my defense

Die Reaktionen auf eurer Album sind ziemlich gut, fällt es da leichter längere Touren zu planen und Rückschläge wie den Ausstieg eures Gitarristen zu verarbeiten?

Björn: Mit den Kritiken sind wir bisher mehr als zufrieden! Vor allem freuen wir uns sehr darüber, dass die meisten Leute auch verstehen, was wir eigentlich mit unserer Musik transportierten wollen. Gerade in einer Zeit, in der Hardcore als "alles Mögliche" definiert wird, und nicht unbedingt jeder noch den wahren Ursprung kennt, hat die "alte Schule" ja schon fast wieder etwas "missionarisches"! Die Sache mit dem Gitarristen war sehr schade und kam auch relativ unverhofft, aber der neue Mann (Sebastian) war erstaunlich schnell gefunden und aufgrund seiner großen Motivation, sind wir ab sofort auch wieder "spielbereit" und arbeiten schon an neuen Stücken. Das dies unsere Planungen ein bisschen durcheinander gebracht hat ist ja klar, aber eine kleine Tour, gegen Ende des Jahres, ist in Vorbereitung!

Mein Griechisch ist nicht das Beste, wovon handelt eurer Song "Ego" denn genau und ist der Text zitiert, oder selbst geschrieben worden?

Perry: Der Text ist von mir geschrieben und "Ego" heißt auf Griechisch "Ich". Bei dem Lied geht es darum, dass man oft Widerstand leisten muss, um seine eigenen Ideale zu schützen. Ein Thema, worüber bestimmt schon mal gesungen wurde, nur diesmal in meinen Wörtern und in meiner Sprache.

Wenn ich nicht irre, bist du auf dem Cover der neuen ALL FOR NOTHING-Scheibe gelandet, wie kam es denn dazu und wie fühlt man sich als Cover-Boy?

Perry: Als Cover Boy fühlt man sich besonders sexy. Die Geschichte ist allerdings unspektakulär… Wir haben mit AFN hier in Köln gespielt und ein Freund von uns hat Fotos gemacht. (www.myspace.com/bandfotografie). Auf einmal war ich dann auf dem Cover und den T-Shirts von denen drauf!

Köln ist ja irgendwo eine Musik-Hochburg, wie seht ihr als Hardcore-Band die Szene?

Björn: In der Tat hat in den letzten Jahren eine Art "kleine Renaissance" stattgefunden, was Hardcore/Punk-Bands angeht. Da Köln ja eher eine "kleine" Großstadt ist, ist die Beziehung unter den Bands auch viel enger. Mit den meisten hier sind wir gut befreundet und keiner neidet dem anderen etwas. Was die Szene selbst angeht, gibt es zur Zeit einfach viel zu viele Strömungen, die eine echte Geschlossenheit der Leute behindert, was aber in anderen Städten wohl nicht anders laufen wird. Trotz allem sollte das Motto lauten "walk together, rock together!" Christian: Solidarität wird in Köln unter Bands und Fans echt groß geschrieben! Man sieht auf einheimischen Konzerten immer wieder die selben Gesichter. Für Bands ist es natürlich genial wenn man jeder Zeit das Mikro in die Menge halten kann und weiß, dass die richtigen Wörter mitgesungen werden! Das ist die schöne Seite der Hardcore Szene Kölns. Wenn man heutzutage auf "größere" Konzerte geht, hat sich die Szene auf der anderen Seite insgesamt doch stark verändert. Leider sieht man heutzutage zunehmend diese Kung-Fu Tänzer bei denen entweder Verletzungen vorprogrammiert sind oder man keinen Platz zum "friedlichen" Pogen hat. Die Hoffnung, dass sich alles wieder mehr "back to the roots" entwickelt wird momentan auf jeden Fall wieder Größer. Trends sterben, gute Musik nie!

Old School ist wieder recht stark angesagt, wie geht ihr als überzeugte Fans der alten Schule mit den ganzen Metalcore-Bands und Myspace-Combos um, gibt es da einen gemeinsamen Nenner, oder ist das eher ein Feindbild?

Björn: Hier kann ich nur für mich sprechen. Hardcore ist und bleibt für mich etwas ganz besonderes und aus diesem Grund war ich auch nie ein großer Freund vom "Crossovergedanken". Mir ist schnell klar geworden, dass dieser Trend eine starke Tendenz zur Kommerzialisierung mit sich bringt, die den Hardcore-Gedanken ad Absurdum führt.

Kommerzielle Dinge sind in der Regel konstruiert und geplant, was man von Hardcore wohl kaum behaupten kann. Ansonsten gilt, wer Spass hat Musik zu machen, sollte dies tun, egal welche Stilrichtung! Das Thema Myspace spaltet zwar die Geister, jedoch finde ich es als Plattform für Bands aller Art sehr, sehr nützlich. Wer jedoch das Böse im Detail sucht, der wird es auch hier finden. "Tom" ist eh ein C.I.A. Agent und Myspace eine reine Datenerfassungsplattform, die es den staatlichen Behörden erleichtert, einen genaueren Einblick in die aktuelle Jugendkultur zu bekommen und sie gegebenenfalls durch entsprechende Maßnahmen zu steuern. ;-) Außerdem heisst "Tom" nichts anderes als "Total Observation Masterplan"!

Christian: Die guten alten Verschwörungstheorien. Toms Opa war übrigens bekennender Illuminat!!! Myspace ist glaube ich, der größte Trend der Neuzeit neben dem oben erwähnten "wie style ich mich am besten wie ein Emo und schaffe es damit meine Individualität komplett aufzugeben". Hm eigentlich geht beides einher und damit auch meine Kritik an Myspace. Eine Plattform für Selbstdarsteller, die sich im echten Leben nicht trauen. Aber Myspace ist für Bands gerade auf DIY Basis eine absolut geniale Geschichte!!! Ich denke die Anzahl der Konzerte hat seit Myspace zugenommen, und der Organisationsaufwand ist deutlich weniger geworden, da man zu dutzenden Bands einen, wenn nicht freundschaftlichen, zumindest freundlichen Kontakt bekommt. Aber mal zurück zu Metalcore und so einem Gedöns... Im Gegensatz zu Björn komme ich ja von der Gitarre her neben den guten alten Hardcore Geschichten ein bisschen mehr aus dem Melodic Punk und Metal Bereich. Metalcore sollte vom Begriff her eigentlich eine Mischung aus Metal und Hardcore darstellen. Um ehrlich zu sein, sehe ich in alten Slayer Geschichten mehr Hardcore als bei den Sachen, die heuzutage als "Metalcore" bezeichnet werden. Wie Björn schon meinte, jeder der Musik machen will und Spaß dran hat: Bitteschön lasst es euch gut gehen! Aber wenn Bands auf ihren Konzerten zu Gewalt aufrufen und sich die Kids gegenseitig blutig schlagen, ist das Ziel verfehlt. Es sollte wirklich darum gehen, den Kids ein Ventil zu zeigen damit sie GEMEINSAM die angestaute Wut beim Pogen und Stagediven loswerden können! Perry: Ich bin auch kein Metalcore-Fan, aber ich finde schon, dass es einen gemeinsamen Nenner gibt. Vor allem bei vielen New-School-Sachen, wo es den einen oder anderen Beatdown-Part gibt. Und ich mag eine Menge New-School-Bands! Was die Gewalt angeht, ist das für mich nicht nur ein Problem der "Metalcore-Szene". Idioten gibt es überall! Für Oldschool Bands steht meistens "Unity" im Vordergrund aber auch bei Oldschool Konzerten gibt es Kung-Fu Idioten! Leider ist es halt z.Z. bei Metalcore extremer und einige Bands scheinen ihren Spaß darin zu haben. Ein Trend, den ich total Scheiße finde! Ich kenne aber auch eine einige "weniger bekannte" Metalcore- oder Beatdown Bands, die genau gegen diese Art von Gewalt propagieren.

Das Cover von "God Damn Those Hardcore Junkies" ist fantastisch und auch ziemlich lustig, kommt der Spass im Hardcore manchmal zu kurz und habt ihr schon die ersten Klagen, von wegen "drogenverherrlichend etc."?

Björn: Dass der Spaß im Hardcore zu kurz kommt, merkt man nicht nur an der gelegentlichen Fehlinterpretation unseres CD-Covers, sondern an ausartenden Strömungen wie z.B. Hatecore oder militante Straight Edger! Ich glaube hier sollte sich der ein oder andere mal Gedanken machen, wie sein Verhältnis zur Szene und zum Begriff Hardcore wirklich ist. Wer hingegen das Cover nicht versteht, versteht wahrscheinlich so einiges auf dieser Erde nicht. Wir propagieren keine Verherrlichung des Drogenkonsums, sondern bringen damit nur zum Ausdruck, dass Musik unsere Droge ist. Wir sind quasi von der Musik "angefixt"! Christian: Und voll drauf :-) Wie schon oben ausführlich erwähnt geht es bei Hardcore darum auf Konzerten miteinander zu feiern und den ganzen Alltagsfrust hinter sich zu lassen. Die beschissene Arbeitswoche zu vergessen und in dem auf zugehen was einen am Leben hält und nicht anderen Leuten durch Tritte oder Schläge den Abend zu vermiesen!

Euer Label Striving For Togetherness liegt in Bayern, Köln in Nrw, wie kam der Kontakt zustande?

Perry: Über das so gehasste Myspace J! Wir haben unserem "Chef" eine CD geschickt, damit er ein Konzert für uns da klarmachen kann. Sie hat ihm gefallen, er hat uns zu einem Konzert eingeladen (mit den großartigen "Driving the Salt") und uns dann vorgeschlagen eine CD bei ihm raus zubringen.

Ihr habt kürzlich ein Radio-Interview gegeben, seid ihr da lange zu Wort gekommen und wie viele Menschen hören denn das Campus-Radio?

Björn: Das Interview war super und "Danke" noch mal an dieser Stelle, an die Jungs von Hellfire-Radio! Das ganze ging etwa eine Stunde lang und war ein gelungener Mix aus Musik und Unterhaltung. Lockere Fragen und lockere Antworten, untermalt mit ein paar Songs von uns und vielen schönen Klassikern. So in etwa als würde zwischen jeder Frage dieses Interviews, zwei, drei coole Songs laufen! Wie groß die Hörerschaft vom Campus-Radio ist, kann ich allerdings nicht sagen!? Christian: Soweit ich weiß ist das Einzugsgebiet von Köln Campus nicht allzu groß, spätestens in Düsseldorf hört der Empfang auf HAHAHA. Aber ich kenne einige Freunde, die regelmäßig Köln Campus und vor allem Hellfire Radio hören. Und mal im Ernst: Wer würde sich nicht einen Radiosender wünschen wo den ganzen Tag so geiles Zeug gespielt wird und sich Bands vorstellen können.

Denkt ihr, dass es wichtig ist neue Leute zu erreichen und wie kommt man an das Saturn-Publikum ran, oder sind die eh zu bescheuert?!

Björn: Neue Leute zu erreichen ist immer wichtig, sonst würde eine Szene ja schnell aussterben oder vergreisen (so wie ich). Es ist auch nicht die Frage, ob deine Scheibe beim Saturn steht oder nicht. Jeder der Hardcore macht und glaubt damit den "Big Deal" zu landen, sollte sich besser ein Ticket für`s Phantasialand kaufen. Wenn eine Band im Saturn zu haben ist, heißt dass ja nichts anderes, als dass das Label der Band einen besseren Vertriebsweg gefunden hat (wir als Band wären da wohl eh die letzten, die davon profitieren würden!). Ich denke wir wollen Leute erreichen, die sich mit dem Begriff "Hardcore" identifizieren und da spielt es keine Rolle, ob der- oder diejenige sich das Teil bei Saturn, oder beim Plattendealer um die Ecke besorgt. Und abgesehen davon, bescheuerte Leute gibt`s leider überall!

Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade auf der Bühne steht, welche Verpflichtungen habt ihr, könnt ihr ewig auf Tour gehen, oder werdet ihr euch auf kurze gezielte Angriffe beschränken?

Björn: Studieren/arbeiten tun wir alle, in der einen oder anderen Richtung. Das heißt, dass unsere "Angriffe" natürlich einer gewissen Planung unterliegen. Wie schon gesagt, die Tour soll gegen Jahresende stattfinden und wer noch nette Locations für uns auf der Pfanne hat, sollte mal unsere Seite checken und Kontakt mit uns aufnehmen!

Euer neuer Gitarrist heisst ja Sebastian, ist der denn identisch mit dem DAYS IN GRIEF-Sebastian, oder ist er gänzlich unbescholten?

Perry: Nein er ist nicht der DAYS IN GRIEF Gitarrist. Wir haben im Studio vom D.I.G.-Sebastian nur einen Teil unseres Albums aufgenommen. Der "Neue" hat früher in einer Pop-Punk-Band (My Grace) gespielt, ist allerdings auch ein überzeugter Oldschool-Fan und hat unglaublich viel frischen Wind zur Band gebracht!

Was steht dieses Jahr noch an?

Björn: Hoffentlich ne Menge! Nachdem Sebastian, als neuer Mann, nun endlich am Start ist, wollen wir natürlich wieder Gas geben, was Gigs und neue Stücke angeht. Die Tour gegen Jahresende und vielleicht auch neue Aufnahmen machen! Das war sicher nicht das letzte, was man von uns zu hören bekommt!

Thomas Eberhardt