRTH immer Herr der Lage und verlieren sich nicht in den Nachkommastellen. Die Produktion geht in Ordnung, das Layout und die technsiche Versiertheit der Gitarristen ist schlichtweg atemberaubend. Das Debüt von DTM ist Fans von HEAVEN SHALL BURN und CARCASS wärmstens zu empfehlen und vom handwerklichen Aspekt kann mancher Metalcore-Musiker hier noch ordentlich was lernen. Das Songwriting könnte zwar noch mehr auf den Punkt sein, aber für ein Debüt ist "Menschenhai" mehr als beachtlich. (43:59)(7/10) Thomas Eberhardt

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FANG DEN BERG
S/t CD
Zach Records


Die Band selbst wähnt sich am "Rand des WLTU-Universums" und diese Metaphorik kommt nicht von ungefähr, denn FANG DEN BERG schaffen sich auf ihrem Debüt ihren ganz eigenen Kosmos und wissen um die Fülle an Inspiration, die es zu verarbeiten gilt. Sei es nun Vogelgezwitscher, Spoken Word oder Poesie, die Songs der Österreicher sind reich an unkonventionellen Stilmitteln und beginnen meist verhalten bevor man dann in die Vollen geht. "Gegenleben" entwickelt sich vom teils dissonanten, sperrigen FUGAZI-artigen Track hin zu besinnlichen KARATE-Momenten und ist in dieser Symbiose eigentlich symptomatisch für die Band. Immer wieder fesseln die deutschen Vocals mit Zeilen wie "wir haben keine Sorgen, wir wurden längst entsorgt" und wecken das Interesse an den Menschen hinter FANG DEN BERG, doch das Booklet gibt sich ebenso kryptisch wie die Texte, obwohl sie doch aus dem Leben gegriffen sind. Letztendlich ist FANG DEN BERG ein Geheimtipp für Denker, Kritiker und Musikliebhaber und wenn ein Album als formschönes three panel digipack feilgeboten wird, dann sollte man zugreifen. Essientiell. (9/10) Thomas Eberhardt

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FAT MANS WAR FACE
White Light MCD
Eigenproduktion


Die Berliner FAT MANS WAR FACE legen mit "White Light" ihr erstes Lebenszeichen vor, bezeichnen ihren Stil als Deathcore, respektive Hardcore und bauen so keinerlei falsche Erwartungshaltung auf, denn hier wird durchgängig Kleinholz gemacht. Man hört bleischwere Gitarren, Crew-Shouts, Stakkato-Anteile und auch etliche Spoken Word Elemente, die an TRIAL erinnern, aber wie das beim Holzhacken eben so ist, meist bleibt kein Eindruck vom Gesamtwerk übrig, weil man ja alles zerlegt hat. In diese Falle tappen FMWF doch recht deutlich, denn sie dekonstruieren den Song eher, als dass sie ihn aufbauen. Daran ist erstmal nichts auszusetzen, aber es erfordert ein grosses Maß an Geschicklichkeit und Songwriting-Qualitäten dies elegant zu tun. Gelingen will es dem Vierer nicht so recht, aber löblich sind auf alle Fälle die Ansätze, selbst wenn es bisweilen etwas zerfahren klingt, so hat man doch eine Botschaft und bietet inhaltlich eine ganze Menge. Der Titeltrack "The White Light" ist beispielhaft für den Stil der Band, denn er beginnt mit Death Metal Riffs à la CRADLE OF FILTH, bricht plötzlich ins Harmonische um, liefert aufsteigende und abfallende Tonleitern und ergänzt diese mit einer durchgängigen Bassline, schlichtweg ein Prachtsong. Für Fans von Bands wie WAR FROM A HARLOTS MOUTH, THE DILLINGER ESCAPE PLAN oder PLAYING ENEMY eine lohnende Investition. (6,5/10) Thomas Eberhardt

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KONGH
Shadows Of The Shapeless CD
Trust No One


Den Stil der Schweden könnte man als atmophärischen Sludge oder Doom bezeichnen, denn die Songs sind episch, flächig und drohend wie ein bombastisches Sommergewitter. Wie schon der Vorgänger "Counting Heartbeats" liefert das Trio wieder fünf Songs ab, dies aber in einer Spielzeit von einer ganzen Stunde. Wem das Debüt bekannt ist, der weiß um die Heavyness und gleichzeitige Dynamik der drei langhaarigen Rocker und trotz der beachtlichen Länge gestalten die Jungs ihren Zweitling mehr als kurzweilig und mitreissend. Als Referenzpunkte könnte man NEUROSIS, RED SPAROWES und MASTODON nennen und jeder der diese Bands schätzt, wird KONGH ebenfalls mögen. Trotz der Tatsache, dass Vetlanda, der Ursprung dieses Trios, im eher südlichen Småland liegt, entlocken die Herren ihren Instrumenten sehr viele düstere Nuancen und spielen definitiv in der ersten Liga. Auch wenn der Name noch kein Begriff sein sollte, aufhorchen lässt "Shadows Of The Shapeless" allemal, denn das Album strotzt nur so vor guten Ideen. (8/10) Thomas Eberhardt

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VERACRASH
11:11 CD
Go Down Records


Das Cover von "11:11" lässt zwar eher einen Black Metal Release vermuten, aber die vier in Italien domizilierenden Musiker Mattia, Marco, Federico und Francesco agieren mehr im Dunstkreis der FOO FIGHTERS wie bei "Ieeza", oder orientieren sich an den QUEENS OF THE STONE-AGE, wie der Song "Santa Sangre" zeigt, Dabei verarbeiten auch gerne mal ein paar HELMET-Riffs wie in "Beyond The Grave". Der Spagat zwischen Rock und Psychedelik gelingt VERACRASH äußerst gut und der weibliche Gesang bei "Russian Roulette" verleiht der Band eine komplett neue Aura, was durchaus charmant ist. Gemastert wurde in Seattle von Martin Fereyear. der schon für QUEENS OF THE STONE-AGE, MUDHONEY und REM die Endproduktion übernommen hat. VERACRASH sind was für Freunde des sphärischen Sounds wie RED SPAROWES oder ISIS, die trotzdem nicht auf eine Prise Rock 'n' Roll verzichten möchten. (33:36) (7/10) Thomas Eberhardt