WITH LOVE, August 2013-Reviews

AUGUST 2013

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AGNES VEIN
Soulship CD/LP
http://agnesvein.bandcamp.com/


Die Griechen von AGNES VEIN sind bereits 2003 dabei, veröffentlichen aber eher sporadisch und "Soulship" ist erst ihr dritter Release. Sei's drum, trotz der nicht gerade fanfreundlichen Releasepolitik verweist die Band in den melodisch-entrückten Momenten des Titelsongs "Soulship" auf PALLBEARER und WARNING, der Sänger röchelt aber auch mal gerne in bester Black Metal-Manier. "Chaos Cauldron" zitiert die derbsten Momente des skandinavischen Black Metals und ist auch von der Produktion her nahe an den Originalen dran, selbst wenn's nicht ganz so rumpelig klingt, die Stimmung passt. Um dem Ganzen dann noch die unvorhersehbare Wendung zu geben, kommen wieder melodische Vocals ins Spiel. Atmosphärisches Rauschen, massive Tomschläge und das düstere sich langsam entwickelnde Songwriting ist wirklich beachtlich und zieht den Hörer sogartig in seinen Bann. Schon der Opener "The God Within" zeigt das gesamte Spektrum der Band und gerade die Vielseitigkeit überzeugt. "March of the netherworld" dürfte dann was für Fans von HOODED MENACE sein, da selbiger Track doomige Metalriffs mit Gekeife verbindet ohne dabei andere Sperenzechen anzubringen. Sozusagen eben etwas straigther als das übrige Album. Etwa 35 Minuten Spielzeit von einer Band welche man sich wirklich merken sollte, selbst wenn der Name etwas unhandlich ist. Shirt und LP sind für magere 15 Euro plus Porto als Package zu haben. ThEb (6)

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BLACKOUT PROBLEMS
Twentyfourseven EP
My Redemption Records


Akustischer Emopop ist wohl eine ganz passende Beschreibung, wenn man den Stil dieses Trios kategorisieren möchte. DASHBOARD CONFERSSIONAL, JOAN OF ARC und THOUGHTS PAINT THE SKY sind also die Leitlämpchen, was den Sound des Trios betrifft. Textlich geht es recht melancholisch zu aber die Vocals haben genügend Drive, um die Sache dennoch spannend zu machen. "Empty hands" ist das Highlight des Albums, weil die zweite Gesanglinie extrem nach Kurt Vile und auch etwas nach SLOW READER klingt. Manchmal wünscht man sich, dass die Hauptvocals etwas weniger kratzig und aufgedreht wären, aber insgesamt hat "Twentyfourseven" eine gewisse Magie, die zwar auf den ersten Blick schnell übersehen wird, aber wer sich Zeit mit dem Release nimmt, der wird begeistert sein. Notwendige Bedingung ist aber, dass ihr was mit ruhigen Tönen anfangen könnt und euch auch uhh-uhhs in BEACH BOYS-Manier, gehört in "Trainstation", nicht abschrecken. Die sechs Songs sind ein toller Einstand und die CD kommt als Vinyl-Replica. ThEb (6,5)

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HORSEBACK
A Plague Of Knowing 3CD
Relapse Records


Nach drei full length Alben hauen HORSEBACK jetzt eine Compilation mit Vinyl only-Songs, Samplerbeiträgen und Livetracks raus, die sich super als Quereinstieg in verquere Welt von Jenks Miller und seinen Mitstreitern eignet. Orgeln, verträumte Soundscapes plus Pagan-Melodik und Black-Metal-Vocals? Schon eine unkonventionelle Fusion die HORSEBACK da geschaffen haben. Andererseits gelingt ihnen das Kunststück trotz dem künstlerisch hohen Anspruch doch recht eingängig und zugänglich zu sein. Um den Longplayer aufzuwerten gibt man ihm noch zwei weitere CDs bei, wovon die letzte Disk etliche Livesongs in echt guter Soundqualität enthält. Besagte Disk ist dann auch etwas für Liebhaber, denn gleich der Opener dauert satte 18 Minuten, da muss man schon etwas Geduld mitbringen, sonst wird die Sympathie für HORSEBACK rapide auf die Probe gestellt. Wen die Langatmigkeit nicht stört, der darf sich auf mystische Klangsequenzen à la ALCEST freuen, wie sie Songs wie "Another world" oder "A plague of knowing" (40 Minuten lang!!!) eben bieten. Aber auch Fans der derberen Machart werden nicht enttäuscht sein, denn in "High ashen slab" trifft Feedback auf eine Hammond-Orgel und NACHTMYSTIUM-Vocals. Wie gesagt, eine krasse Fusion, aber weshalb sollte NAAM plus NACHTMYSTIUM nicht funktionieren? Das Gekeife relativiert das Gedudel und alle sind happy, na ja, bloß die Puristen nicht, soviel steht fest. Wobei, das BLACK FLAG Cover "TV Eye" dürfte sogar selbige begeistern. Etwas fernab vom Alltäglichen und ein echter Geheimtipp. ThEb (7)

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KORODED
Devitalion CD
Noizgate Records/Rough Trade


Erstmal muss natürlich gesagt werden, dass KORODED bereits seit 1997 aktiv sind, anfangs eher mit Hardcore-Combos auf der Bühne standen und sich die Bretter auch schon mit etlichen Größen teilten. 1999 war die Band mit CROWBAR auf Tour, später dann noch jeweils getrennt mit DOWNSET, STUCK MOJO und DEADSOIL. Für's Summer Breeze wurde man gleich drei Mal gebucht und einzelne Gigs absolvierte man mit den Metal-Dauerbrennern EXODUS, ENTOMBED und HYPOCRISY, aber auch Kultbands wie CATHEDRAL oder REFUSED durfte man Backstage das Mineralwasser wegtrinken. Gar nicht schlecht für eine Band aus dem kleinen Jülich. Da mittlerweile die Genre-Grenzen ja beinahe fließend verlaufen und KORODED selbst diese Zusammenführung auf nationaler Ebene mitprägten, findet man in den zehn Tracks auch Einflüsse beider Lager. Das Intro zur aktuellen Scheibe erinnert sofort an FEAR FACTORY und wenn Sänger Jan Röder dann noch vom brutalen Shouting in Burton C. Bell mäßigen Singsang wechselt, dann kann man durchaus von einer gelungenen Homage sprechen. Darüber hinaus haben KORODED auf ihrem sechsten Album mit "Ira" und "Leng Tch'e" auch MACHINE HEAD-lastige Songs, die aber durch melodische Vocals oder atypisches Riffing einen unerwarteten Turn haben. Als weitere Einflüsse wären vielleicht noch VISION OF DISORDER oder ARKANGEL ("Walking Dead") zu nennen. KORODED verbinden eben schlichtweg die innovativsten Bands, die der Metal seit der Jahrtausendwende hervorgebracht hat, können dabei natürlich nicht das Rad neu erfinden, sorgen aber dafür, dass es rundläuft, soviel steht fest. Ich weiß nicht, wie bekannt die Band nun letztenendes genau ist, aber jeder Festival-Veranstalter tut gut daran das Quintett zu buchen, weil man eben neben Härte auch Melodie geboten bekommt und neben sanfter Innovation auch charmante Zitate von Bekanntem. Dies gilt definitiv für alle Songs auf "Devitalion", die zudem durch die druckvolle Produktion echt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. ThEb (7)

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LABIRINTO/THIS QUIET ARMY
Split CD/LP
Consouling Sounds


Den Auftakt machen die Brasilianer von LABIRINTO mit ihren entspannten sphärischen Klängen, die meist sehr verträumt sind und erst im zweiten Track "Diluvium" setzt die verzerrte Gitarre ein und die Drums dreschen drauflos. Für Fans atmosphärischer Klänge eine recht aufregende Sache, auch wenn hier alles rein instrumental bleibt. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch, "11 Palmos" setzt nämlich auf reverblastige Solipassagen, während die Rhythmusgitarre dissonante Töne anschlägt. Man hört einfach, dass die Band perfekt eingespielt ist. THIS QUIET ARMY gehen dann zusehends in die Ambient-Richtung, allerdings sind die Soundscapes beachtlich, wenn man bedenkt, dass hier im Gegensatz zu LABIRINTO (5 Musiker) einzig und allein Mastermind Eric Quach hinter der leisen Armee steckt. In "World Protest" integriert der Kanadier dann eine Drum machine und kommt einem Bandsound sogar ziemlich nahe. Die Split scheint vor allem ein Brückenschlag zwischen Kanada und Brasilien zu sein und dokumentiert die Freundschaft der Musiker, was durchaus seinen Charme hat. Wer minimalistischen Drone mag und die HARVESTMAN-Alben im Regal hat, darf hier ruhig mal reinhören. ThEb (6)

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LOADING DATA
Double Disco Animal Style CD/2LP
Deadlight Entertainment


Jetzt wird's kompliziert, denn eigentlich kommt dieses 1999 gegründete Quartett aus Frankreich, siedelte aber in die Staaten über und tourte dort auch für gut zwei Jahre. Aktuell ist man wieder in Europa verortet, konnte aber Nick Oliveri (KYUSS/QUEENS OF THE STONE) sowie Hoss Wright (MONDO GENRATOR) für ein Gastspiel gewinnen. Vom Ansatz her erinnert das dritte Album auch an BOTANICA und PLEASURE FOREVER, wobei man LOADING DATA in "So high" und "Alright" schon auch eine deutliche Nähe zu QOTTA attestieren kann. In "Butterfly shelf" findet die eindringliche Stimme von Patrón dann sogar mit elektronischen Elementen zusammen. LOADING DATA machen also ihr ganz eigenes Ding, selbst wenn die Vocals etwas apart sind, Elvis-meets-Patton-Style sozusagen. Die dreizehn Songs überzeugen immer durch Eigensinnigkeit und unterscheiden sich deutlich von anderen Combos, die oftmals sehr ähnlich klingen und nicht gerade ihren eigenen Sound gefunden haben, sondern sich eher einer Szene zuordnen und dann recht austauschbar sind. Selten so abgefahrene und zugleich zugängliche Songs gehört. "Round and round" hat beinahe schon etwas Hypnotisches und die kauzige Orgel macht den Song auch etwas schaurig. Gegen Ende gibt es mit "Gift" dann noch ein Stoner-Highlight und wenn man sich an die Memphis-Vocals gewöhnt hat, die man natürlich auch bei CALABRESE findet, bietet der Longplayer viele Highlights und dürfte bei QUEENS OF THE STONE AGE-Fans offene Türen einrennen. ThEb (7,5)

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MOONBOW
End Of Time CD/LP
CD Baby


Einmal mehr Stoner-Rock, einmal mehr stellt sich die Credibility-Frage. Diesmal ist das aber schnell erledigt, denn Matt Bischoff, Pro BMX Rider und David McElfresh von HANK 3 taten sich zusammen, um Musik zu machen. Zudem spielt hier noch Steve Earle (HERMANO/AFGHAN WHIGS) mit und Ryan McAllister von VALLEY OF THE SUN komplettiert die Band. Ganz objektiv kann man wohl sagen, dass sich MOONBOW irgendwo zwischen FREEDOM HAWK und KADAVAR positionieren und damit ein Segment abdecken, welches nicht gerade überfüllt ist. Songs wie "Black widow" und "End of time" überzeugen durch die verlebten Vocals von Bischoff, der aber trotzdem meist richtig 70ies lastig singt, und die großartigen Stooner/Fuzz-Gitarrenriffs. In "Take it for granted" gibt sich dann noch John Garcia himself die Ehre (KYUSS/UNIDA/VISTA CHINO) und katapultiert das Album mit seinem Auftritt beinahe in Amour Fou-Dimensionen. Leider sind einige Elemente auf "End Of Time" aber recht cheesy. "Octavia" ist ein Beispiel für diesen Zwiespalt. Vom Tempo her deutlich laid back, cooler Gesang, selbst ein Flanger kommt zum Einsatz, aber die Melodieführung im Refrain ist einfach etwas zu banal. "Save you" ist dann eher grungelastig, da der Gesang etwas pathetischer rüberkommt, aber die Bluesriffs überzeugen. Das etwas zu traditionelle Solo lassen wir mal ebenfalls außenvor. Insgesamt ist das Album weit, weit über dem Durchschnitt, aber eben doch recht gefällig. Wenn alle Tracks nur so wie der Rausschmeißer "Black widow" wären, dann stünden sie noch höher in meiner Gunst… ThEb (7)

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THREE EYES LEFT
La Danse Macabre EP
Go Down Records


Wie so oft bei Go Down umgibt auch diese Band eine mystische Aura, aber dafür sind die Songs umso direkter. So geht "Celebrating the flight of the crow" beispielweise in Richtung Wüstenrock, dröhnt herrlich und obwohl der Gesang manchmal etwas gepresst rüberkommt, überzeugt die Bandbreite. Mal klingen die Vocals nach Robert Lowe (CANDLEMASS), dann eher nach Layne Staley, was aber nicht heißt, dass nicht gegrunzt werden darf. Das Riffing orientiert sich eindeutig an Victor Griffin, denn meist hört man zyklische-Akkordfolgen, die sich primär an Powerchords halten. Fans von ELECTRIC WIZARD dürften sich ebenfalls mit den phänomenalen Gitarrenriffs in "... The devil walks with him" anfreunden können und wenn es dann noch etwas psychedelisch wird, weist der Sound Parallelen zu COLOUR HAZE auf. Das Label nennt diese Fusion dann ganz treffend "Heavy-Psychic-Sludge". Da soll noch jemand meckern. Die Songs haben alle Überlänge, so dass die fünf Lieder letztlich rund 40 Minuten in Anspruch nehmen. Zwar hätte "Danse Macabre" sicherlich noch den ein oder anderen eingängigen Refrain vertragen, aber das Trio überzeugt auch so absolut und ohne Zweifel, selbst wenn's bis zu den großen Vorbildern noch ein gutes Stück Wegstrecke ist, allemal ein vielversprechender Einstieg. ThEb (6,5)

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WINDHAND
Soma CD/LP
Relapse Records


Bisher standen WINDHAND immer doch recht deutlich im akustischen Schatten von ELECTRIC WIZARD und auch wenn der Opener "Orchard" sich ungeniert an besagten Briten orientiert, ist das neue Material doch etwas eigenwilliger als der mit sieben Songs bisher recht übersichliche vorherige Output von WINDHAND. Die Vocals sind weiterhin ziemlich gefällig, beinahe schon grungig und bei einer Split mit COUGH fragt man sich natürlich, ob die schon immer so melodisch waren. Waren sie tatsächlich. Nur etwas längere Songs waren bei dem Quintett aus Richmond an der Tagesordnung. Die Dröhn-Fraktion beäugt die Band ja schon länger und mit dem 2013er Spot auf dem Roadburn und dem Releapse Deal dürfte sich die Neugier noch verstärken. Ich fand WINDHAND bis dato recht nett, aber so richtig umgehauen hat mit die Combo nicht, weil es für mich eher eine ELECTRIC WIZARD-Tribute-Band war, als was Eigenständiges. Obwohl mit Dorthia Cottrell eine Sängerin die Band frontet, geht es gesanglich nicht sonderlich feminin zu, denn die Stimmlage von Dorthia ist nicht sonderlich Sirenenhaft, die Tonhöhe eher moderat und wenn ich's nicht gelesen hätte, wäre ich eher von einem versierten Sänger ausgegangen. Aktuell geht der Chorus eher ins Ohr, als das früher der Fall war. "Evergreen", ein semiakustischer Song, der Fans von ROYAL THUNDER gefallen könnte, und mal eine andere Seite von WINDHAND zeigt und Doriahs Gesang zur Ehre gereicht, bildet ein erstes Highlight. Auch der minimalistische aber doch eindrucksvolle Text hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Mit "Cassock" katapuliert man sich dann endlich aus der Mittelmäßigkeit heraus, denn hier gibt es viruose Soli, Feeback-Mayham und endlich mal etwas psychedelisch-unberechenbaren Gesang. Aber 14 Minuten muss man sich schon Zeit nehmen für das Stück. Nichts mit Häppchenkost. Der Rausschmeißer überrascht dann mit einem Akustik-Intro, aber dann folgt altbewertes Riffing, wie man es von genrekollegen bereits kennt, aber die Vocals sind etwas versierter als bei den anderen Tracks des Albums und der Song dauert rund rund 30 Minuten. Das Fazit ist wohl, dass, selbst wenn man mit dem Album hart ins Gericht geht, es doch ordentlich ist. Man muss jetzt keine Superlative bemühen, aber überzeugen kann die Band damit den größten Skeptiker, zudem ist das Album ein echter Grower und mit der Zeit will man nicht mehr drauf verzichten müssen. ThEb (8)