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Euer letztes Album "Vitriol" kam ja auf Let It Burn raus, warum der Wechsel zu Lifeforce?

Durch die Größe des Labels Lifeforce haben wir mehr Möglichkeiten. Zum einen können wir aufgrund des größeren Budgets bessere und vor allem längere Studioaufenthalte finanzieren, was sich wiederum positiv das akustische Erscheinungsbild auswirkt. Zum anderen profitieren wir auch von dem Bekanntheitsgrad, der natürlich zur weiteren Verbreitung unserer Musik beiträgt. Das alles sind Faktoren, die zum Wechsel beitrugen. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass wir bei Let It Burn in irgendeiner Weise unzufrieden gewesen wären. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und sind sehr dankbar für alles, was sie für uns getan haben. Unser Wechsel erfolgte in beiderseitigem Einverständnis. Wir unterhalten auch weiterhin gute und freundschaftliche Kontakte zu den Machern bei L.I.B.

Wie wichtig ist euch das Label und was hängt davon ab?

Wichtig ist in erster Linie mit Sicherheit, dass wir uns wohl fühlen und unsere Interessen gut vertreten wissen. Auch ist es unumgänglich, zu fühlen, dass man sich um uns kümmert und das die Kommunikation stimmt. Das alles sind Faktoren, die bei Lifeforce, trotz der Größe, glücklicherweise gegeben sind, was selbstverständlich zu allgemeiner Zufriedenheit beiträgt. Wir standen auch mit einigen anderen Labeln in Verhandlung. Die Wahl fiel jedoch eindeutig auf Lifeforce, da hier nicht nur die Musik sondern auch der Mensch, welcher sie produziert wichtig ist.

Ihr seid diesmal sehr experimentell an das Album rangegangen, zumindest klingt alles erfreulich neu, wie kommt's?

Das ist mit Sicherheit eine relativ interessante Frage, da wir eigentlich aus unserer Sicht zumindest an jedes Album experimentell herantreten. Da wir einen sehr unterschiedliche Musikgeschmack haben und alles unter einen Hut bringen wollen, ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Wenn du dir die letzten Platten von uns anhörst, bzw die Reviews dazu ließt, wirst du mit Sicherheit erkennen, dass genau das der Punkt ist, den viele an FMT schätzen. Es fällt schwer uns in eine Schublade zu stecken, da wir zu facettenreich und zu unvorhersehbar sind; und dies auch bleiben wollen. Es lässt sich zwar ein gewisser Reifungsprozess in der Entwicklung der Songstrukturen erkennen, allerdings wollen wir trotzdem versuchen, unserer Maxime treu zu bleiben, die da lautet, Musik zu machen, die überrascht und neugierig macht und deren Tiefe sich nicht sofort beim ersten Hören erschließen lässt. Daraus resultiert natürlich, dass sich die zukünftigen Platten sicher nicht so anhören werden, wie die vorherigen. Es wird also spannend bleiben.

Auch die Songstrukturen an sich haben episches Format, vier Mal sprengt ihr sogar die sechs - Minuten - Marke und drei Mal bewegt ihr euch um die fünf Minuten. Wie wichtig sind für euch denn die Hörgewohnheiten des Käufers?

Wir gehen nicht mit bestimmten Absichten an das Komponieren von Songs heran. Wenn wir den Eindruck haben, dass das Lied, so wie es ist, fertig und zufriedenstellend ist, lassen wir es enden. Die Wirkung eines Stückes hängt unserer Meinung nach nicht von der Länge ab, sondern von der Intensität die ihm innewohnt. Wir haben uns zwar vorgenommen, in Zukunft die Stücke kürzer zu gestalten, jedoch soll das nicht bedeuten, dass wir uns und unserer Kreativität einen zeitlichen Riegel vorschieben wollen.

Wo seht ihr persönlich die Unterschiede zum letzten Album?

Angefangen damit, dass wir, wie bereits erwähnt, mehr Zeit und mehr Geld zur Verfügung hatten, ist der Hauptunterschied mit Sicherheit im besseren klanglichen Erscheinungsbild zu sehen. Auch lässt sich eine gewisse Reife und mehr Arrangement in den Strukturen erkennen. Wir gehen hierbei mal von der letzten Platte "Vitriol" aus und sehen die Split CD als Übergang zu der neuen an. "The Great Collapse" wirkt runder und flüssiger, da sie einen richtigen Anfang und ein richtiges Ende hat. Wir sind auf den originalen, echten Sound der Platte sehr stolz, da alles so aufgenommen wurde, wie wir es gespielt haben. Das ist mit Sicherheit einer der großen Vorteile der analogen Aufnahmeweise ( Bandmaschine ). Dies ist zwar komplizierter und aufwendiger, jedoch spiegelt es den kreativen Prozess des Aufnehmens genauer und unverfälschter wider, da der Einfluss des Computers und den verschiedenen Effektgeräten nicht so stark gewichtet wird.

Auf "The Great Collapse" ist ja auch ein kurzer spoken word - Text zu hören, darf man fragen, wo der herstammt? Wie kamt ihr auf die Idee?

Wir haben auf fast allen Platten Samples verwendet, da dadurch oft die Möglichkeit besteht, das Klangbild etwas aufzulockern und zu erweitern. Auch ist es mit Sicherheit für den Hörer spannend, seine Bezüge, bzw Emotionen zu dem Gehörten einfließen zu lassen und ihm somit wichtige Dinge mit der Platte zu verbinden. Wir erhalten relativ viele Rückmeldungen auf von uns verwendete Samples, da eben beschriebenes bei ihnen eintritt. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als ein lokaler Dj, der in einer Metaldisko auflegt, zu mir kam und sagte, dass er, kurz nach dem 11.September, als Einstieg in den Abend das "outro" von "23" laufen ließ: Charlie Chaplins großer Diktator, und der ganze Raum urplötzlich verstummte und lauschte. Viele wurden dadurch erst auf großartige Filme und deren Message aufmerksam. Das von dir angesprochene Sample stammt aus dem Film "Das Leben des David Gale". In diesem Zusammenhang passt es besonders zu dem vorhergehenden Lied, dessen Text davon handelt, dass unser Leben davon bestimmt zu sein scheint, etwas großartiges vollbringen zu wollen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Maybe death is a gift als Erlösung dieses sinnlosen Bestrebens.

Generell mal die Frage an euch als Band: Was haltet ihr von Bands mit Shocker - Namen wie ED GEIN? Ist das cool oder einfach ziemlich billige Effekthascherei? Ist das Hardcore oder kommt das eher aus dem Metalbereich?

Schwere Frage. Auch hier im FEAR MY THOUGHTS - Kollektiv schwer umstritten. Wir sind ergo nicht immer eins. Ich persönlich denke, dass es meistens wirklich nur billige Effekthascherei ist, bzw der Versuch ins Gerede zu kommen um dadurch Publicity zu erlangen. Ich denke, dass man das besser durch musikalische und inhaltliche Komponenten schaffen sollte und nicht durch das Annehmen von "provozierenden" Namen. Provokation ist sicher sinnvoll, jedoch sollte es nicht auf so eine billige Art und Weise geschehen. Deine Frage, ob das nun Hardcore oder Metal ist, kann ich genau nicht beantworten, da es in beiden Bereichen oben genannte Personen gibt. Mit Sicherheit, war derartiges früher ein Markenzeichen von Metalbands, welches zusätzlich durch das Cover unterstrichen wurde. Seit allerdings die Grenzen verschwimmen kann es nicht mehr so genau definiert werden.

Findet ihr euch denn vom Label gut vertreten, wenn Pappschuber ohne Texte und eben auch ohne Artwork an die Presse rausgehen? Bleibt da nicht was wichtiges auf der Strecke?

Mir als Sänger sind natürlich die Texte besonders wichtig. Dementsprechend ist es mir natürlich auch ein Anliegen, diese verschickt und gelesen zu wissen. Allerdings muß hier auch darauf hingewiesen werden, dass es schon fast erschreckend ist, zu sehen, wie schnell die CD nach dem Verschicken der Promos bereits zum Download im Netz bereitstand. Wir sind der Meinung, dass sich Menschen, die sich wirklich für eine Band und für das, wofür diese steht interessieren, sie auch durch das Kaufen der CD und damit das Honorieren der Arbeit, unterstützen sollten. Interviews und dergleichen bieten weitere Möglichkeiten, das Gesamtbild einer Band abzurunden.

Ihr werdet zusammen mit CALIBAN und HEAVEN SHALL BURN als Speerspitze der europäischen Metalcore - Szene gehandelt und bewegt euch ja in ähnlichen Strukturen, gibt es Dinge, die ihr als Band von anderen Gruppen gelernt habt? Kannst du Beispiele nennen?

Sicher holt man sich von anderen anderen Bands durch das Besuchen von Konzerten gewisse Inspiration. Allerdings wäre es mir jetzt nicht wirklich bewusst, dass wir etwas von anderen Bands gelernt hätten. Wir sind nicht darauf fixiert, Trends zu setzen oder bereits bestehenden hinterher zu laufen. Uns war es immer wichtig, das zu tun, was uns richtig und wichtig erschien.

"The Great Collapse" wird am 1. Juni in den Staaten veröffentlicht, wie sind eure Erwartungen dahingehend?

Wir sind eine europäische Band. Momentan sind unsere Gedanken darauf gerichtet, wie es hier in unseren Breitengraden laufen wird. Es ist bestimmt nicht ganz unspannend, wie sich die Situation über dem Teich entwickelt, jedoch ist es nicht ausschlaggebend oder von besonderer Bedeutung für uns. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt und freuen uns über jede Honorierung, die unserem Tun entgegengebracht wird. Thomas Eberhardt