antstreet

Nennt doch bitte mal die Eckdaten des Labels. Seit wann gibt's ANTSTREET, wer macht mit, wie alt seid ihr und wie kam es zur Gründung?

Antstreet Records gibt es seit November 2005 und wurde von mir, Carmelo (29) und meiner Frau Christina (30) gegründet. Zunächst nur aus dem Grund entstanden, meine eigene Band HUNGRY zu releasen kamen mit der Zeit immer mehr Bands dazu, die wir klasse fanden und mit denen wir was machen wollten. Mittlerweile machen noch Christina Berkele aus Köln (Booking), Uwe Fritzkowsky (A&R) und Thomas Bremer (Localshows) mit.

Welche Labels haben für euch Vorbildfunktion und aus welchem Grund?

Hmm. Vorbilder zu nennen ist nicht immer einfach. Jemanden den ich in diesem Bereich wirklich bewundere ist Fat Mike, weil er seinen Weg geht und genau das die Stärke seines Labels ist.

Welche Erfolge haben sich bisher eingestellt? Gab es auch Probleme, die gelöst werden mussten?

Am Anfang mussten natürlich alle Strukturen aufgebaut werden, dh. es musste ein vernünftiger Vertrieb gefunden werden, wir mussten lernen was Promotion ist und das war mit sehr viel Aufwand verbunden. Aber es hat viel Spass gemacht und das tut es immer noch. Erfolgreich arbeiten heißt für uns, wenn die Bands bei uns bleiben obwohl sie keine langfristigen Verträge mit uns abschließen. Unser Ziel ist es Bands aufzubauen, und da sind wir auf einem guten Weg. Bands wie beispielsweise RANDOM HERO oder AT THE FAREWELL PARTY sind keine kleinen regionalen Bands mehr und werden erwachsen. Die Krise hat anscheinend nun auch die Musikindustrie erreicht, der Vertrieb SPV hat gerade Insolvenz angemeldet, betrifft euch das in irgendeiner Form, oder nutzt ihr andere Vertriebswege?

Die Sache mit SPV ist natürlich nicht gerade erfreulich. Momentan betrifft uns das nicht direkt. Wir haben mit New Music Distribution in Hamburg einen sehr zuverlässigen und gut funktionierenden Vertriebspartner. Bei denen mache ich mir momentan keine Sorgen. Zusätzlich haben wir ja noch den digitalen Weg über Itunes usw, der sich ja immer stärker entwickelt.

Könnte sich daraus sogar ein Vorteil für kleinere Vertriebe ergeben, oder denkt ihr, dass sich die ganze Struktur verschlechtern wird?

Das Problem im Vertriebsbereich ist die Quasi-Monopolstellung von Saturn/Mediamarkt. Dadurch sterben die kleinen Läden in den Innenstädten aus und die Fläche auf der verkauft werden kann wird auch immer kleiner. Dort präsent sein wird in Zukunft immer schwieriger. Aber vielleicht kommen neue Ideen, irgendwie wird es schon weiter gehen.

Was macht ihr Hauptberuflich und woher nehmt ihr die Zeit für's Label, wenn's mal knapp wird?

Ich selbst mache das ganze Hauptberuflich, die Anderen noch nebenher. Zeit ist eigentlich immer knapp. Lange Abende sind momentan eher die Regel.

Man findet ja immer italienische Bands in eurer Promotionsparte Solerosso. Woher habt ihr denn so gute Italien-Kontakte?

Ich hatte mich schon vor der Labelgründung intensiv mit der Szene in Italien auseinander gesetzt . Als dann Myspace aufkam waren sehr schnell die ersten Kontakte geknüpft und so kam dann eins zum anderen. 2005 haben wir dann mit HUNGRY zum erstenmal in Italien gespielt, wo wir auch sehr viele nette Leute kennengelernt haben. Irgendwann kam dann die Frage auf, ob ich für einige Labels auch hier Promo machen könnte und dann ging es auch schon los.

Was ist euch bei Bands wichtig, die auf euerem Label erscheinen wollen? Nach welchen Stilrichtungen sucht ihr und was ist so gar nicht eure Abteilung?

Wir sind stilrichtungsmäßig nicht so begrenzt, es sollte einfach nur gut und ehrlich sein. Ganz wichtig ist für die Bereitschaft der Band genauso hart arbeiten zu wollen wie wir. Ohne diese Bereitschaft läuft nichts. Außerdem mögen wir keine Bands, die in irgendeiner Form "unvernünftig" sind, dh. rassistisch, sexistisch und solche Geschichten.

Wie sieht die Szene in Saarbrücken denn aus, welche Combos muss man kennen, wo sind die guten Konzerte und wo gibt's die ordentlichen Platten?

Man muss das ganze Saarland betrachten. Wir haben sehr viele Bands hier, die auch engagiert sind und selbst auch Konzerte veranstalten.

Bands, die man sich unbedingt mal anhören sollte sind: SEVEN LASTING STITCHES, SKAFIELD, GREEDY BEES, IN THE EVENT OF FIRE, SMALL STATE, SPEEDRECORDER, SCUZZ, JETPACKS, JOHNBOY, PASCOW, MANIFESTATION und FINDING FAITH. Die Shows finden entweder in den Jugendzentren statt oder in Läden wie dem Flexibel oder der Garage. Ordentliche Platten gibt´s in Saarbrücken im Rex Rotari, in Lebach im Shiva und in Saarlouis im Phonac. Weiterhin sollte man noch das Hardcorelabel DEAD SERIOUS RECORDS erwähnen, zu denen wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis haben.

Was sind eure Ziele, mal über das obligatorische "gute Alben machen" hinaus? Seid ihr politisch aktiv, vertretet ihr als Label eine Ideologie, was ist euch wichtig?

Keiner von uns ist jetzt politisch aktiv, was aber nicht heißt, dass wir unpolitisch sind. Ich denke jeder sollte eine Meinung haben zu den Dingen, die um uns herum passieren. Jemandem eine Meinung vorzuschreiben oder ihn deshalb zu kritisieren ist nicht so unser Ding - es sei denn die Person ist faschistisch, rassistisch oder sexistisch. Da verstehen wir keinen Spass, deshalb haben solche Leute generell keinen Zutritt zu unseren Shows ohne Wenn und Aber.

Wie steht ihr zum Thema Vinyl, kann man mit Platten von euch rechnen, oder gibt's die Releases weiterhin auf CD?

Das schwarze Gold. Ich selbst stehe da voll drauf, allerdings ist die Herstellung verdammt teuer und für die Mucke, die hauptsächlich bei uns auf dem Label zu finden ist fast schon irrelevant. Ich würde mir für die Zukunft eine Abkehr von der CD hin zu Vinyl als physischen Datenträger wünschen, vielleicht klappt´s ja wie beispielsweise im Hardcore-Bereich wo sowas durchaus funktioniert.

Thomas Eberhardt