I WALK THE LINE

Eure Band setzt sich ja aus Mitgliedern von MANIFESTO JUKEBOX und WASTED zusammen, ist das nicht eine Art Konkurrenz auf dem eigenen Label?

Jani: Ich kann das so gar nicht nachvollziehen - wieso sollte daraus Konkurrenz entstehen? Für uns ist das einfach so, dass wir als Freunde gemeinsam Musik machen und wenn uns diese glücklich macht, dann bringen wir sie auf meinem Label raus, mehr sehe ich darin nicht. Für das Label sehe ich das nur als positive Sache, denn wenn jemand MANIFESTO JUKEBOX gefallen, dann werden die Leute auch I WALK THE LINE hören wollen, oder wenn jemand zuerst auf I WALK THE LINE stößt, dann möchte die betreffende Person vielleicht die anderen Band kennen lernen.

Wie habt ihr euch denn überhaupt getroffen?

Ville : Nun ja, die finnische Szene ist ziemlich klein und fast jeder kennt den anderen. Vor fast zehn Jahren, sind wir auf die selben Gigs gegangen, haben uns manchmal gegrüßt und eben ein Bier getrunken oder so. Als WASTED dann anfingen mehr Konzerte zu machen, fingen MANIFESTO JUKEBOX auch damit an und da wir auf den selben Gigs spielten, hingen wir manchmal zusammen rum und lernten uns besser kennen. Jani hat dann einige der frühen WASTED 7"es rausgebracht. Wir kennen uns etwa seit sechs Jahren, genau so lange wie Anna, unsere Keyboarderin, die ja in keiner der Bands spielte, aber eben auch mit den selben Leuten befreundet war.

Wieso habt ihr euch nach einem Johnny Cash - Song benannt?

Ville: Wir wollten für die Band einen eher untypischen Namen. Etwas, was zeigt, welchen Stil wir spielen. Es ist eben nicht typisch Punkrock, sondern hat auch einen Rock 'n Roll Einschlag. Der Name spiegelt auch die finnische Mentalität wider, die ganze Melancholie, die Ehrlichkeit und die Tatsache, dass man zu seinem Wort steht. Es nicht als Tribut an Johnny Cash gedacht, so gerne wir ihn uns natürlich anhören.

Wie würdet ihr den Stil der Band beschreiben?

Ville: Energiegeladener melodischer Punkrock mit Keyboards. Manchmal entspannt, manchmal roh und ungeschliffen. Von Zeit zu Zeit atmosphärisch. Unsere Einflüsse sind eben nicht nur Punkrock. Es wurde auch schon gesagt, wir würden nach einer Mischung aus MURDER CITY DEVILS und SOCIAL DISTORTION klingen. Manchmal sagten Leute auch, dass sie noch die POGUES raushören. Wir haben keine Angst davor alle Einflüsse, die wir durch die Musik bekommen zu verarbeiten. Man kann nicht sein ganzes Leben lang an einem Stil hängen bleiben, man muss sich weiter entwickeln. Neue Herausforderungen und Herangehensweisen ausprobieren und weiterspielen.

Wie sehen denn eure großen Momente als Band aus und was waren die Tiefschläge?

Jani: Die Höhepunkte waren unsere Japantouren mit MANIFESTO JUKEBOX! Klar haben wir auch viele tolle Konzerte in Finnland und ebenso in Europa gespielt, aber auf vielen Gebieten ist eine Reise nach Japan schon was ganz besonderes. Es eine ganz andere Welt. Und wenn die Menschen dort dann noch auf deine Musik stehen, dann ist das ein tolles Gefühl. Das Negativerlebis schlechthin war dagegen unsere Tour durch die USA. So weit zu reisen und dann zuzusehen, wie alles schiefläuft, war echt eine Sache, die einem ein ziemlich dummes Gefühl gab, alles war irgendwie sinnlos.

Ville: Eines meiner schlimmsten Erlebnisse war ein Autounfall auf der WASTED - Tour in Schottland. Wir waren in der Mitte von nirgendwo und ich habe ein entgegenkommendes Auto nicht gesehen und Boom! Es gab einen ziemlich heftigen Aufschlag hinten am Van. Erstmal dachten wir, dass im anderen Auto jemand gestorben sei und unsere gesamte Backline kaputt sein würde. Das andere Auto war echt klein und in keinem besonders gutem Zustand, aber alles nahm ein gutes Ende. Nur ein paar gebrochene Knochen und unserer Heck war halt kaputt. Wir konnten sogar die Tour beenden. Tolle Erinnerungen gibt es viele, aber nichts, was irgendwie heraussticht. Aber ich muss doch dieses große Festival in Finnland namens "Ilosaarirock" erwähnen. Jedes Jahr kommen etwa 20 000 Leute hin und mit WASTED haben wir schon vier Mal dort gespielt und die Shows waren wirklich gut. Mehrere hundert Leute haben mitgesungen. I WALK THE LINE spielen dieses Jahr auch dort und ich kann es kaum erwarten.

Ihr habt eine sehr erfrischende Herangehensweise an die Texte. Welche Intensionen habt ihr während ihr sie schreibt?

Ville: Also, ich habe alle Texte für das Album geschrieben und auch für WASTED schreibe ich alles, wobei WASTED eher politisch und geradlinig sind. Als ich begann die Texte für I WALK THE LINE zu schreiben, wollte ich nicht das selbe machen. Ich habe einfach begonnen alles, was mir in den Sinn kam aufzuschreiben und ich habe mich auch nicht darum gekümmert, was die Leute darüber denken, oder ob man e verstehen kann. Ich denke man kann sie selbst interpretieren und auf sein eigenes Leben anwenden. Ich habe auch versucht mir beim Schreiben etwas Zeit zu lassen und nicht alles so offensichtlich auszudrücken. Ich habe versucht verschiedene Wege zu finden um Emotionen zu beschreiben, damit derjenige, der es liest auch etwas Anstrengung hat, um sie zu verstehen.

Wie kommt es, das in euren Texten immer Probleme geschildert werden und so trotzdem so positiv klingen?

Ville: Alle Texte sind sehr persönlich und wenn ich sie schreibe, dann schreibe ich mir eben was von der Seele, also handelt es sich manchmal dabei um ein Ventil für mich, um Frustration abzubauen. Als ich die Texte schrieb, war ich auch in einer ziemlich schlimmen Phase meines Lebens, es schien so, als ob nichts so laufen würde, wie ich das wollte. Es war eine sehr depressive Phase und es war auch im Herbst, wenn es in Finnland die ganze Zeit dunkel und kalt ist. Das hat die Traurigkeit und die Melancholie in den Texten noch etwas gesteigert. Es war wohl auch eine Art Therapie für mich, um die Dämonen in meinem Kopf zu bekämpfen. Was die Musik betrifft, denke ich, dass beides sich ergänzen sollte. Man kann wohl die selben Gefühlsregungen haben, ohne dass man sich die Texte anhört, allein durch die Musik. Die Akkorde und die Melodien sind eben auch nicht das, was ich als fröhlich bezeichnen würde. Außerdem ist die Welt sowieso voller Bands, die über die Liebe und das Glück singen, das macht mich schläfrig, ich will über andere Sachen singen.

Ist der Titel "Badlands" programmatisch für das Album und wofür steht er?

Ville: Den Titel haben wir gewählt, weil er die Musik und die Texte des gesamten Albums widerspiegelt. Hoffnungslosigkeit, Depression und Einsamkeit eben. Das Wort "Badlands", welches ja trockener und erodierter Boden bedeutet, beschreibt das ziemlich gut. Es hat jedenfalls nichts mit Bruce Springsteen oder dem Skatepark in den USA zu tun.

Ist es für eine Band aus Finnland schwerer Erfolg zu haben?

Jani: Auf eine gewisse Art schon. Es ist unmöglich häufiger auf Tour zu gehen, oder mit größeren Bands zu touren, um sich einen Namen zu machen. Aber letztendlich sind diese Dinge auch gar nicht so wichtig, weil es bei unserer Band nicht um den schnellen Erfolg geht. Da wir aus Finnland sind, bekommen wir nichts umsonst. Wir müssen besonders hart arbeiten, um gut zu sein, und auch an uns selbst glauben, damit die Dinge ihren Lauf nehmen, also hat es auch irgendwo sein Gutes.

Wie kam es denn dazu, dass ihr die CD zusammen mit Boss Tuneage veröffentlicht?

Jani: Combat Rock Industry hat schon bei den Releases von MANIFESTO JUKEBOX und WASTED mit Boss Tuneage zusammen gearbeitet und da das so toll funktioniert hat, war es ganz natürlich auch hier eine gemeinsame Veröffentlichung zu machen. Glücklicherweise mochte Aston von Boss Tuneage auch I WALK THE LINE.

Könntet ihr vielleicht noch etwas zu Combat Rock Industry sagen, wer macht das Label, wie hat alles begonnen?

Jani: Ich mache Combat Rock Industry zusammen mit Janne von ENDSTAND. Wir haben das Label im Mai 2000 gegründet und ich kann gar nicht glauben, dass das schon vier Jahre her ist. Davor hatten wir beide ein Ein-Mann-Label, aber irgendwo war es doof in Konkurrenz zu stehen, weil wir ja auch die selben Dinge mochten. Wir haben uns also entschlossen die Kräfte zusammenzulegen, um die Bands, die wir so mochten besser zu vertreten und insgesamt hat sich das alles großartig entwickelt. Wir hatten die Chance mit vielen guten Bands zu arbeiten, mit denen wir sogar befreundet sind und mehr kann man wohl nicht verlangen. Im Mai werden wir etwas expandieren und einen Plattenladen namens "Combat Rock Shop" in Helsinki aufmachen. Unsere nächsten Releases sind die BOMBSHELL ROCKS, ON A SOLID ROCK, OI POLLOI und WASTED, es ist also viel in Arbeit.

Kann man euch bald auf Tour sehen?

Ville: Im Juni touren wir im UK. Nach Irland gehen wir dann auch. Das wird bestimmt super. Nächsten Herbst sind sowohl MANIFESTO JUKEBOX, als auch WASTED auf Tour, also können wir da schonmal nicht touren, aber vielleicht werden wir es dann im im nächsten Winter oder im Frühling nach Deutschland und ins restlich Europa schaffen. Man kann sich Informationen dazu auf unserer Homepage : www.iwalktheline.org besorgen.

Thomas Eberhardt