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EMEMVOODOOPÖKÀ kommen aus der Nähe von Prag und sind nicht unbedingt kafkaesk, aber das kürzlich auf Silver Rocket erschiene Album "Dort Jak Brus", hat doch eine unheimliche Poesie in seiner Verwirrtheit, da musste ich den Liedern einfach verfallen. Eine gewisse Sprachbarriere ließ sich nicht vermeiden, da das Quartett auf Tschechisch singt und textet. Also trat ich kurzentschlossen mit Sänger Bourek in Kontakt und es stellte sich heraus, dass EMEMVOODOOPÖKÀ nicht nur schönen nostalgischen und doch knarrigen Indierock machen, sondern auch unglaublich sympatische Zeitgenossen sind.

Wer ist denn in der Band und wie habt ihr euch gefunden?

Wir haben uns auf der weiterführenden Schule kennen gelernt, als wir so um die Sechzehn waren und uns war einfach danach Musik zu machen. Aus der Originalbesetzung stammen noch Kiri, an der Gitarre und für den Gesang zuständig, Placka am Bass) und ich, Bourek, singe und spiele Keyboard. Pava ist bereits unser dritter Schalgzeuger und inzwischen seit Januar 2005 dabei.

Wo genau kommt ihr her und wie würdet ihr die Szene dort beschreiben?

Wir kommen aus der Tschechei, genauer gesagt aus einem keinen Dorf in der Nähe von Prag. Da die Tschechei ziemlich klein ist, ist es einfacher das Land als ganzes zu betrachten, als sich über die Szene vor Ort zu unterhalten. Es gibt eine grosse Crust-Hardcore-Szene und einige Pseudo-Indie-Wannabes, die nach dem Erfolg schielen, wenn man aber nach einer echten Alternative sucht, nach echtem Alternative Rock, dann gibt es höchstens 20 Bands. Meist auf, oder im Umfeld von den Labels Silver Rocket, Day After und Free Dimension. Diese Bands sind originell und daher eben nicht so trendy.

Ich habe just euer Album bekommen und es gefällt mir wahnsinnig gut. Leider verstehe ich kein Tschechisch. Worüber singt ihr, welche Themen sind euch wichtig und was bedeutet der Bandname?

Der Bandname hatte früher mal eine Bedeutung für uns, aber irgendwann ist diese gestorben und nun ist er nicht mehr von Bedeutung für uns. Eigentlich ist es Kauderwelsch und wir haben diesen Namen, damit sich die Leute kein Bild von uns machen, bevor sie uns hören. Der Name verrät einfach nichts über uns, deshalb mögen wir ihn. Die Texte beschäftigen sich mit verschiedenen Themen. Auf dem letzten Album ging es meist um Besessenheit und Leidenschaft. Das Album hat Härte und ist treibend, aber auf eine gewisse Weise auch wieder sehr zart.

Was bedeutet denn "dort jak brus", der Titel des Albums?

Das ist ein Ausdruck, den wir immer benutzen und eigentlich heisst er "phantastisch". Allerdings weicht die genaue Übersetzung etwas von dem konkreten Inhalt ab, wenn man es wörtlich übersetzt, dann heisst es "Kuchen wie ein Schleifgerät".



Wir wollten was wirres, das ganz und gar uns gehört. Es gab auch noch die Alternative "Manifest", aber damit ist einfach eine gewisse Erwartunghaltung und auch viele Vorurteile verbunden.

Manchmal erinnert mich das Album an MADRUGADA aus Norwegen, dann wieder hört man Post-Core Einflüsse, was inspiriert euch musikalisch?

Um ehrlich zu sein, hatte ich vorher noch nichts von MADRUGADA gehört, aber ich kenne jetzt einige Leider und sie sind cool. Uns inspirieren viele Stile. Von Country über Hip-Hop, bis hin zu Heavy Metal ist alles dabei. Wir sind eine tolerante Gruppe. Ähnlichkeiten lassen sich aber wohl am ehesten mit SEBADOH, YELLOW PRESS, THE FALL und GIRLS AGAINST BOYS finden.

Das Cover des Albums ist auch grossartig, weil man denkt eine komplette Idylle zu betrachten und wenn man das Album umdreht, werden die Erwartungen völlig enttäuscht. Woher kommt das Sleeve?

Das Bild ist ein altes japanisches Tattoo und wir haben es benutzt, weil uns die Idee eines Kampfes zwischen zwei positiven Dingen gefallen hat. Der Adler ist stark und schön, die Gans steht für Sicherheit und Gesundheit. Das Überraschungsmoment, von dem du gesprochen hast, ist allerdings auch wichtig. Man weiß nie wie die Dinge wirklich sind. Dieses Spiel mit Erwartungen wirst du auch in den Texten finden.

Momentan ist Metalcore ja fürchterlich angesagt, diese Art von Musik ist allerdings ganz anders als eure Musik. Welche Unterschiede findet ihr wichtig?

Wir versuchen nicht in eine bestimmte Szene zu passen und wenn wir unsere Lieder schreiben, denken wir nicht darüber nach, ob ein Teil jetzt laut und verzerrt sein sollte. Unter diesem Aspekt sind wir eine Punk-Rock-Band, weil Punk für freiheit steht. Wir sind frei in dem, was wir tun.

Das Album erschien kürzlich auf Silver Rocket. Wie habt ihr die Betreiber getroffen und wie sieht die Arbeit aus?

Wir machen grundsätzlich alles selbst und haben eine do it yourself-Ethik, da war es nur natürluch, dass wir irgendwann auf Silver Rocket gestoßen sind, weil sie immer nach interessanten Bands auf der Suche waren.

Die Arbeit mit Silver Rocket ist gezeichnet von Freiheit, Spass, Respekt und ist eine Kooperation. Das ganze ist eher eine Gemeinschaft, als ein bloßes Label. Alle Gruppen sind befreundet und wir machen viel gemeinsam.

Die ersten Reviews sind auch im Umlauf, wie beschreiben die Journalisten eurer Album und stimmt ihr immer mit ihnen überein? Welche Rolle spielt es für euch, was andere von euer Musik halten?

Eigentlich interessiert uns das nicht.Aber wir freuen uns natürlich, wenn jemand die Sache versteht, was manchmal sogar passiert. Das kann unsere Musik natürlich vielen Menschen näherbringen.


Natürlich beeinflussen gute Reviews auch die Verkauszahlen und das Geld kann Silver Rocket bei neuen Veröffentlichungen helfen.

Ihr scheint Mulitinstrumentalisten zu sein. Welche Instrumente hört man auf dem Album?

Die Hörner und Trompeten haben wir von einer Jazz-Band geklaut, die mit uns im Studio war, den Rest haben wir selbst eingespielt. Ondrej Jezek, der das Album produziert hat, spielt auch etwas mit. Man hört akustische und elektrische Gitarren, Bass, Drums, Percussions, Synthie, Orgel, Piano, Harmonica, Melodica, Banjo und ein Xylophon. Wir haben auch noch an Loops und Samples gebastelt und Mit Kopfhörern fiese Feedbacks produziert. Live dominieren die lauten Gitarren, groovige Rythmen und man kann sich auf eine high energy-rock'n'roll-Show und ein Tänzchen einstellen.

Ist es nicht schwer alles korrekt einzuspielen, wenn man eigentlich hauptsächlich ein anderes Instrument spielt?

Mit unserer do it yourself Attitüde und Vergangenheit können wir inzwischen so ziemlich alles machen, sogar aufnehmen und mixen. Klar sind wir nicht auf allen Instumenten perfekt, aber für unsere Zwecke reicht unser Können allemal aus.

Thomas Eberhardt