HAYMARKET RIOT

HAYMARKET RIOT kommen aus Chicago, Steve Albini hat ihr aktuelles Album "Mog" produziert und John Congleton von the pAper chAse stand ihm dabei zur Seite. Aber das Quartett hat neben den großen Namen auch einen eigenen Stil zu bieten, der sich zwar an Dischord - Bands orientiert, aber trotzdem sehr innovativ ist. Leider wurde der HAYMARKET RIOT noch nicht die verdiente Aufmerksamkeit zu Teil, obwohl man mit Thick Records ein Qualitätslabel im Rücken hat. Sänger Kevin J. Frank war so nett sich telefonisch bei mir zu melden.

Gab es wirklich einen HAYMARKET RIOT oder habt ihr euch den Namen ausgedacht?

Der Haymarket Riot ist ein geschichtliches Ereignis, das tatsächlich hier in Chicago passiert ist. 1886 protestierten die Arbeiter für bessere Arbeitsbedingungen und daraus entstand ein Aufstand bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren. Wir dachten, dass er Name zu uns passen würde, da wir ja alle aus Chicago kommen.

Wie stark fühlt ihr euch denn der Szene in Chicago verbunden und wären HAYMARKET RIOT in einer anderen Stadt eine völlig andere Band?

Ich denke in Chicago gibt es so viele Bands, da fällt es einem schwer sich zu einer bestimmten Szene zugehörig zu fühlen. Wir arbeiten mit so vielen verschiedenen Leuten und anderswo wäre das sicherlich anders. Chicago hat schon eine gewisse Tradition, was die Musik und die Rock Bands betrifft.

Was hälst du von Bands, die umziehen damit sie mehr Erfolg haben können?

Für mich käme das nicht in Frage, weil ich eben schon mein ganzes Leben in Chicago lebe ich denke, wenn man aus einer Gegend kommt, wo die Struktur schlecht ist, dann kann ich das verstehen. Aber an Orten wie New York oder Chicago ist ja eine gute Szene. Wer aber nur umzeiht, um bekannt zu werden, wird wohl enttäuscht werden. Sowas passiert selten. Wenn Bands aus dem Indie Bereich woanders hingehen, dann meist nur am aktiver sein zu können. Sie wollen sich entwickeln.In Chicago gibt es viel Venues und Bands, wir haben Glück. In den letzten sieben acht Jahren haben sich viele neue Clubs etabliert, sowohl im all ages Bereich, als auch für die Leute, die 21 und älter sind.

Neben HAYMARKET RIOT bist du noch Teilhaber von Divot Records, stimmt das? Kannst du damit denn deine Rechnungen bezahlen?

Also Teilhaber bin ich nicht, das Label gehört Fred unserem Bassisten und ich helfe ihm manchmal aus. Also ich kann damit leider nicht alles finanzieren. Ich habe einen normalen Job und so bezahle ich meine Rechnungen. Alles andere wirft wenig ab. 21 und älter sind.

Weißt du trotzdem was bei Divot ansteht?

Also momentan gehen wir es langsam an. Finanziell sieht es nicht so gut aus. Wir haben viele Rechnungen, die wir bezahlen müssen.Die meisten davon sind durch unsere Band entstanden, also stecken Fred und ich gerade unser Geld da hinein, um wieder aus dem Tief zu kommen. Wir sorgen gerade dafür, dass die Releases immer in ausreichender Menge bei den Vertrieben sind und das wär's dann auch schon.

Da du gerade von den Rechnungen sprichst, ihr habt ja mit Steve Albini aufgenommen, ist es denn nicht fürchterlich teuer mit ihm zu arbeiten?

Genau. Das ist eine der vielen Rechnungen, die du da ansprichst. Er hat schon seinen Preis und der ist ziemlich hoch, aber wir dachten, dass es das wert ist, weil er eben auch die Erfahrung und das Wissen mitbringt.

Wir wollten diesmal anders an die Platte herangehen. Beim ersten Album haben wir uns drei Wochen Zeit gelassen, aber diesmal wurde alles in fünf Tagen aufgenommen und in sieben gemischt. Unser Ziel war es nicht lange herumzufacklen, sondern unsere Songs einfach einzuspielen und Steve, mit seiner Erfahrung, sollte das dokumentieren. Ich denke auch, dass er seine Arbeit gut gemacht hat.


Wo siehst du eure Veränderungen seit "Bloodshot Eyes" veröffentlicht wurde?

Diesmal sind die Songs mehr auf den Punkt gebracht, etwas geradliniger, einige Tempiwechsel, aber wir wollten uns diesmal mehr auf die Gesanglinien konzentrieren als auf der letzten Platte. Aber es gibt immer noch Raum zum Wachsen und das gefällt mir auch so an unsere Band, wie lernen ständig dazu. Das aktuelle Album ist direkter.

Du hast schon Mitte der Achziger begonnen in Bands zu spielen. Wird es mit zunehemendem Alter schwerer diese Lebensart zu verfolgen?

Es wir schon schwerer, obwohl ich da nicht so betroffen bin, weil meine Arbeit es mir erlaubt zu touren, wenn ich sollte. Die anderen Leute in der Band haben es nicht so einfach. Je älter man wird, desto mehr Verantwortung muss man übernehmen.

Musstest du Opfer bringen, um diesem Beruf nachgehen zu können?

Ich persönlich? Nein. Ich wusste seit meinem 14 Lebensjahr, dass ich Musiker weden wollte und ich bereue nichts.

John Congleton von the pAper chAse hat euch ja ebenfalls bei den Aufnahmen geholfen. Wie habt ihr ihn getroffen?

Wir haben John schon vor einigen Jahren getroffen. Wir hatten zusammen ein Konzert und sind irgendwie immer in Kontakt geblieben. Vor einigen Jahren haben wir dann mit ihm ein paar Sachen aufgenommen, als wir in Dallas einen freien Tag hatten. Das klappte sehr gut. Als dann das nächste Album anstand, waren wir uns sicher, dass wir ihn dabei haben wollten. Man kann sehr gut mit ihm arbeiten und er versteht auch unseren Ansatz.

Also ist er umgänglich, obwohl er so psychotische Musik macht?

Ja, er hat ein sehr breitgefächertes Wissen, was die Musik angeht. Er weiß, was wir für eine Art Band wir sind und er hat auch einen einzigartigen Style, obwohl seine Band sich natürlich stark von unserer unterscheidet. Er ist einfach sehr talentiert und weiß was er macht.

Obwohl ihr nie direkt politisch werdet seid ihr auf persönlicher Ebene sicherlich nicht apolitisch, welche Anliegen habt ihr?

Also die Texte kommen eigentlich mehr aus dem persönlichen Erfahrungsschatz

als aus der Politik, aber ich kann schon verstehen, dass sich solche Interpretationen entwickeln, schließlich impliziert unser Bandname diese Konnotationen geradezu. Wir versuchen aber nicht mit Vorsatz politisch zu sein. Das ist uns beim Schreiben der Lyriks auch nicht wichtig. Streng gesehen entstehen bestimmt neunzig Prozent der Texte aus dem privaten Raum.

Was dominiert die Band "teenage angst" oder "pre midlife crisis"?

Großartige Frage, wahrscheinlich eine Kombination von beidem, aber in letzter Zeit tendiert es mehr in Richtung Midlife Crisis.

Weißt du zufällig, was bei Thick Records, eurem Label, so ansteht?

Also im Moment zieht Zak samt seinem Büro nach Los Angeles um. Es wird aber weiterhin ein Büro in Chicago geben. Ihm und seiner Frau bietet sich jedenfalls eine gute Gelgenheit, ich weiß jetzt nicht mehr, was seine Frau beruflich macht, aber sie hat ein Angebot bekommen und es wohnen auch enge Verwandte von ihnen dort.


Wie würdest du denn sein Label charakterisieren?

Es ist ein Chicagoer Label, auch wenn Zak jetzt nach L.A. zieht, soll es das auch bleiben. Die meisten seiner Bands sind ja aus Chicago, wobei der Stil der Bands sehr unterschiedlich ist. Am treffendsten ist wohl die Beschreibung, dass es ein Chicagoer Label ist.

Wie würdest deine Bandmitglieder beschreiben?

Wir sind alle ziemlich durchgeknallt, das ist der gemeinsame Nenner. Wir sind recht erwachsen und das Herangehen an die Musik kommt unverkrampft. Sie sind umgänglich und spielen mit enormer Energie und das mag ich an Bands. Sie widmen sich der Sache auch völlig.

Es gibt eine neue Website online, die conservativepunk.com heißt, kann man konservative Ideen mit Punk-Sein verbinden oder findest du das paradox?

Gehört habe ich davon noch nichts, daher ist es wohl schwer dir eine detaillierte Antwort zu geben. Aber zum zweiten Teil deiner Frage möchte ich sagen, dass ich Punk geworden bin, weil man frei war seine Meinung zu äußern. Selbstverständlich teile ich nicht eine konservative Einstellung, aber sie das gute Recht sich so zu äußern, ebenso wie du und ich sagen können: "Lass mich mit dem Kram in Ruhe, du hast seltsame Ansichten." Ich hätte das gerne ausführlicher beantwortet, aber ich bin immer gerne genau informiert, bevor ich mich äußere. Ich werde mir das aber ansehen, es interessiert mich und wenn ich ehrlich sein soll, dann erschrecken mich viele Dinge, die von Rechts kommen.

Gutes Schlusswort. Danke dass du dich bei mir gemeldest hast, Kevin.
Thomas Eberhardt